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Wie die Kommunen die Energiekrise bewältigen

Und wie sie dabei zugleich nachhaltiger werden

Dipl.- Journ. Nikola Marquardt Quelle: Founder & Herausgeberin Meinungsbarometer.info Dipl.- Journ. Nikola Marquardt Founder & Herausgeberin Meinungsbarometer.info 08.09.2023

Energiesparen und nachhaltiges Wirtschaften gehören zusammen und gerade in den Kommunen gibt es einiges zu tun. Denn die rund 12.000 Gemeinden und Landkreise verbrauchen zwei Drittel der Endenergie im gesamten öffentlichen Sektor. Dabei kommt dem Gebäudebereich aus Sicht von Bernd Düsterdiek vom Deutschen Städte- und Gemeindebund mit Blick auf die Steigerung der Energieeffizienz eine besondere Rolle zu. „In Deutschland entfallen rund 35 Prozent des Energieverbrauchs und etwa 30 Prozent der Treibhausgase auf den Gebäudebereich“, erklärt er in der Fachdebatte auf Meinungsbarometer.info. „Für ein Mehr an Energieeffizienz bedarf es daher neben konsequenten Vorgaben für den Neubaubereich dringender Fortschritte im Bereich der Sanierung des Gebäudebestandes.“ Neben privaten Immobilien bergen nach seinen Worten gerade die kommunalen Liegenschaften mit rund 180.000 Gebäuden sowie über 2 Mio. kommunalen Wohnungen große Potentiale. Strom- und Wärmeversorgung kosten Städte und Gemeinden nach seinen Angaben jährlich mindestens 5 Mrd. Euro. Mehr Energieeffizienz im kommunalen Bereich sei damit nicht nur eine Frage des Klimaschutzes, sondern auch eine Frage der langfristigen Entlastung kommunaler Haushalte.

Der Stuttgarter Bürgermeister Peter Pätzold weiß das, denn: „Sparen liegt in der DNA der Schwaben, uns ist es gelungen, die Heizenergie um mehr als ein Viertel zu senken im Vergleich zu 1990.“ Die Landeshauptstadt Stuttgart betreibt nach seinen Ausführungen seit vielen Jahren ein aktives Energiemanagement bei ihren Liegenschaften. Und man nutze wir zu 100 % Ökostrom.

Wegen der gestiegenen Kosten hat in Dresden eine neu eingesetzte Taskforce zur Energiekrise einen gestuften Maßnahmenplan entwickelt. Laut dem Beigeordneten Stephan Kühn wurden zunächst die Maßnahmen aus den ersten beiden von vier möglichen Stufen umgesetzt. „Dazu zählen Sofortmaßnahmen zur Sensibilisierung unserer Mitarbeiter zum Umgang mit Energie und Ressourcen.“ So sollen zum Beispiel nicht benötigte Energieverbraucher nach Nutzung oder zum Feierabend ausgeschaltet werden. Dezentrale Warmwasserbereiter seien – wo nicht gesetzlich erforderlich – ausgeschaltet worden. Das seien das Maßnahmen, deren Energiespareffekte schon lange bekannt sind, auf die aber nicht immer konsequent geachtet worden sei.

Dr. Daniel Baumkötter von der Stadt Münster berichtet, dass seine Stadt bereits 2019 den Klimanotstand ausgerufen und sich zum Ziel gesetzt hat, bis 2030 klimaneutral zu werden. „Im Vergleich zu 1990 müssen dafür die Treibhausgasemissionen um 95 % und der Endenergieverbrauch um rund 70 % sinken.“ Zusätzlich zu den vielen langfristig angelegten Projekten habe die Stadtverwaltung mit Beginn der Energiekrise aber auch zahlreiche Maßnahmen ergriffen, um kurzfristig Energie zu sparen mit dem Ziel, 20 % Energie weniger zu verbrauchen!

