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Wie viel Digitalradio es in Autobahn-Tunneln gibt

Und wie die Versorgung in Zukunft gelöst sein sollte

Nikola Marquardt, Mitherausgeberin des Fachdebattenportals Meinungsbarometer.info Quelle: Redaktion Dipl.- Journ. Nikola Marquardt Founder & Herausgeberin Meinungsbarometer.info 26.07.2021

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Die Digitalradio-Pflicht in Neuwagen könnte DAB+ einen entscheidenden Schub verleihen. Die Netzabdeckung wächst. Auf vielen Strecken können Autofahrer über hunderte Kilometer durchgängig Digitalradio hören. Doch noch gibt es ein Problem. Dr. Michael Weber, Geschäftsführer, Desay SV Automotive Europe GmbH, beschreibt es in der Fachdebatte auf Meinungsbarometer.info so: „Nach den Versorgungszahlen des Netzbetreibers Media Broadcast vom Oktober 2020 sind die Autobahnen in Deutschland mit 99 Prozent nahezu komplett mit DAB+ versorgt. Das klingt ganz ordentlich, doch in der Praxis (und ich bin Vielfahrer) reißt die Verbindung in Tunneln immer wieder ab.“

Tatsächlich gibt es inzwischen eine ganze Reihe von Bestrebungen im deutschsprachigen Raum, damit Digitalradio-Hörer in den Röhren nicht in dieselbe schauen. So hat Schwarzwaldradio gemeinsam mit dem Netzbetreiber Media Broadcast den Saukopftunnel in Baden-Württemberg mit einer DAB+ Tunnelfunkanlage ausgestattet. „Dazu hat Schwarzwaldradio in die Verbreitung und in die technische Infrastruktur im Tunnel investiert, und zwar nicht nur für das eigene Programm, sondern auch für alle anderen Programme des 1. bundesweiten Multiplex“, erklärt Markus Knoll, Geschäftsführer Funkhaus Ortenau und damit auch für Schwarzwaldradio verantwortlich. Er fordert nun Vorgaben der Länder und auch entsprechende Investitionen. Schließlich gehe es in diesem Zusammenhang auch um Warnmeldungen, die überall zu hören sein sollten.

In Bayern sind in fast allen relevanten Straßentunneln (Autobahnen, Bundesfernstraßen) DAB-Signale zu empfangen - mindestens der landesweite Block 11D (Antenne Bayern und Programme des Bayerischen Rundfunks) sowie die Regional- und Lokalmultiplexe des Bayerischen Rundfunks und der Bayern Digital Radio, oft auch der bundesweite Multiplex im Block 5C (1. bundesweite Bedeckung). „Aktive DAB-Einspeisungen gibt es in 24 Tunnelanlagen; weitere Einspeisungen sind geplant“, erklärt Siegfried Schneider, Präsident der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien (BLM).

In Thüringen sind in den Tunneln entlang der Bundesautobahnen A4 und A71 die Nachrüstung auf DAB+ vorgenommen worden. In den zwei Tunnelanlagen bei Jena wird neben dem Bundesmultiplex auch der MDR-Multiplex verbreitet. „Digitale Radioprogramme sind somit noch nicht in allen Tunnelanlagen zu empfangen, allerdings sind wir auf einem guten Weg der Nachrüstung“, betont Jochen Fasco, Direktor der Thüringer Landesmedienanstalt (TLM).

