Menue-Button
← FACHDEBATTE Interview

Von Leuchttürmen und Mut zur Selbständigkeit

Was sich aus der ökonomischen Transformation in Sachsen lernen lässt

Thomas Horn - Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Sachsen GmbH (WFS) Quelle: WFS/ Frank Grätz Thomas Horn Geschäftsführer Wirtschaftsförderung Sachsen GmbH (WFS) 27.02.2023
INITIATOR DIESER FACHDEBATTE
Dipl.- Journ. Thomas Barthel
Founder & Herausgeber
Meinungsbarometer.info
ZUR FACHDEBATTE

"Die ostdeutschen Bundesländer haben nach der Wiedervereinigung einen tiefgreifenden, teilweise schmerzhaften Transformationsprozess erlebt", betont Thomas Horn von der Wirtschaftsförderung Sachsen GmbH (WFS). Daraus lässt sich für die Zukunft einiges lernen.







Ein Zukunftszentrum soll Transformationsprozesse in den ostdeutschen Bundesländern in den Blick nehmen. Welche Erkenntnis kann aus der Untersuchung dieser Prozesse für die gesamte Bundesrepublik gezogen werden?
Die ostdeutschen Bundesländer haben nach der Wiedervereinigung einen tiefgreifenden, teilweise schmerzhaften Transformationsprozess erlebt, für den es keine Blaupause gab. Trotz aller Brüche und Umbrüche ist es eine Erfolgsgeschichte und eindrucksvoll zu sehen, wie sich in den letzten 30 Jahren die Wirtschaftsstruktur in Sachsen dank der enormen Kraftanstrengungen aller Beteiligten gewandelt hat. Die industriepolitische Strategie der sächsischen Landesregierung und ihre „Leuchtturmpolitik“ haben sich ausgezahlt. Die Ansiedlungen von VW in Zwickau und Chemnitz, von BMW, Porsche und DHL in Leipzig sowie die Siemens-Chipfabrik (heute Infineon) und AMD (heute Globalfoundries) in Dresden in den 1990er und Anfang der 2000er Jahre waren nicht nur ein Signal für den Aufbruch, sondern auch wichtige Anker in den Regionen. Um diese Firmen hat sich ein breit aufgestelltes System von Zulieferbetrieben und mittelständischen Unternehmen angesiedelt. Damit wurde auch der Grundstein für die heute sehr erfolgreichen Branchennetzwerke, wie Silicon Saxony oder AMZ – Netzwerk Autozulieferer Sachsen gelegt.

Gleichzeitig gab es viele Erfolgsgeschichten aus dem Mittelstand, der Sachsens Wirtschaft nach wie vor prägt. Genannt seien clevere Geschäftsideen mit dem Mut zur Selbständigkeit, wie bei GK Software aus Schöneck/Vogtland, heute ein börsennotierter „Global Player“, oder bei KOMSA aus Hartmannsdorf, der größte Telekommunikations-Distributor in Deutschland. Erfolgreich waren auch Management-Buy-Out, wie bei XENON oder Robotron in Dresden. Zudem gab es engagierte westdeutsche und internationale Unternehmer, die Betriebe übernommen haben, wie z.B. Fit in Zwickau, und daraus innovative und wettbewerbsfähige Unternehmen gemacht haben.

Heute ist Sachsen der größte Halbleiter-Standort Europas und wieder ein weltweit bekanntes Autoland. Hinzu kommen eine hochspezialisierte Zuliefererindustrie sowie zahlreiche Akteure in zukunftsrelevanten Hoch- und Querschnittstechnologien, wie Robotik, KI und Wasserstoff. Diesen Erfolg belegen auch die Zahlen: So hat sich Sachsens Wirtschaftsleistung seit 1992 mehr als verdreifacht.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass es zum einen die Chancen und Erfolgsgeschichten sind, die Orientierung für künftige Transformationen geben. Aber auch Erkenntnisse aus gescheiterten Projekten können wertvolle Impulse geben, um Fehler nicht zu wiederholen.

