Menue-Button
← FACHDEBATTE
Interview31.05.2024

Grundfinanzierung an Hochschulen ist in Deutschland nicht auskömmlich

Warum Digitalisierung sich selten durch Effizienzgewinne selbst refinanziert

Prof. Dr. Ramin Yahyapour - CIO der Georg-August-Universität Göttingen Quelle: GWDG Prof. Dr. Ramin Yahyapour CIO Georg-August-Universität Göttingen
INITIATORIN DIESER FACHDEBATTE
Dipl.- Journ. Nikola Marquardt
Founder & Herausgeberin
Meinungsbarometer.info
ZUR FACHDEBATTE

"Digitale Angebote sind ein fester Bestandteil von Forschung und Lehre geworden und bereichern insbesondere auch die Kompetenzvermittlung, wo immer dies sinnvoll und hilfreich ist", konstatiert Prof. Dr. Ramin Yahyapour, CIO der Georg-August-Universität Göttingen. Allerdings muss die Politik aus seiner Sicht Antworten bei Fragen der langfristigen Finanzierung finden.





DIESE FACHDEBATTE WIRD PRÄSENTIERT VON



Die hiesigen Hochschulen sind auf dem Weg zu smarten Hochschulen - zugleich herrscht nach der Pandemie wieder vielerorts die Präsenzlehre vor. Wieviel digital und wie viel analog macht einen Campus smart?
Digitale Angebote sind ein fester Bestandteil von Forschung und Lehre geworden und bereichern insbesondere auch die Kompetenzvermittlung, wo immer dies sinnvoll und hilfreich ist. Ein moderner Campus entwickelt sich laufend weiter und die Einführung von neuen digitalen Lösungen ist ein ständiger Prozess. Die meisten Hochschulen in Deutschland sind Orte der Präsenzlehre und ziehen daraus auch ihre Stärke und das individuelle Profil. Insbesondere in der forschungsorientierten Lehre ist die enge Verknüpfung zwischen Fragen aus der aktuellen Forschung und der Vermittlung in Lehrveranstaltungen ein wichtiges Element. Viele Wissenschaftsdisziplinen sind wesentlich vom Einsatz digitaler Methoden beispielsweise in daten- und rechenintensiven Feldern abhängig. Daher ist es ganz natürlich, auch in der Lehre solche Kompetenzen zu vermitteln. Dennoch lebt ein aktiver Campus auch von der direkten Interaktion von Studierenden und Lehrenden. Eine Reduktion auf die Unterscheidung Online- versus Präsenz-Lehre als Maßstab für einen smarten Campus ist daher nicht sinnvoll; stattdessen sind Auswahl und Anwendung von digitalen Lösungen in Bereichen zielführend, wo sie auch einen Mehrwert bieten.

KI hat das Potenzial, Studium und Lehre grundlegend zu verändern. Wie gehen Sie damit um?
Künstliche Intelligenz stellt neue und sinnvolle Möglichkeiten zur Verfügung, die für Lehrende und Lernende gleichermaßen relevant sind. Die Universität Göttingen nimmt das Thema KI daher positiv auf und unterstützt es aktiv mit eigenen Beratungs- und Dienstangeboten in der digitalen Lehre. So werden beispielsweise KI-Tools und eigene Sprachmodelle angeboten, zu denen es auch spezifische Hinweise zum Einsatz in der Lehre gibt. Insbesondere bei Prüfungen befinden wir uns in einem Wandel, um diese KI-sensibel zu gestalten. Beispielsweise ist bei unbeaufsichtigten Prüfungsformaten ganz offensichtlich, dass Weiterentwicklungen und Anpassungen notwendig sind, die auch Aufwand erzeugen. Durch die rasche Entwicklung der Künstlichen Intelligenz ist dies ein Prozess, der auch in den kommenden Jahren stetig voranzutreiben ist. Als Universität sehen wir uns als Ort, an dem Methodenentwicklung in der KI ebenso stattfindet, wie deren Einsatz in Forschung und Lehre, als auch die kritische Diskussion zu ethischen, rechtlichen und gesellschaftlichen Fragen.

