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Interview15.02.2023

Große Energiesparkampagne in Münster

Wie Stadt sofort und langfristig handelt

Dr. Daniel Baumkötter - Abteilungsleiter Infrastrukturelles Immobilienmanagement im Amt für Immobilienmanagement der Stadt Münster Quelle: Stadt Münster Dr. Daniel Baumkötter Abteilungsleiter Infrastrukturelles Immobilienmanagement Stadt Münster
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Dipl.- Journ. Nikola Marquardt
Founder & Herausgeberin
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Die Stadt Münster will nach Angaben von Dr. Daniel Baumkötter, Abteilungsleiter Infrastrukturelles Immobilienmanagement im Amt für Immobilienmanagement bei der Stadt, "kurzfristig Energie zu sparen mit dem Ziel, 20 % Energie weniger zu verbrauchen". Langfristig sind die Ziele noch viel ehrgeiziger.





Die Energiepreiskrise trifft die Bürgerinnen und Bürger aber auch die Kommunen direkt mit ihren Liegenschaften. Welche Maßnahmen haben Sie zur Energie-Einsparung ganz unmittelbar getroffen?
Die Stadt Münster hat bereits 2019 den Klimanotstand ausgerufen und sich zum Ziel gesetzt, bis 2030 klimaneutral zu werden. Im Vergleich zu 1990 müssen dafür die Treibhausgasemissionen um 95 % und der Endenergieverbrauch um rund 70 % sinken.

Zusätzlich zu den vielen langfristig angelegten Projekten hat die Stadtverwaltung mit Beginn der Energiekrise aber auch zahlreiche Maßnahmen ergriffen, um kurzfristig Energie zu sparen mit dem Ziel, 20 % Energie weniger zu verbrauchen!

Auf die städtischen Gebäude bezogen ist die sicherlich wirksamste Maßnahme die Reduzierung der Raumtemperatur: in den Verwaltungsgebäuden und Kultureinrichtungen wurde diese auf 19 Grad Celsius gesenkt, in Sporthallen auf 17 Grad, in den Schwimmbädern wurde die Raum- und Wassertemperatur um 2 Grad reduziert, Flure, Treppenhäuser etc. werden gar nicht mehr geheizt. Außerdem wurden Kernheizzeiten eingerichtet. Darüber hinaus werden öffentliche Gebäude nicht mehr beleuchtet, die Weihnachtsbeleuchtung wurde reduziert und Verwaltungsgebäude und Schulsporthallen hatten zwischen Weihnachten und Neujahr geschlossen.

Ein ganz wichtiges Anliegen der Stadt war zudem, alle Bürgerinnen und Bürger einzubeziehen und die Eigenverantwortung beim Thema Energie zu stärken. Mit einer großen Energiesparkampagne sollte jede(r) einzelne motiviert werden, aktiv Energie einzusparen. Erste Erfolge sind bereits sichtbar, so wurde in Münster im Oktober 30 % weniger Gas verbraucht als in den Vorjahren.

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Nach aktuellen Daten ist die Bausubstanz von kommunalen Nichtwohngebäuden im Durchschnitt rund 35 Jahre alt. Wie gehen Sie bei der Sanierung von solchen Gebäuden vor?
Die energetische Sanierung der städtischen Gebäude ist eines der Kernthemen bei der Klimaneutralität. Denn Gebäude tragen mit 33 % zum Anstieg der CO2-Emissionen bei. In Münster hat der Rat daher im August 2020 beschlossen, den Energieverbrauch der städtischen Gebäude bis zum Jahr 2030 um 50 % sowie die CO2-Emissionen um 70 % zu reduzieren. Das bedeutet, dass in den Jahren 2020 bis 2030 die Wärmeverbräuche der städtischen Gebäude in Münster jährlich um 1,25 Mio. kWh (gesamt 12,5 Mio. kWh) reduziert werden müssen. Das geht nur mit umfangreichen energetischen Sanierungen.

