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Interview27.04.2023

Workation ist immer noch ein Nischenphänomen

Über Vor- und Nachteile neuer Arbeitsorganisationen

Prof. Dr. Florian Kunze - Lehrstuhl für Organizational Behavior & Future of Work Lab Konstanz, Universität Konstanz Quelle: Ines Njers Fotografie Prof. Dr. Florian Kunze Forscher Universität Konstanz
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Uwe Schimunek
Freier Journalist
Meinungsbarometer.info
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Prof. Dr. Florian Kunze von der Uni Konstanz sieht in Workation viele Vorteile und einige Probleme. Für die Zukunft erwartet er "eine weitere Zunahme von solchen flexiblen Arbeitsorganisationen". An die Politik appelliert er, das mobile Arbeiten von der starren Telearbeit-Gesetzgebung abzugrenzen.





Viele Menschen haben bereits Erfahrungen mit der Vermischung von Arbeit und Urlaub zur sogenannten Workation gemacht, noch mehr wünschen das. Wo sehen Sie die wichtigsten Vor- und Nachteile von Workation?
Workation, also die Kombination von Arbeit und Urlaub an einem Ort, ist aktuell immer noch ein Nischenphänomen. In unserer Konstanzer Homeoffice Studie, einer regelmäßigen Befragung von 700 Erwerbspersonen, beantworten 94 Prozent der Befragten, dass sie mobil ausschließlich von zu Hause und nicht an dritten Orten oder sogar im Ausland arbeiten. Individuell betrachtet kann Workation für den einzelnen Mitarbeitenden durchaus Vorzüge in Bezug auf die individuelle Flexibilität und Autonomie bringen und sich demnach auch positiv auf das Wohlbefinden und die Produktivität auswirken. Zusätzlich kann durch die Kombination von Arbeit und Urlaub auch Stress reduziert und damit die Gesundheit der Mitarbeitenden gefördert werden. Andererseits besteht auch die Gefahr, dass es zu einer starken Entgrenzung von Arbeit und Freizeit kommt und damit eher (psychische) Belastungen statt Entspannung für den Mitarbeitenden im Ausland entstehen. Innerhalb von Organisationen, wo es zum Teil ohnehin schon Ungleichheiten zwischen Beschäftigten gibt, die mobil oder in Präsenz arbeiten, hat eine zusätzliche Privilegierung von mobil Arbeitenden durch Workation-Optionen auch das Potenzial für Konflikte zwischen den verschiedenen Beschäftigungsgruppen.  

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Eine ganze Reihe von Unternehmen erlaubt gar keine Workation. Wie bewerten Sie das?
Nach den Befragungsergebnissen unser Konstanzer Homeoffice Studie erlaubt ein erstaunlich hoher Anteil von 35 Prozent der Unternehmen schon aktuell, dass Arbeiten aus dem Ausland. Für Berufsgruppen mit einem sehr engen Bewerber:innenmarkt (wie z.B., Software Ingeneur:innen) wird es sicher eine weitere Zunahme von solchen flexiblen Arbeitsorganisationen geben. Der demografische Wandel, dessen Auswirkungen, mit einer zunehmenden Verknappung von Erwerbspersonen, wir erst gerade beginnen zu bemerken, wird hier sicher in den kommenden Jahren zu einer immer besseren Verhandlungsposition von Beschäftigten in vielen Berufsgruppen, in Bezug auf flexible Arbeitsbedingungen, die auch Workation einschließen, führen.

Workation wird stärker von Menschen mit höherem Einkommen ausgeübt. Welche Förderprogramme halten Sie für Einkommensschwächere für denkbar und geeignet?
In der Tat sind mit Workation Kosten, z.B. für Reise und Unterkunft verbunden, die nur von höheren Einkommensgruppen getragen werden können. Arbeitgeber:innen könnten sich hier überlegen, Förderungen für Workation-Optionen, als Anreize in ihre Vergütungssysteme zu integrieren, um diesen mehr Beschäftigtengruppen zu ermöglichen.

Workation kann rechtliche Probleme zur Folge haben. Welchen Regelungsbedarf sehen Sie bei der Politik?
Bei Workation sind rechtliche Rahmenbedingungen zu berücksichtigen. So ist ab 182 Tagen Aufenthalt in einem Gastland eine dortige Steuerpflicht gegeben. Auch das lokale Arbeitsrecht und eine mögliche Sozialversicherungspflicht sollten bei einem längeren Aufenthalt berücksichtigt werden. Innerhalb der Europäischen Union gibt es aber schon eine gut funktionierende gesetzliche Harmonisierung in Bezug auf Wohnsitzwahl und arbeitsrechtliche Vorgaben. Bevor hier Änderungen für das Nischenphänomen Workation angegangen werden, sollte die Politik sich in Deutschland zuerst darum bemühen, den Begriff und die Voraussetzungen für das mobile Arbeiten zu definieren und diese von der starren Telearbeit-Gesetzgebung abzugrenzen.

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