Hochschul-IT-Systeme gelten aufgrund ihrer Größe und der vielen Zugänge als besonders schwer zu sichern - welche Anstrengungen unternehmen Sie in Sachen Cybersicherheit?
Cybersichersicherheit stellt Hochschulen vor größere Herausforderungen, da wir vergleichsweise offene Orte sind, an denen viele unterschiedliche Menschen im Rahmen von Forschung und Lehre zusammenkommen. Möglichst viel Freiheit, Individualität und Flexibilität steht den Anforderungen von Informationssicherheit oft entgegen. Hohe Sicherheit geht häufig mit weniger Komfort und Einschränkungen für unsere Nutzenden einher, für die man Akzeptanz und angepasste Modelle finden muss. Wir unterscheiden daher unsere essenziellen IT-Kerndienste von den sonstigen Anwendungen und sichern diese enger ab. Durch Einführung und Zertifizierung eines Informationssicherheitsmanagements (ISMS) haben wir wesentliche Schritte unternommen, um uns für Cybersicherheit besser aufzustellen. Die Einführung von Multi-Faktor-Authentifizierung und ein besserer Schutz von Zugangsdaten sind wichtige Bausteine zu höheren Sicherheitsstandards. Aktuell befinden wir uns im Aufbau von neuen Strukturen zur Überwachung unserer Systeme auf Auffälligkeiten, um hierauf schneller reagieren zu können. Diese Schritte sind aufgrund unserer Größe und Struktur jedoch herausfordernd. Hier können Kooperationen und Zusammenarbeit zwischen Einrichtungen helfen.

Digitalisierung bindet Geld und Ressourcen - wie sollte die Politik die Hochschulen in dieser Frage unterstützten?
Die Grundfinanzierung an Hochschulen ist in Deutschland nicht auskömmlich, was man in den verschiedensten Bereichen insbesondere in der Infrastruktur sieht. Daher fehlt es auch bei der Digitalisierung selten an Erkenntnissen, was zu tun ist, allein die Finanzierung stellt uns vor Herausforderungen. In den vergangenen Jahren gab es aus der Politik immer wieder Förderprogramme, insbesondere zur Pandemie, um Digitalisierung voranzutreiben. Dies hilft uns sehr, um einzelne Themen anzugehen. Jedoch sind diese Förderungen typischerweise rein projektbezogen, ohne eine langfristige Perspektive. Dies ist der Bedeutung der Themen weder angemessen noch sinnvoll. Die Hoffnung, dass Digitalisierung sich durch Effizienzgewinne selbst refinanziert, trifft in der Realität erfahrungsgemäß selten zu. Ganz im Gegenteil sehen wir starke Kostensteigerung durch neue Anforderungen oder Preissteigerungen von Anbietern. Im Grundbudget einer Hochschule eine ständige Verschiebung von Ressourcen aus Forschung und Lehre in die Bereiche Digitalisierung und Infrastruktur vorzunehmen, ist kaum möglich. Hier muss die Politik Antworten finden, wie man dauerhaft Digitalisierung in Deutschland finanzieren und unterhalten möchte. Dies können die Hochschulen nicht alleine leisten.