Nachdem einzelne energetische Sanierungen bereits umgesetzt wurden, hat das Amt für Immobilienmanagement ein umfangreiches Sanierungskonzept für alle Gebäude erarbeitet. Alle 500 Standorte städtischer Gebäude wurden mit Hilfe der Portfolioanalyse untersucht. Dazu wurde der absolute Jahresverbrauch von Energie dem Verbrauch pro Quadratmeter gegenübergestellt. So konnten zum einen Standorte bestimmt werden, bei denen bereits geringe Maßnahmen zu hohen Energieeinsparungen führen können. Zum anderen wurden Standorte mit hohen spezifischen Kennwerten identifiziert, bei denen in der Regel eine energetische Sanierung zu weniger Energieverbrauch führt. 46 Standorte wurden so ermittelt, bei denen eine energetische Sanierung zur signifikanten Reduzierung des Energieverbrauchs führen wird. Kurzfristig wurden bereits weitere Sanierungen angestoßen, bei geplanten Erweiterungen von Gebäuden wie Schulen werden energetische Maßnahmen intensiv mitgeplant und wenn möglich parallel durchgeführt.

Welchen Beitrag können digitale Tools und Technologien für mehr Energie-Effizienz leisten?
Digitale Technologien bieten ein großes Potenzial zur Reduzierung des Energieverbrauchs. Wichtig dabei ist, ein effizientes Energiecontrolling mit der Gebäudeautomation zu koppeln. Beim Energiecontrolling ist dabei Voraussetzung, dass die Daten umfassend, belastbar und vollautomatisiert erhoben werden. Erst eine solide Datengrundlage mit aussagekräftigen Aussagen lässt ein effizientes und zielgerichtetes Energiemanagement zu. Wenn dann, wie im Energiemanagement der Stadt Münster, ein direkter Zugriff auf die Gebäudeautomation gegeben ist, können Korrekturen zeitnah vorgenommen und die Steuerung auf die Nutzung individuell angepasst werden.

Am Beispiel der Sektorenkopplung, das heißt der intelligenten Vernetzung von Strom- (vor allem PV) und Wärmeerzeugung (Strombasierend), des entsprechenden Verbrauchs sowie Mobilität und weiterer Themen wie Energiespeicher – zeigt sich, dass sich die zunehmende Komplexität zur Erzielung der Synergieeffekte ohne digitale Werkzeuge kaum steuern lässt.
Spannend sind vor allem auch die Entwicklungen im Bereich Künstliche Intelligenz (KI), die perspektivisch neue Wege für ein noch effizienteres Energiecontrolling aufweisen.

Welche Unterstützung brauchen die Kommunen aus Ihrer Sicht von Bund und Ländern?
Förderprogramme von Bund und Ländern helfen Kommunen natürlich, die umfangreichen Projekte im Bereich der energetischen Sanierung finanziell zu stemmen. Gerade vor dem Hintergrund der aktuell steigenden Baukosten ist diese Unterstützung sehr wichtig. Neben dem finanziellen Aspekt wäre es vor allem wichtig, wenn die Förderungen unbürokratisch beantragt und schnell bewilligt werden würden. Gerade bei den begrenzten Kapazitäten in den Kommunen könnte dann die Energie stärker in eine schnellere Umsetzung der Projekte fließen.

Insbesondere im Bereich langfristiger Investitionen für erneuerbare Wärme, z. B. für Erdwärmebohrungen, wäre zudem eine zielgerichtete Förderung für die Kommunen hilfreich. Zu häufig wird diese sinnvolle Lösung aufgrund der hohen Anfangsinvestition in die Bohrung bzw. den Kollektor verworfen.

Und auch der gesetzliche Rahmen  insbesondere im Energierecht sollte angepasst werden. Hier gibt es immer noch zu viele Einschränkungen z. B. was die standortübergreifende Nutzung selbst erzeugten Stroms betrifft, wodurch große Potenziale ungenutzt bleiben. Die kleinräumige Vernetzung von Stromerzeugung und –verbrauch auf kommunaler Ebene würde durch rechtliche Vereinfachungen neue Möglichkeiten eröffnen.

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