JETZT BESTELLEN

DIE DOKUMENTATION DIESER FACHDEBATTE

DIE DOKUMENTATION ENTHÄLT

alle Debattenbeiträge ungekürzt im Original
Übersicht aller aktiven Debattenteilnehmer
Summary für Ihr Top-Management
MEHR ERFAHREN


Nach wie vor gibt es erhebliche wirtschaftliche und soziale Unterschiede zwischen den westdeutschen und ostdeutschen Bundesländern. Wie kann und sollte die Politik aus jetziger Sicht dem entgegenwirken?
Diese pauschale Unterscheidung wird den realen Verhältnissen nicht mehr gerecht. Städte, wie Dresden und Leipzig mit ihren Ballungsgebieten stehen längst auf einer Stufe mit erfolgreichen westdeutschen Städten, wie zahlreiche Rankings belegen. Wichtiger ist, dass nicht nur die Ballungszentren im Fokus stehen, sondern der ländliche Raum mehr Aufmerksamkeit erhält. Dort lebt über die Hälfte der Bevölkerung und dort ist der Sitz eines großen Teils der Unternehmen. Insofern geht es darum, in diesen Regionen für die richtigen Rahmenbedingungen sowie die notwendige soziale und technische Infrastruktur zu sorgen und so eine positive wirtschaftliche Entwicklung zu unterstützen.

Welche Potenziale sehen Sie in den Transformations-Erfahrungen der Menschen in den ostdeutschen Bundesländern für die künftige Entwicklung der gesamten Bundesrepublik?
Die Bundesrepublik steht wieder vor einem vielschichtigen Transformationsprozess, der vor allem ökologisch und digital getrieben ist. Auch hier ist der Wandel hin zu einem klima- und ressourcenschonenden Wirtschaftsmodell vor allem als Chance für eine aktive Gestaltung zu sehen. Darin steckt enormes wirtschaftliches Potenzial. Die Herausforderungen sind dabei sicher andere, aber grundsätzliche Erkenntnisse, wie die Notwendigkeit einer klaren und transparenten Kommunikation, die Einbindung der Beteiligten sowie die Förderung der Resilienz von Unternehmen können diesen Prozess konstruktiv unterstützen. Gleichzeitig gilt es die Risiken im Blick zu behalten, sie zu minimieren sowie verantwortungsvolle und ausgewogene Antworten für diese Themen zu entwickeln.

Das Zukunftszentrum soll auch die Perspektive der mittel- und osteuropäischen Nachbarn einbeziehen. Was lässt sich aus den Transformations-Prozessen dort lernen?
Vor allem aus einer gesamteuropäischen Perspektive ist diese Einbindung sinnvoll und bringt wertvolle Erkenntnisse mit. Denn hier wurden noch einmal andere Erfahrungen gemacht als in Deutschland - vor allem, weil kein westlicher Partner zur Verfügung stand. Hier gestaltete sich der Systemwechsel zur Marktwirtschaft deutlich schwieriger und langwieriger.

UNSER NEWSLETTER

Newsletter bestellen JETZT BESTELLEN

■■■ WEITERE BEITRÄGE DIESER FACHDEBATTE

EIN DEBATTENBEITRAG VON
Marcus Funk
Founder & CEO
Flyacts

Marcus Funk - Founder & CEO Flyacts
Transformation | Wirtschaft

Unterschiede sind kurzfristig und ■ ■ ■

Wie Ost und West voneinander lernen können

EIN DEBATTENBEITRAG VON
Marcus Funk
Founder & CEO
Flyacts

WERBUNG

EMPFEHLUNGEN FÜR ENTSCHEIDER

EIN DEBATTENBEITRAG VON
Bodo Ramelow
Ministerpräsident
Freistaat Thüringen

Bodo Ramelow - Ministerpräsident von Thüringen
Transformation | Wirtschaft

Über eine neue industrielle Basis nach ■ ■ ■

Wie Thüringen sich gewandelt hat und stetig wandelt

EIN DEBATTENBEITRAG VON
Bodo Ramelow
Ministerpräsident
Freistaat Thüringen

EIN DEBATTENBEITRAG VON
Carsten Schneider
Beauftragter der Bundesregierung für Ostdeutschland
Bundesregierung

