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Wann es DAB+ in Österreichs Tunneln geben könnte

Und was das für die Sicherheit bedeuten würde

David Nosé - Unfallforscher des Mobilitätsclubs ÖAMTC Quelle: ÖAMTC/ Christian Postl David Nosé Unfallforscher Österreichischer Automobil-, Motorrad- und Touringclub (ÖAMTC) 27.11.2020
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"Österreich ist auf Grund seiner Topografie ein extrem tunnelreiches Land. Verkehrsfunk in Tunnelanlagen zu empfangen ist eine essentielle Frage der Verkehrssicherheit", konstatiert ÖAMTC-Unfallforscher David Nosé. In Sachen DAB+ erklärt er die Lage in Österreich.







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Künftig verfügen alle Neuwagen über einen digitalen Radioempfänger. Wie sieht es mit der Empfangbarkeit von digitalen Sendern in Tunneln auf Österreichs Fernstraßen derzeit aus?
Aktuell werden Verkehrsmeldungen über zwei Varianten direkt in Kfz gesendet: Viele Radioanbieter senden Verkehrsinformationen als Serviceangebot in ihren UKW-Hörfunkprogrammen. Zusätzlich wird von allen ORF Radioprogrammen ein Traffic Message Channel (TMC) über das Radio Data System (RDS) gesendet. Wesentliche Schwäche des TMC-Systems ist bekanntermaßen seine geringe Geschwindigkeit –
DAB+ bzw. TPEG ist hierbei mit einem Faktor größer 300 deutlich schneller.

Generell ist österreichweit bis Ende des heurigen Jahres eine Abdeckung von 63% zu erreichen geplant. Seit April 2019 darf und muss die Firma ORS comm zehn Jahre lang DAB+ in Österreich verbreiten. Das geht aus einem Bescheid der Kommunikationsbehörde Austria hervor. Im Fokus steht aktuell die Abdeckung in Innenräumen. Die ORS comm wäre jedoch bereit, dies auch auf Hauptrouten und Tunnelanlagen auszuweiten.

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Inwieweit sehen Sie rechtlichen Regelungsbedarf zur Sicherstellung der Empfangbarkeit von digitalem Radio in Tunneln?
Im Jahr 2018 wurde seitens des EU-Parlamentes und Rates eine Richtlinie bez. dem Empfang von digital-terrestrischen Radio erlassen. Dieser Europäische Elektronische Kommunikations Kodex (EECC) schreibt vor, dass jeder in der EU betriebene Neuwagen ab 2021 einen digital-terrestrischen Empfänger enthält, über den DAB+ gehört werden kann. Diese Bestimmung betrifft alle neu zugelassenen Fahrzeuge ab 21.12.2020.

Unserem Wissen nach gibt es jedoch noch keine EU-weit bindenden Regelungen, Direktiven oder Strategien, die als Motiv oder gar Verpflichtung für die Republik Österreich oder die heimische Radiobranche herangezogen werden können, Digitalradio einzuführen. Die Untersuchung der Motivation und Ziele auf Basis von Interviewergebnissen einer österreichischen Studie aus dem Jahr 2016 zeigte, dass die öffentlich-rechtlichen (bspw. Marktführer ORF) und kommerziellen und freien Radioanbieter nur zu einem kleinen Teil einer Digitalradio-Einführung in Österreich positiv gegenüberstehen. Uneingeschränkte Befürworter eines solchen Projektes sind, mit wenigen Ausnahmen, UKW-Radioanbieter mit relativ kleinen Marktanteilen und entsprechend niedriger wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit sowie bislang nicht im Markt vertretene Unternehmen.

Welche Rolle können DAB+ Programme und moderne TPEG-Services für die Sicherheit in Tunneln spielen?
Österreich ist auf Grund seiner Topografie ein extrem tunnelreiches Land. Verkehrsfunk in Tunnelanlagen zu empfangen ist eine essentielle Frage der Verkehrssicherheit. Der ÖAMTC hat die – gemeinsam mit seinen europäischen Partnerclubs – im Rahmen der Tunneltest immer mituntersucht. Leider musste sogar im aktuellen Test festgestellt werden, dass manche Anlagen keinen Verkehrsfunk gewährleisten. Die Versorgung im Tunnel ist an sich sehr teuer, da jeder Tunnel extra ausgestattet werden muss und dafür Sorge zu tragen ist, dass die Tunnelwarte jederzeit Durchsagen machen kann. Die DAB+ Versorgung in Tunnel ist noch kostspieliger, weil im Gegensatz zur UKW-Versorgung kein „Umsetzer“ verwendet kann, sondern stets ein eigener Kleinsender benötigt wird. Aktuell gibt es am Autobahn- und Schnellstraßennetz noch keine Tunnel mit DAB+ Ausstattung. Lt. Auskunft des Betreibers ASFINAG könnten aber in naher Zukunft zwei Testtunnel auf der S1 Außenringschnellstraße bei Wien damit starten.

Die mittels DAB+/TPEG mögliche zeitnahe, örtlich präzise Information über sicherheitsgefährdende Verkehrs- und Wetterereignisse kann sicherlich zu mehr Verkehrssicherheit beitragen. Aber: Es kann allerdings nicht ohne weiteres beurteilt werden, ob sich dies auch in einer tatsächlichen Verbesserung der realen Verkehrssicherheit auswirkt. Dazu wären tiefergehende Auswertungen der Unfallstatistik erforderlich, um Anzahl, örtliche Rahmenbedingungen Ursache der Unfälle dahingehend zu prüfen, inwiefern diese überhaupt durch technisch bedingt fehlende oder verspätet eingehende Verkehrsinformationen beeinflusst wurden. Es dürfte sich hierbei lediglich um einen kleinen Teil aller Verkehrsunfälle handeln. Dies trifft nicht nur auf Tunnelanlagen zu sondern auf das gesamte Straßennetz.  

Das heute im Einsatz befindliche UKW/TMCpro verfügt an sich über eine große installierte Basis von Endgeräten (fix eingebaute bzw. mobile Navigationsgeräte), das Signal ist österreichweit empfangbar. Folge dessen besteht aktuell eine hohe Nutzung. Es kann davon ausgegangen werden das sicherheitsrelevante Informationen die Verkehrsteilnehmer mit hoher Wahrscheinlichkeit erreichen. Zudem sind keine praxisrelevanten Schwächen erkennbar.

Wer soll für etwaige Mehrkosten bei einem künftigen Ausbau des DAB+ Angebotes in Tunneln oder beim Betrieb von Notfall-Einsprechsystemen aufkommen?
Die Frage der Kostenaufteilung ist in Österreich aktuell nicht geklärt. Hierzu können wir aktuell keine detaillierten Informationen zur Verfügung stellen. Lt. Auskunft der ASFINAG werden für die Abstrahlung der Sender in den Tunnelanlagen Sondernutzungen mit den Radioanbietern abgeschlossen.

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