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Interview07.07.2023

Großteil der Waldbesitzer konnte nicht kostendeckend wirtschaften

Wie Ökosystemleistungen honoriert werden sollten

Friederike Schulze Hülshorst, Referentin für Forstpolitik und Jagdrecht beim Deutschen Bauernverband (DBV) Quelle: MIKA Fotografie Berlin/ Bauernverband Friederike Schulze Hülshorst Referentin für Forstpolitik und Jagdrecht Deutscher Bauernverband (DBV)
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Dipl.- Journ. Nikola Marquardt
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"In den vergangenen Jahren waren die hiesigen Wälder großem Stress ausgesetzt", betont der Deutscher Bauernverband - und formuliert klare Forderungen an die Politik. Das Interview haben Friederike Schulze Hülshorst, Referentin für Forstpolitik und Jagdrecht beim DVB, und Torben Hammer vom Verband gemeinsam gegeben.





Nach dem aktuellen Waldzustandsbericht sind vier von fünf Bäumen bundesweit krank. Wie sehen Sie die Entwicklung der hiesigen Wälder in den letzten Jahren?
In den vergangenen Jahren waren die hiesigen Wälder großem Stress ausgesetzt. Insbesondere die Dürrejahre 2018, 2019 und 2020 haben in den heimischen Wäldern schwere Schäden hinterlassen. Insbesondere die Fichte wurde durch die trockenen Bedingungen anfällig für Schädlingsbefall, z. B. durch Borkenkäfer. Die Fichtenbestände, aber auch andere Waldflächen, sind in einem bis dato nicht da gewesenen Ausmaß betroffen. Die aktuelle Schadfläche wird mit knapp 500.000 ha beziffert. Gleichzeitig hat der Massenanfall von Schadholz den Waldbesitzenden viel abverlangt: es bedurfte erhöhter Präsenz im Wald, um Windwürfe, Käfernester und andere potentielle Gefährdungsorte zu entdecken. Des Weiteren haben die an vielen Orten gleichzeitig auftretenden Schäden einen hohen Arbeitseinsatz erfordert, der durch die Waldbesitzer koordiniert und gezielt eingesetzt werden musste. Sowohl die Aufarbeitung des stehenden und liegenden Schadholzes als auch die Abfuhr des Holzes aus dem Wald waren eine logistische und finanzielle „Mammutaufgabe“. Durch die hohen Aufarbeitungskosten und die geringen Erlöse war es dem Großteil der Waldbesitzer nicht möglich, kostendeckend zu wirtschaften. Dies trifft insbesondere die Kleinwaldbesitzer hart, die oft ohne Rücklagen für die Waldbewirtschaftung agieren müssen.
 

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Der Wald steht durch den Klima-Wandel unter Druck und ist zugleich ein wichtiger Faktor im Kampf um die Begrenzung der Erderwärmung - welche Herausforderungen sehen Sie auf die hiesige Forstwirtschaft zukommen?
Der Wald sollte möglichst zügig zu einem klimafesten Wald umgebaut werden. Die Waldbesitzenden stehen durch die Entwicklungen der letzten Jahre vor großen Aufgaben und gleichzeitig in einem Spannungsfeld verschiedenster Nutzungsinteressen. Besonders in den Zeiten der Corona-Pandemie hat sich gezeigt, dass der Wald ein beliebter Erholungsort ist. In Deutschland gibt es etwa 2 Millionen private Waldbesitzende, die sich der Herausforderung zu stellen haben, ihre Waldflächen zukunftsfähig und klimafest umzubauen. Insbesondere die angespannte wirtschaftliche Lage der Waldbesitzenden bildet ein Spannungsfeld, in dessen Rahmen Waldbesitzende resiliente Wälder (neu)begründen und bewirtschaften möchten. Nach den Mindereinnahmen durch die Schadholzsortimente sehen sich viele Waldbesitzende nun hohen Kosten für die Bestandsbegründung ausgesetzt, wohingegen die möglichen Erträge erst in zwei bis drei Generationen erwirtschaftet werden können. Etwa die Hälfte der 11,4 Mio. Hektar des deutschen Waldes werden von Privatwaldbesitzenden gepflegt, die von der aktuellen wirtschaftlichen Lage besonders hart getroffen sind. Um den nachhaltigen Rohstoff Holz auch in Zukunft regional bereitzustellen, CO2 effektiv zu speichern und Verlagerungseffekte zu vermeiden, bedarf es der Honorierung von Ökosystemleistungen, um den Waldbesitzern zu erlauben, ihren Wald zukunftsfähig und klimafest zu gestalten. Dabei wird nach Berechnungen des Thünen-Instituts in den nächsten 3 Jahrzehnten die gewaltige Summe von 43 Milliarden Euro benötigt.

Holz ist auch ein nachhaltiger Rohstoff. Welche Rolle kann der Wald für die wirtschaftliche Transformation spielen?
Holz ist ein nachhaltiger Rohstoff, der in unseren Wäldern nachhaltig und regional erzeugt und bereitgestellt werden kann.  Auch das BMEL ist von den Stärken des Rohstoffes Holz überzeugt und erarbeitet derzeit eine sog. Holzbauinitiative. Durch das Bauen mit Holz lässt sich CO2 langfristig speichern und die bei der Herstellung von Stahl und Beton entstehenden Emissionen werden substituiert. Des Weiteren können durch innovative Prozesse der Bioökonomie und Forschung neue Nutzungsmöglichkeiten für Holz und andere Waldprodukte eröffnet werden, die eine nachhaltige wirtschaftliche Transformation ermöglichen.

Wissenschaftler wollen den Wald mit digitaler Sensorik resilienter machen - wie kann moderne Technik dem Wald aus Ihrer Sicht helfen?
Moderne Technik bringt eine Vielzahl von Möglichkeiten. Es wäre denkbar, dass sie insbesondere im Waldschutz einen Beitrag leisten kann. Sowohl Sensoren zur Erfassung von Waldbränden als auch zur Erfassung von Insektenbefall durch Botenstoffe sind erste Einsatzgebiete, die dazu dienen, Schadereignisse frühzeitig zu erkennen und eine gezielte Bekämpfung zu ermöglichen. Eine Herausforderung besteht jedoch in der flächigen Ausbringung dieser Sensoren und dem damit verbundenen Personalbedarf.  Zusätzlich zur präventiv eingesetzten Technik sind auch in der Holzernte weitere Modernisierungen zur noch schonenderen Waldbehandlung denkbar.

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