Carsten Schneider - MdB, Beauftragter der Bundesregierung für Ostdeutschland
Transformation | Wirtschaft

Ein Zukunftszentrum als Knotenpunkt ■ ■ ■

Wie Transformationserfahrungen genutzt werden können

EIN DEBATTENBEITRAG VON
Carsten Schneider
Beauftragter der Bundesregierung für Ostdeutschland
Bundesregierung

ZUR FACHDEBATTE

■■■ DIESE FACHDEBATTEN KÖNNTEN SIE AUCH INTERESSIEREN

Dipl.- Journ. Thomas Barthel

INITIATOR
Dipl.- Journ. Thomas Barthel
Founder & Herausgeber
Meinungsbarometer.info

Simone Ulrich

INITIATORIN
Simone Ulrich
Freie Journalistin
Meinungsbarometer.info

Dipl.- Journ. Nikola Marquardt

INITIATORIN
Dipl.- Journ. Nikola Marquardt
Founder & Herausgeberin
Meinungsbarometer.info

ÜBER UNSERE FACHDEBATTEN

Meinungsbarometer.info ist die Plattform für Fachdebatten in der digitalen Welt. Unsere Fachdebatten vernetzen Meinungen, Wissen & Köpfe und richten sich an Entscheider auf allen Fach- und Führungsebenen. Unsere Fachdebatten vereinen die hellsten Köpfe, die sich in herausragender Weise mit den drängendsten Fragen unserer Zeit auseinandersetzen.

überparteilich, branchenübergreifend, interdisziplinär

Unsere Fachdebatten fördern Wissensaustausch, Meinungsbildung sowie Entscheidungsfindung in Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Medien und Gesellschaft. Sie stehen für neue Erkenntnisse aus unterschiedlichen Perspektiven. Mit unseren Fachdebatten wollen wir den respektvollen Austausch von Argumenten auf Augenhöhe ermöglichen - faktenbasiert, in gegenseitiger Wertschätzung und ohne Ausklammerung kontroverser Meinungen.

kompetent, konstruktiv, reichweitenstark

Bei uns debattieren Spitzenpolitiker aus ganz Europa, Führungskräfte der Wirtschaft, namhafte Wissenschaftler, Top-Entscheider der Medienbranche, Vordenker aus allen gesellschaftlichen Bereichen sowie internationale und nationale Fachjournalisten. Wir haben bereits mehr als 600 Fachdebatten mit über 20 Millionen Teilnahmen online abgewickelt.

nachhaltig und budgetschonend

Mit unseren Fachdebatten setzen wir auf Nachhaltigkeit. Unsere Fachdebatten schonen nicht nur Umwelt und Klima, sondern auch das eigene Budget. Sie helfen, aufwendige Veranstaltungen und überflüssige Geschäftsreisen zu reduzieren – und trotzdem die angestrebten Kommunikationsziele zu erreichen.

mehr als nur ein Tweet

Unsere Fachdebatten sind mehr als nur ein flüchtiger Tweet, ein oberflächlicher Post oder ein eifriger Klick auf den Gefällt-mir-Button. Im Zeitalter von X (ehemals Twitter), Facebook & Co. und der zunehmenden Verkürzung, Verkümmerung und Verrohung von Sprache wollen wir ein Zeichen setzen für die Entwicklung einer neuen Debattenkultur im Internet. Wir wollen das gesamte Potential von Sprache nutzen, verständlich und respektvoll miteinander zu kommunizieren.