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25.05.2022
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VERBAND FORDERT VERLÄNGERUNG DER HILFEN FÜR VERANSTALTUNGSWIRTSCHAFT

Wie eine Branche in die Zukunft blickt

Timo Feuerbach - Geschäftsführer, EVVC Europäischer Verband der Veranstaltungs-Centren e.V.

Timo Feuerbach - Geschäftsführer, EVVC Europäischer Verband der Veranstaltungs-Centren e.V. [Quelle: EVVC]


"Zunächst hat die Einschränkung von Präsenzveranstaltungen zu einem sehr breiten Angebot an digitalen Formaten geführt", konstatiert Timo Feuerbach vom EVVC Europäischer Verband der Veranstaltungs-Centren e.V.. Er prognostiziert, sowohl dass digitale als auch hybride Formate nach Corona weiter an Bedeutung gewinnen werden. Allerdings könnte nicht jeder derzeitige Trend dauerhaft sein.


Viele Industrieunternehmen haben schon an virtuellen Messen oder einem vergleichbaren virtuellen Event teilgenommen. Wie haben sich digitale (und hybride) Formate für Messen, Tagungen usw. aus Ihrer Sicht am Markt etabliert und diesen verändert?
Zunächst hat die Einschränkung von Präsenzveranstaltungen zu einem sehr breiten Angebot an digitalen Formaten geführt. Das hat zum Teil mit sehr guten und kreativen Formaten gut funktioniert und der Digitalisierung von Veranstaltung einen Schub gegeben. Aber nicht immer stimmt dabei die Qualität. Und wo der persönliche Austausch, das Aufbauen von Vertrauen oder das Erlebnis mit allen Sinnen eine große Rolle spielt, wurden die Erwartungen oft enttäuscht. Digitale Messen haben beispielsweise im Investitionsgüterbereich überhaupt nicht funktioniert. Vielen Unternehmen fehlt das wichtige und effektive Vertriebsinstrument der Präsenzmesse. Hybride Formate, also mit Besuchern vor Ort UND über digitale Zuschaltung, stellen nochmal eine besondere Herausforderung dar. Das betrifft die Ablaufplanung, aber auch die erforderlichen Ressourcen. Eine vernünftiges hybrides Event erfordert schnell das doppelte Budget wie eine Präsenzveranstaltung in ähnlichem Umfang. Die Entwicklung im digitalen Veranstaltungsmarkt ist also bei Weitem noch nicht zu Ende.


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DIE DOKUMENTATION DIESER FACHDEBATTE

Allerdings befinden Besucher von virtuellen Messen, dass die virtuellen Formate nicht „sehr gut" umgesetzt werden. Wie müssen solche Events organisiert werden, damit die Besucher zufrieden sind?
Versuche Präsenzveranstaltungen 1:1 in die digitale Welt zu übertragen, scheitern in der Regel. Wer ganztägige Online-Veranstaltungen besucht hat, kennt die Problematik der Konzentrationsfähigkeit am Bildschirm, um nur einen Aspekt herauszugreifen. Der Impuls, von Präsenz einfach in den „virtuellen Raum“ zu wechseln, bevor gar nichts stattfindet, ist nachvollziehbar aber nicht immer zielführend. Digitale oder hybride Veranstaltungen müssen ganzheitlich betrachtet und entsprechend geplant werden. Das fängt bei grundlegenden Frage an: Was will ich mit der Veranstaltung eigentlich erreichen? Wer ist die Zielgruppe und wie offen ist sie für neue Ansätze? Was sind die Inhalte – reine Wissensvermittlung oder der persönliche Austausch? Und wie lässt sich das Ganze überhaupt in Form einer digitalen oder hybriden Veranstaltung umsetzen? Nicht zuletzt spielt die Erwartungshaltung der Besucher eine große Rolle. Hochwertige Veranstaltungen kosten Geld, ob in Präsenz oder digital. Dabei stellt sich die Frage, ob die unzähligen kostenlosen Angeboten an digitalen Veranstaltungen auf Dauer Sinn machen.

Technik für hochwertige virtuelle oder hybride Events erfordert große Investitionen. Wie sollte die Politik die gebeutelte Branche unterstützen?
Im Rahmen der Überbrückungshilfen waren auch Investitionen in Digitalisierung förderfähig, das hat vielen Unternehmen geholfen. Aktuell geht es bei den Hilfen aber für viele um die Sicherung der Existenz. Wir fordern aufgrund der erneuten Einschränkungen für Veranstaltungen aufgrund der vierten Welle daher eine Verlängerung der Hilfen bis mindestens Mitte 2022 insbesondere für die Veranstaltungswirtschaft. Und auch zukünftig müssen Investitionen erleichtert werden, beispielsweise durch zielgerichtete und möglichst bürokratiearme Förderprogramme oder verbesserte Abschreibungsmöglichkeiten.

Welche Potenziale sehen Sie für virtuelle und hybride Events nach einem möglichen Ende der Pandemie?
Der Markt für digitale Formate ist durch Veranstaltungsverbote quasi künstlich geschaffen oder zumindest befeuert worden, was Prognosen schwierig macht. Wir sind aber sicher, dass sowohl digitale als auch hybride Formate nach Corona weiter an Bedeutung gewinnen werden, zumal die technische Entwicklung noch lange nicht am Ende ist. Sie werden Präsenzveranstaltungen aber nicht komplett ersetzen, sondern sich in bestimmten Bereichen, Branchen oder Märkten durchsetzen und darüber hinaus eine sinnvolle Ergänzung zur Präsenz darstellen. Zu welchen Anteilen sich das zukünftig verteilt, hängt von vielen Faktoren ab, zum Beispiel von der Entwicklung des internationalen Geschäftsreiseverkehrs oder dem Metathema Nachhaltigkeit. Die Messe- und Veranstaltungsbranche steht vor großen Herausforderungen, hat aber auch das Potenzial der Wirtschaft und der Gesellschaft großen Nutzen zu stiften. Indem sie Menschen zusammenbringt und sichere und emotionale Begegnungen schafft – digital und in Präsenz.