Gesteuert und überwacht werden alle Thüringer Anlagen übrigens von der Zentralen Betriebsleitstelle am Südportal des Rennsteigtunnels in Zella-Mehlis. Für Steffen Meier von der Autobahn GmbH, Außenstelle Erfurt / Thüringen ist derzeit das „Einsprechen in DAB+“ ein großes Thema. Zurzeit läuft dazu im Tunnel „Alte Burg“ ein Pilotprojekt mit einem Schweizer Unternehmen und einem in Thüringen ansässigen Unternehmen. „Die technische Realisierung für dieses Pilotprojekt haben wir im Zuge der Sanierung am Tunnel „Alte Burg“ mit durchgeführt und diese Technologie funktioniert sehr gut.“

In der Schweiz ist man schon weiter. Dort die Autobahntunnel im Nationalstraßennetz laut Iso Rechsteiner, Projektleiter AG Digitale Migration (DIGIMIG), bis auf ganz wenige Ausnahmen alle mit DAB+ Empfangsmöglichkeiten ausgerüstet, „In den Kantonen gibt es noch vereinzelte Lücken, die zeitnah gefüllt werden sollen.“ In Südtirol werden nach Angaben von RAS-Direktor Dr. Georg Plattner in allen Tunneln mit einer Länge von mehr als 500 Metern alle DAB+ Programme abgestrahlt. Empfangbar sind „bis zu sechs Multiplexe mit mehr als 70 Hörfunkprogrammen“.

In Österreich bezeichnet Marko Jandrisits, Leiter Konzernsteuerung Autobahnen- und Schnellstraßen-Finanzierungs-Aktiengesellschaft (ASFINAG), die Versorgung der Tunnel als „ein strategisch wesentliches Thema, das in den nächsten Jahren auf der Agenda stehen wird.“ Aus gutem Grund. Denn für Gernot Fischer, Geschäftsführer RTG Radio Technikum GmbH, ist die Versorgung der längeren Autobahntunnel im Sinne der Verkehrssicherheit essentiell. Gerade moderne TPEG-Services seien der geeignete Weg, zukünftig Fahrzeugnavigationssysteme mit wichtigen Verkehrsinformationen zu versorgen. „Dies muss unbedingt auch in Tunneln möglich sein.“

ÖAMTC-Unfallforscher David Nosé sieht, dass die Versorgung im Tunnel sehr teuer ist, da jeder Tunnel extra ausgestattet werden muss und dafür Sorge zu tragen ist, dass die Tunnelwarte jederzeit Durchsagen machen kann. Der ÖAMTC hat die Situation gemeinsam mit seinen europäischen Partnerclubs untersucht. „Leider musste sogar im aktuellen Test festgestellt werden, dass manche Anlagen keinen Verkehrsfunk gewährleisten“, beklagt der Unfallforscher. Dabei könne die dank DAB+/TPEG mögliche zeitnahe, örtlich präzise Information über sicherheitsgefährdende Verkehrs- und Wetterereignisse sicherlich zu mehr Verkehrssicherheit beitragen. Für eine genauere Beurteilung würde der Forscher indes gern weitere Untersuchungen und Auswertungen zur Verfügung haben.

Für Wolfgang Peters, Sales Director AVT Audio Video Technologies GmbH, liegen die Vorteile von DAB+ Lösungen auf der Hand. „Um Tunneldurchsagen im DAB+ Autoradio zu hören, muss man bei der Einfahrt nicht mehr eine spezielle UKW-Frequenz einstellen, sondern empfängt Durchsagen automatisch auf allen im Tunnel ausgestrahlten Programmen“, erklärt der Manager von einem der führenden Ausrüster für DAB-Systemkomponenten. CD- oder andere Mediaplayer könnten automatisch gestoppt werden. Ganz neue Empfänger seien durch die DAB+ Alarmsignalisierung sogar in der Lage, automatisch eingeschaltet zu werden.

Mit Blick auf die Zukunft fordert Arnold Stender, Vorsitzender der Geschäftsführung Media Broadcast, eine klare Regelung zur Ausrüstung von Tunneln, analog zur vorgeschriebenen Versorgung von Tunneln mit UKW-Signalen. Als Netzbetreiber stehe man zu seiner Verantwortung und trage einen Teil zu solchen Lösungen bei. Insgesamt aber betont der Manager: „Die Aufwände für die Schaffung der Infrastruktur können nicht einseitig von einzelnen Unternehmen getragen, sondern sollten über faire Modelle auf möglichst viele Schultern verteilt werden.“

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