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Interview15.04.2024

Wie die TU Braunschweig smart wird

Und welche Herausforderungen und Chancen es bei der Transformation gibt

Prof. Dr. Manfred Krafczyk - Vizepräsident für Digitalisierung und Nachhaltigkeit, Technische Universität Braunschweig Quelle: Philipp Arnoldt/TU Braunschweig Prof. Dr. Manfred Krafczyk Vizepräsident für Digitalisierung und Nachhaltigkeit Technische Universität Braunschweig
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Founder & Herausgeberin
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Prof. Dr. Manfred Krafczyk von der TU Braunschweig empfiehlt, "den Begriff der smarten Hochschule nicht hauptsächlich auf das quantitative Verhältnis zwischen Präsenz- und Distanzlehre zu projizieren". Er erklärt, was eine Hochschule smart macht - und welche Unterstützung die Hochschulen bei der Transformation brauchen.





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Die hiesigen Hochschulen sind auf dem Weg zu smarten Hochschulen - zugleich herrscht nach der Pandemie wieder vielerorts die Präsenzlehre vor. Wie viel digital und wie viel analog macht einen Campus smart?
Ich empfehle, den Begriff der smarten Hochschule nicht hauptsächlich auf das quantitative Verhältnis zwischen Präsenz- und Distanzlehre zu projizieren. Eine smarte Hochschule zeichnet sich durch Strukturen, eine Governance und Prozesse aus, welche ihre strategischen Ziele maximal befördern. Im Kontext Studium und Lehre sind Hochschulen mehrheitlich vor die Herausforderung gestellt, nicht nur ihre mit dem jeweiligen Ministerium vereinbarten Zielzahlen zu erreichen, sondern auch möglichst leistungswillige Studierende anzuziehen. Gleichzeitig beobachten wir, dass viele Studierende ihr Studium nur unter substanziellen Einschränkungen durchführen können, weil sie beispielsweise familiäre Verpflichtungen haben oder einem Nebenjob zur Finanzierung nachgehen müssen. Darüber hinaus zeigen Studien, dass ein nicht geringer Anteil der Studierenden auch durch Auswirkungen der Corona-Krise mit besonderen Herausforderungen belastet ist. Eine smarte Hochschule versucht daher, mit einem fachspezifisch angepassten Mix aus unterstützender digitaler Lehre (digitale Verfügbarkeit von Vorlesungs- und Übungsmaterial zur Vor- bzw. Nachbereitung sowie umfangreiche Hinweise der Lehrenden auf weiterführendes Lernmaterial über YouTube bis zu KI-gestützten Werkzeugen und Tutorials) und Präsenzunterricht in möglichst kleinen Gruppen und mit flexiblen Prüfungsformaten auf die individuellen Bedürfnisse der Studierenden klug und flexibel einzugehen. Bei einem durchschnittlichen Betreuungsverhältnis von (zumindest im Bachelorstudium) 1:60+ ist jedoch offenkundig, dass die Realisierung von effizienten Präsenz-Lerngruppen in der gegenwärtigen Realität vor erhebliche Herausforderungen gestellt ist. Komplementär wird eine smarte Hochschule daher auch Wege finden, das selbständige Arbeiten der Studierenden in Gruppen entweder digital oder in Präsenz durch die Verfügbarkeit von physischen und virtuellen Räumen zu fördern. Darüber hinaus helfen schlanke und aufeinander abgestimmte Prozesse, das Leben von Studierenden zu vereinfachen von der Einschreibung über die Verfügbarkeit von Lernmanagementsystemen, einem reichen und kostenfreien Angebot (möglichst anonymisiert nutzbarer) KI-Werkzeuge bis hin zum digitalen Veranstaltungsmanagement im Hochschulsport reicht, um nur exemplarische Beispiele zu nennen.

KI hat das Potenzial, Studium und Lehre grundlegend zu verändern. Wie gehen Sie damit um?
An der TU Braunschweig haben wir zuerst die möglichen Auswirkungen des Einsatzes von KI-Werkzeugen aus rechtlicher Sicht im Hinblick auf Kompatibilität zu bestehenden Prüfungsordnungen, DSGVO und die Einhaltung von Schutzrechten geprüft. Parallel entwickeln wir Angebote für Studierende und Lehrende aus laufenden Projekten (z.B. dem BMBF-Projekt KI4All), um die KI-User bei der kompetenzorientierten und effizienten Nutzung zu unterstützen. Darüber hinaus behandeln wir derzeit im Senat und Präsidium eine formale Regelung, welche die Randbedingungen definiert, unter denen KI in Studium und Lehre genutzt werden darf. Ab Mai dieses Jahres stellen wir allen Mitgliedern der TU Braunschweig einen webbasierten KI-Werkzeugkasten zur kostenfreien Nutzung zur Verfügung, der eine anonymisierte Schnittstelle bietet und mehrere leistungsfähige KI-Werkzeuge umfasst.

Hochschul-IT-Systeme gelten aufgrund ihrer Größe und der vielen Zugänge als besonders schwer zu sichern - welche Anstrengungen unternehmen Sie in Sachen Cybersicherheit?
Wir haben vor drei Jahren ein zentrales IT- und Informationssicherheits-Team etabliert, welches durch einen erfahrenen Spezialisten als Chief Information Security Officer (CISO) geführt wird. Darüber hinaus haben wir ein langfristiges Projekt initiiert, in dessen Verlauf Prozesse und Infrastrukturen zur Überwachung und Analyse des hochschulweiten Netzverkehrs implementiert werden. Das CISO-Team wird durch extern beauftragtes „friendly hacking“ bei der Identifizierung von potenziellen Schwachstellen unterstützt. Zusätzlich werden wir sukzessive Ordnungen und Richtlinien implementieren, die den sicheren Betrieb von IT-Systemen befördern und sich im Wesentlichen am BSI-Grundschutz orientieren. Weiterhin stellen wir für jede Fakultät eine(n) sog. dezentrale(n) IT-Sicherheitsbeauftragte(n) ein. Dieses Team ist fachlich auch dem CISO unterstellt und dient als Bindeglied zur Umsetzung von IT-Sicherheitsmaßnahmen insbesondere in den dezentralen Bereichen.

Digitalisierung bindet Geld und Ressourcen - wie sollte die Politik die Hochschulen in dieser Frage unterstützen?
Die Politik ist in der Verantwortung, belastbare Rahmenbedingungen zu schaffen, welche den Hochschulen ermöglichen, auf die vielfältigen neuen Anforderungen im Kontext Digitalisierung angemessen reagieren zu können. Neben der offensichtlichen Mehrbedarfe im Grundbudget (dessen Aufwuchs aber selten dem der neuen Aufgaben entspricht) gehört dazu aber auch die Initiierung von Synergieeffekten zwischen den Hochschulen (z.B. innerhalb eines Bundeslandes), so dass die benötigten vielfältigen digitalen Dienste nicht von jeder einzelnen Hochschule in vollem Umfang implementiert werden müssen, sondern im Idealfall eine abgestimmte überregionale IT-Landschaft entsteht, welche den Gesamtaufwand signifikant reduziert. Als Beispiel ist hier die jüngst etablierte Hochschule.digital Niedersachsen zu nennen. Auch sollten durch die Politik praxisgerechte Regelungen von Datenschutzaspekten insbesondere bei der Nutzung von cloudbasierter Software durch globale Anbieter zur Verfügung gestellt werden. Hier wären meinem Erachten nach dem Beispiel anderer europäischer Staaten bundesweit gültige Regelungen sinnvoll, was jedoch durch die bestehenden föderalen Strukturen nicht erleichtert wird.

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