UNSER NEWSLETTER
Newsletter bestellen JETZT BESTELLEN
■■■ WEITERE BEITRÄGE DIESER FACHDEBATTE

EIN DEBATTENBEITRAG VON
Prof. Dr. Hardy Pundt
Prorektor für Transfer und Digitalisierung
Hochschule Harz

Prof. Dr. Hardy Pundt - Prorektor für Transfer und Digitalisierung, Hochschule Harz
Smarte Hochschulen | Digitalisierung

Über die intelligente Mischung von ■ ■ ■

Und wie die Hochschule Harz die Transformation angeht

EIN DEBATTENBEITRAG VON
Prof. Dr. Hardy Pundt
Prorektor für Transfer und Digitalisierung
Hochschule Harz

EIN DEBATTENBEITRAG VON
Prof. Dr. Holger Frahm
CIO
Leibniz Universität Hannover

Prof. Dr. Holger Frahm - CIO der Leibniz Universität Hannover
Smarte Hochschulen | Digitalisierung

Was der smarte Campus möglich macht

Und wie die Leibniz Universität Hannover die ■ ■ ■

EIN DEBATTENBEITRAG VON
Prof. Dr. Holger Frahm
CIO
Leibniz Universität Hannover

EIN DEBATTENBEITRAG VON
Prof. Dr. Manfred Krafczyk
Vizepräsident für Digitalisierung und Nachhaltigkeit
Technische Universität Braunschweig

Prof. Dr. Manfred Krafczyk - Vizepräsident für Digitalisierung und Nachhaltigkeit, Technische Universität Braunschweig
Smarte Hochschulen | Digitalisierung

Wie die TU Braunschweig smart wird

Und welche Herausforderungen und Chancen es bei ■ ■ ■

EIN DEBATTENBEITRAG VON
Prof. Dr. Manfred Krafczyk
Vizepräsident für Digitalisierung und Nachhaltigkeit
Technische Universität Braunschweig

ZUR FACHDEBATTE

ÜBER UNSERE FACHDEBATTEN

Meinungsbarometer.info ist die Plattform für Fachdebatten in der digitalen Welt. Unsere Fachdebatten vernetzen Meinungen, Wissen & Köpfe und richten sich an Entscheider auf allen Fach- und Führungsebenen. Unsere Fachdebatten vereinen die hellsten Köpfe, die sich in herausragender Weise mit den drängendsten Fragen unserer Zeit auseinandersetzen.

überparteilich, branchenübergreifend, interdisziplinär

Unsere Fachdebatten fördern Wissensaustausch, Meinungsbildung sowie Entscheidungsfindung in Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Medien und Gesellschaft. Sie stehen für neue Erkenntnisse aus unterschiedlichen Perspektiven. Mit unseren Fachdebatten wollen wir den respektvollen Austausch von Argumenten auf Augenhöhe ermöglichen - faktenbasiert, in gegenseitiger Wertschätzung und ohne Ausklammerung kontroverser Meinungen.

kompetent, konstruktiv, reichweitenstark

Bei uns debattieren Spitzenpolitiker aus ganz Europa, Führungskräfte der Wirtschaft, namhafte Wissenschaftler, Top-Entscheider der Medienbranche, Vordenker aus allen gesellschaftlichen Bereichen sowie internationale und nationale Fachjournalisten. Wir haben bereits mehr als 600 Fachdebatten mit über 20 Millionen Teilnahmen online abgewickelt.

nachhaltig und budgetschonend

Mit unseren Fachdebatten setzen wir auf Nachhaltigkeit. Unsere Fachdebatten schonen nicht nur Umwelt und Klima, sondern auch das eigene Budget. Sie helfen, aufwendige Veranstaltungen und überflüssige Geschäftsreisen zu reduzieren – und trotzdem die angestrebten Kommunikationsziele zu erreichen.

mehr als nur ein Tweet

Unsere Fachdebatten sind mehr als nur ein flüchtiger Tweet, ein oberflächlicher Post oder ein eifriger Klick auf den Gefällt-mir-Button. Im Zeitalter von X (ehemals Twitter), Facebook & Co. und der zunehmenden Verkürzung, Verkümmerung und Verrohung von Sprache wollen wir ein Zeichen setzen für die Entwicklung einer neuen Debattenkultur im Internet. Wir wollen das gesamte Potential von Sprache nutzen, verständlich und respektvoll miteinander zu kommunizieren.