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Wie Green-IT in der Mitte des Marktes angekommen ist

Und warum Rebound-Effekte überschätzt werden

Sandro Lehmann - Director Operations bei PŸUR Business Quelle: PŸUR Sandro Lehmann Director Operations PŸUR Business 21.07.2022
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Dipl.- Journ. Nikola Marquardt
Founder & Herausgeberin
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Sandro Lehmann, Director Operations bei PŸUR Business, prognostiziert, "dass die stetige Erneuerung und Modernisierung der Netze und Rechenzentren einen großen Einfluss auf die Reduzierung des Energieverbrauchs der ITK hat". In einem neuen Internetknoten sieht einen wichtigen Infrastrukturvorteil.







Nach einer aktuellen Studie verursacht Informations- und Kommunikationstechnik weltweit wohl mehr Treibhausgasemissionen als der Flugverkehr. Zugleich gibt es viele Nachhaltigkeit-Initiativen in der Branche. Wie nachhaltig ist Ihrer Meinung nach die hiesige ITK aufgestellt und wie viel Priorität hat dieses Thema in Ihrem Unternehmen?
Ich denke, dass die stetige Erneuerung und Modernisierung der Netze und Rechenzentren einen großen Einfluss auf die Reduzierung des Energieverbrauchs der ITK hat. Diese Effizienzgewinne sind wichtig, weil wir im ersten Schritt Energie einsparen müssen, bevor wir in den Bereich der Kompensation gehen. Die Glasfaser ist für PŸUR Business im Bereich IP-Interconnect und Backbone-Netz längst selbstverständlich. Aber auch beim Internetanschluss ist das Ende der Kupferkabel in Sicht. Die Glasfaserverbindungen kommen bundesweit insgesamt immer näher an die Haushalte heran. Der Wechsel von Koaxialkabel auf Glasfaser in den Verteilnetzen bedeutet eine Halbierung des Stromverbrauchs. Auch aus unseren Rechenzentren gibt es hierfür Beispiele. Mit der Erneuerung einer unterbrechungsfreien Stromversorgung - wo jede einzelne Kilowattstunde des Rechenzentrums durchläuft – werden wir den Wirkungsgrad selbst in Phasen niedriger Lasten von 60% auf 95% erhöhen. Was heißt das aber konkret? Nun, wenn vorher beispielsweise 1.000 Kilowattstunden Verlust zu verzeichnen waren, reduziert sich dieser Verlust auf nur noch 125 Kilowattstunden. Das sind beachtliche Größenordnungen.

Für uns bei PŸUR Business spielt das Thema Nachhaltigkeit traditionell eine große Rolle. Seit 2019 beziehen wir unsere Elektrizität zu 100 Prozent aus erneuerbaren Quellen. Innerhalb der Tele Columbus Unternehmensgruppe waren wir hier klar Vorreiter, weil das Thema zuerst im Businessbereich zunehmend wichtig wurde. 2019 hätte man vielleicht noch von einem Differenzierungsmerkmal im Wettbewerb sprechen können. Heute, nur dreieinhalb Jahre später, ist Green-IT aber in der Mitte des Marktes angekommen. Ich glaube, das sagt etwas über das Engagement der Branche aus.
 

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Wie viel Wert legen Ihre Kunden auf nachhaltige und „grüne“ Lösungen und ist dies immer gleichbedeutend auch mit teureren Lösungen?
Die Verantwortung zu nachhaltigem Wirtschaften liegt im Fokus unserer Geschäftskunden. Green-IT ist also gefragt wie nie zuvor. Großkunden stehen natürlich durch ihre Nachhaltigkeitsberichterstattung in der Pflicht, Transparenz herzustellen. Die Nachhaltigkeitsperformance ist für Investoren und Kreditgeber heute ein wichtiger Aspekt. Doch auch der Mittelstand weiß längst, dass man nur mit nachhaltigen Produkten und Dienstleistungen dauerhaft erfolgreich sein kann. In der Nettobetrachtung kostet eine Vernachlässigung der Nachhaltigkeitsaspekte Kunden – und somit weit mehr als grüne IT-Lösungen. Mit den steil steigenden Energiepreisen kommt nun noch ein weiterer Treiber für grüne IT-Lösungen hinzu.

Nachhaltigkeit gründet sich dabei nicht alleine auf den Energiebezug. Es geht weiter über die Kühlung von Anlagen bis zum Lifecycle-Management der Netzkomponenten. All diese Faktoren sind aus unserer Sicht entscheidend, um eine grundlegend nachhaltige Dienstleistung erbringen zu können.