Allerdings gibt Martin Harter, Beigeordneter der Stadt Essen, zu bedenken, dass Maßnahmen zur Energieeinsparung aufgrund der Verschiedenartigkeit des Gebäudebestandes nur mit differenzierten Konzepten und hohem planerischen Aufwand möglich seien. Zudem bedürfe es einer strategischen Planung zur Umsetzung auch unter Berücksichtigung der möglicherweise konkurrierenden Baumaßnahmen aus dem Aufgabenportfolio der Immobilienwirtschaft. In seiner Stadt wurde begonnen, einen Klimaschutzfahrplan zu entwickeln, der sowohl den Gebäudebestand als auch zukünftige Neubaumaßnahmen berücksichtigt. „Behinderungen durch explodierende Kosten auf den Märkten, gestörte Lieferketten, fehlendes Baumaterial und den allgemeinen Fachkräftemangel führen aktuell dazu, dass energetische Maßnahmen nicht in Konkurrenz zu sonstigen Maßnahmen umgesetzt, sondern im Rahmen der ohnehin zu erbringenden Aufgaben erledigt werden.“

Für Mirja Montag von der Stadt Wuppertal lässt sich heute schon erkennen, dass eine Klimaneutralität für den Gebäudebestand, unabhängig davon ob privat oder kommunal, nur in Gesamtbilanz erreichbar sein wird. „Es muss also Gebäude geben, die eine negative CO2-Bilanz aufweisen, um den Ausstoß bestehender noch nicht sanierter Gebäude zu kompensieren.“ Eine negative Bilanz bei Gebäuden werde nur gelingen, im Dreiklang von minimiertem Bedarf grauer Energie, Minimierung des Energiebedarfs im Betrieb und möglichst maximierter Energieerzeugung durch das Gebäude selbst. Dabei sei im Sinne des Klimaschutzes ein verstärkter Fokus auf den Gebäudebestand zu legen, da dessen Anteil gegenüber dem Neubau deutlich überwiegt.

Auch der Bielefelder Oberbürgermeister Pit Clausen bekräftigt: „Zur Verbesserung der Energie-Effizienz, insbesondere von älteren Gebäuden, sind energetische Sanierungen erforderlich.“ Dafür wäre aus seiner Sicht die Bereitstellung von Fördermitteln ohne umfangreiche Rahmenbedingungen und Nachweise wünschenswert. Als Beispiel eines Förderprogramms, das Kommunen ohne großen bürokratischen Aufwand in Anspruch nehmen konnten, nennt er das Förderprogramm des Landes NRW „Gute Schule 2020“.

Auch Digitaltechnik für mehr Energie-Effizienz ist ein großes Thema in den Kommunen. So erklärt der Bonner Stadtdirektor Wolfgang Fuchs: „Digitale Tools und Technologien werden einen immer größeren Beitrag zu einer besseren Energieeffizienz leisten können und müssen.“ So können nach seinen Erfahrungen über eine erweiterte Ausstattung mit Energiezählern und eine Aufschaltung auf Gebäudeleittechnik im Energiemanagementsystem Verbräuche so visualisiert werden, dass Fehlverbräuche schnell erkannt und abgestellt werden können. Des Weiteren würden so Kennzahlen geliefert, wo Gebäude oder Anlagen am dringlichsten saniert werden müssen. Auch eine Aufschaltung von Heizungsanlagen und anderen energierelevanten Anlagen auf die Gebäudeleittechnik biete große Potenziale, um einen möglichst optimierten Betrieb der Anlagen sicherzustellen und Störungen schnellstmöglich beseitigen zu können.

Dr. Eva-Maria Hubbert, Dezernentin in Bochum, berichtet von über 200 Gebäudetechnik-Steuerungen städtischer Gebäude, die in ihrer Stadt bereits über eine Schnittstelle zur Fernüberwachung/-steuerung haben. Mit einer Fernüberwachung könne künftig die Einhaltung und Wirksamkeit aktueller Maßnahmen effektiv geprüft werden. Aber auch sie betont: „Damit die Kommunen ihre Aufgaben bewältigen und sich selbst verwalten können, benötigen sie weiterhin finanzielle Unterstützung von Bund und Ländern. Diese Finanzhilfe ist ein entscheidender Faktor für die Umsetzung von Bauprojekten.“

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