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Wuppertal hat Passivhausstandard als Zielgröße

Wie das Gebäudemanagement der Stadt nachhaltig gestaltet wird

Mirja Montag - Betriebsleiterin Gebäudemanagement, Stadt Wuppertal (GMW) Quelle: Stadt Wuppertal Mirja Montag Betriebsleiterin Gebäudemanagement Stadt Wuppertal 01.02.2023
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Bei allen Gebäudesanierungen achtet die Stadt Wuppertal laut Mirja Montag, Betriebsleiterin Gebäudemanagement, darauf "eine möglichst hohe Energieeffizienz sicherzustellen, folglich die Gebäude mit möglichst wenig Energie betreiben zu können". Sie erklärt, wie dauerhaft und umfassend die verschiedenen Aspekte der Nachhaltigkeit berücksichtigt werden.







Der Begriff der Nachhaltigkeit umfasst ein sehr großes Feld und wird von vielen Akteuren in unterschiedlichen Kontexten verwendet. Es gibt daher nicht die eine, umfassende Definition von Nachhaltigkeit. Das GMW hat in der Vergangenheit sehr großen Wert daraufgelegt, bei allen Gebäudesanierungen eine möglichst hohe Energieeffizienz sicherzustellen, folglich die Gebäude mit möglichst wenig Energie betreiben zu können. Dazu wurde vor über 10 Jahren der Passivhausstandard als Zielgröße gewählt, da durch den hohen Dämmstandard nur noch sehr wenig Energie zur Beheizung der Gebäude benötigt wird. Mit der Einführung dieses Standards hat auch die Umrüstung von Beleuchtungen auf LED Technik begonnen, um nicht nur den Wärmesektor, sondern auch den Strombedarf der Gebäude zu minimieren. Diese Herangehensweise beinhaltete schon viele Aspekte der Nachhaltigkeit, wird durch das GMW aber mittlerweile in deutlich größerem Rahmen gesehen, so dass der Aspekt der Energieeffizienz sich einordnet in einen Kanon weiterer Werte. Dies beginnt mit der Frage der Suffizienz, also der Frage ob eine neue kommunale Aufgabe überhaupt neu geschaffenen Raum benötigt, oder ob nicht in bestehenden Gebäuden diese Aufgabe wahrgenommen werden kann. Jeder nicht geschaffene neue Raum stellt durch Nichtinanspruchnahme von Ressourcen die höchste Form der Nachhaltigkeit dar. Wenn neuer Raum geschaffen oder bestehender Raum ertüchtigt wird, so wird zukünftig der Anteil grauer Energie zu minimieren sein, um den Klima-Rucksack eines Gebäudes aus seiner Entstehung möglichst gering zu halten. Hierfür hat das GMW ein eigenes Tool entwickelt, um in der Planung schon frühzeitig Effekte aus Planung und vorgesehenem Material auf die CO2-Bilanz erkennen zu können. Dabei hat sich die CO2-Bilanz als guter Indikator hinsichtlich der Klimagasneutralität erwiesen und korrespondiert hier unmittelbar mit den gesamtstädtischen Zielen der Stadt Wuppertal für eine Klimaneutralität bis 2035.

Hierzu lässt sich heute schon erkennen, dass eine Klimaneutralität für den Gebäudebestand, unabhängig davon ob privat oder kommunal, nur in Gesamtbilanz erreichbar sein wird. Es muss also Gebäude geben, die eine negative CO2-Bilanz aufweisen, um den Ausstoß bestehender noch nicht sanierter Gebäude zu kompensieren. Eine negative Bilanz bei Gebäuden wird nur gelingen, im Dreiklang von minimiertem Bedarf grauer Energie, Minimierung des Energiebedarfs im Betrieb und möglichst maximierter Energieerzeugung durch das Gebäude selbst. Dabei ist im Sinne des Klimaschutzes ein verstärkter Fokus auf den Gebäudebestand zu legen, da dessen Anteil gegenüber dem Neubau deutlich überwiegt. Der Gebäudebestand hat dabei den Vorteil, dass die graue Energie für dessen Erstellung bereits einmal verbraucht wurde und nicht erneut benötigt wird. Aufgrund des großen Bestandes ist es aber weder wirtschaftlich noch technisch/personell möglich, diesen in Gänze kurzfristig zu sanieren. Hierfür werden Sanierungspläne aufzustellen sein, um die schrittweise Sanierung und Optimierung zu ermöglichen, ohne dabei Chancen zu verpassen.

Dabei liegt der Fokus des GMW in der Betriebsphase darauf, die geringe noch erforderliche Menge an Wärmeenergie aus erneuerbaren Energieträgern zu decken. Dies schließt Wärmepumpen mit unterschiedlichen Energiequellen (Luft, Geothermie, Brunnenwasser, Wupperwasser, Abwasser) und in ausgesuchten Objekten Holzpellets- oder Holzhackschnitzel als Energieträger ein. Zur Energieerzeugung kommen PV-Anlagen zum Einsatz, die möglichst mehr Energie erzeugen, als das Gebäude selber benötigt. Diese überschüssige Energie ist genau der Anteil der zur Verfügung steht um an anderer Stelle Strom aus konventioneller Erzeugung zu verdrängen und damit auch den CO2-Fußabdruck weiterer Gebäude zu verbessern. Aufgrund regulatorischer Vorgaben aus Bundesebene ist dies leider wirtschaftlich aber immer noch eine große Herausforderung. Hier bedarf es dringend einer Novelle, um Strommengen innerhalb des eigenen Gebäudebestandes nutzbar zu machen.

Das GMW ist zurzeit damit beschäftigt, diese Grundsätze von der Planung, über den Bau bis hin zum Betrieb in einem eigenen Leitfaden zur Nachhaltigkeit zu definieren. Wir haben den Fokus dabei gezielt weit gewählt, beginnend von den Nachhaltigkeitszielen der nationalen Nachhaltigkeitsstrategie herunter bis auf die konkrete Gebäudeebene. Dies werden wir zukünftig fortlaufend ergänzen, denn trotz aller Bemühungen, ist das Thema Nachhaltigkeit nie abschließend zu beurteilen und wird uns auch weiterhin einen eigenen Wandel abverlangen.

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