Einsparungen durch Effizienzsteigerungen steht ein stets wachsender Datenverkehr gegenüber. Wie lassen sich solche sogenannten Rebound-Effekte beherrschen?
Die Größenordnung solcher Rebound-Effekte wird unserer Meinung nach deutlich überschätzt. Die Effizienzgewinne übersteigen den zusätzlichen Energiebedarf für mehr übertragene Bits und Bytes bei weitem. Oder anders gesagt: Es gibt hier keinen linearen Zusammenhang zwischen den übertragenen Bit und der aufgewendeten Energie. Betrachtet man den Energiebedarf pro übertragener Dateneinheit, dann sinkt dieser Wert, je mehr Daten übertragen werden.

Im Gespräch ist in diesem Zusammenhang auch ein verbindlicher Energieausweis für Rechenzentren. Was spricht für oder gegen einen solchen?
Dazu muss man wissen, dass es in Rechenzentren eine technisch wünschenswerte Auslastung gibt. Im produzierenden Gewerbe spricht man bei der Maschinenauslastung von einem betriebsoptimalen Punkt. So etwas gibt es für Rechenzentren auch. Eine hohe Energieeffizienz setzt immer eine gewisse Kapazitätsauslastung voraus. Und es gibt weitere Einflussfaktoren, die wir nicht steuern. Die Kunden bringen in der Regel ihre eigene Hardware ein, was dann schnell zu Abgrenzungsproblemen führen kann. Für einen Energieausweis spricht in jedem Fall, dass es eine einheitliche Bemessungsgrundlage gibt, die an dieser Stelle Vergleichbarkeit schafft. Mit uneinheitlichen Prospektangaben vergleicht der Kunde schnell Äpfel mit Birnen.

Zusammen mit unserem technischen Rechenzentrumsbetreiber orientieren wir uns bereits an den Grundsätzen der Sustainable Digital Infrastructure Alliance, die eine umfassende Roadmap zum Klimaschutz bis 2030 beinhaltet: Betrieb mit erneuerbaren Energien, Schritte zur Abwärmenutzung, Minderung des Kühlwasserverbrauchs, all das ist bereits in Umsetzung.

Welchen Beitrag könnte eine Ausweisungspflicht für einen CO₂-Fußabdruck pro Service- oder Übertragungseinheit leisten?
Beim Europäische Institut für Telekommunikationsnormen (ETSI) gibt es bereits eine ganze Reihe von kompatiblen EN-Normen für Kommunikationsdienstleistungen, also Leistungskennzahlen, die eine sinnvolle Vergleichbarkeit der Energieeffizienz und eine Bewertung von Maßnahmen zur Reduzierung des Energieverbrauchs entlang der relevanten Bezugskette ermöglichen. Zum Teil findet man diese Kennzahlen bereits im Nachhaltigkeitsbericht der Tele Columbus AG wieder und das Kennzahlensystem wird jedes Jahr weiter ausgebaut. Insofern wären wir für eine solche Verpflichtung schon recht gut aufgestellt.  

Vor einigen Wochen hat Ihr Unternehmen vermeldet, dass es für Ostdeutschland in der Messestadt Leipzig einen regionalen Internetknoten DE-CIX (Deutscher Commercial Internet Exchange) geben wird. Welchen Anteil haben Sie an diesem Vorhaben und was bedeutet das konkret für die ostdeutsche Wirtschaft?  
Das DE-CIX hat Leipzig als weiteren Standort für einen regionalen Internetknoten ausgewählt. Mit der wirtschaftlichen Dynamik der Region wuchs die Notwendigkeit, steigende Datenmengen über eine leistungsfähige Direktanbindung an den deutschen Netzknoten abzuleiten. Damit gewährleistet man hohen Datendurchsatz bei geringen Latenzen auch auf Weitverbindungen. Der Wirtschaft in Mitteldeutschland eröffnet das ein höheres digitales Wertschöpfungspotenzial für alle Echtzeitanwendungen und stellt eine ausdrückliche Stärkung der Standorte dar. Egal ob Frankfurt am Main oder Leipzig: Die Datenanbindung ist gleichwertig. Das Argument sollte man nicht unterschätzen, denn die digitale Infrastruktur hat heute einen ähnlich hohen Stellenwert wie die Straßen und Schienenverbindungen. Wir sind stolz, dass unser modernes Rechenzentrum in Leipzig einen der DE-CIX-Knotenpunkte bereitstellen kann. Mit unseren IP-Carrierdiensten auf eigenen Glasfaserleitungen, dem hochmodernen Rechenzentrum und dem DE-CIX-Knotenpunkt bietet PŸUR Business seinen Kunden jetzt ein komplettes IP-Ökosystem aus einer Hand, um digital erfolgreich zu sein. 

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