Menue-Button
← FACHDEBATTE Interview

Unterschiede zwischen Ost und West nicht so groß wie oft behauptet

Wie ein ifo-Forscher das geplante Zukunftszentrum sieht

Prof. Dr. Joachim Ragnitz - Stellvertretender Leiter der ifo Niederlassung Dresden, ifo Institut Quelle: ifo/ Klaus Gigga Prof. Dr. Joachim Ragnitz Stellvertretender Leiter, Niederlassung Dresden ifo Institut 02.02.2023
INITIATOR DIESER FACHDEBATTE
Dipl.- Journ. Thomas Barthel
Founder & Herausgeber
Meinungsbarometer.info
ZUR FACHDEBATTE

Ifo-Forscher Prof. Dr. Joachim Ragnitz hat keine großen Erwartungen an das geplante Zukunftszentrum für Transformationsprozesse. Der Fachmann für Strukturwandel räumt mit einigen Fehleinschätzungen über die Entwicklung im Osten auf.







Ein Zukunftszentrum soll Transformationsprozesse in den ostdeutschen Bundesländern in den Blick nehmen. Welche Erkenntnisse kann aus der Untersuchung dieser Prozesse für die gesamte Bundesrepublik gezogen werden?
Das geplante Zukunftszentrum ist vor allem auf die Dokumentation der Transformation von Wirtschaft und Gesellschaft nach der Vereinigung ausgerichtet und soll erforschen, welche Auswirkungen diese Transformationsprozesse auf die heutige Gesellschaft haben. Derartige Arbeiten gibt es auch heute schon, aber eben nicht gebündelt an einem Ort. Im Ganzen ist deswegen weder ein großer Beitrag zur Forschung noch zur Gestaltung gesellschaftlicher Herausforderungen in Zukunft zu erwarten. Meine Erwartungen an das Zukunftszentrum sind deswegen nicht besonders hoch, aber ich lasse mich auch gerne vom Gegenteil überzeugen.

JETZT BESTELLEN

DIE DOKUMENTATION DIESER FACHDEBATTE

DIE DOKUMENTATION ENTHÄLT

alle Debattenbeiträge ungekürzt im Original
Übersicht aller aktiven Debattenteilnehmer
Summary für Ihr Top-Management
MEHR ERFAHREN


Nach wie vor gibt es erhebliche wirtschaftliche und soziale Unterschiede zwischen den westdeutschen und ostdeutschen Bundesländern. Wie kann und sollte die Politik aus jetziger Sicht dem entgegenwirken?
Die Unterschiede sind eigentlich gar nicht so groß wie oft behauptet. Die verfügbaren Realeinkommen liegen in einer Größenordnung von 90% des gesamtdeutschen Niveaus, die Arbeitslosigkeit ist inzwischen auch kein Problem mehr, und selbst mit Blick auf die demographische Entwicklung nimmt der Osten nur das vorweg, was in 5-10 Jahren fast alle Regionen in Deutschland durchmachen werden. Die noch bestehenden Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland spiegeln zumeist eher Probleme der ländlich geprägten Regionen wider, und von denen gibt es im Osten halt mehr als im Westen. Das hat dann aber eben nichts mehr mit den Transformationsprozessen der letzten 30 Jahre zu tun.  

Welche Potenziale sehen Sie in den Transformations-Erfahrungen der Menschen in den ostdeutschen Bundesländern für die künftige Entwicklung der gesamten Bundesrepublik?
Die Vermutung, dass sich die vergangenen Transformationserfahrungen für die Zukunft nutzen lassen könnten, finde ich ehrlich gesagt unbegründet, und bis vor wenigen Jahren wurden die Transformationserfahrungen ja auch eher als Trauma angesehen. Insoweit handelt es sich hierbei wohl eher um ein „Framing" bislang als negativ angesehener Konnotationen. Die Leute, die die Transformation vor 30 Jahren vorangetrieben haben, sind ja heute zumeist schon in Rente, und in vielen Fällen dürften die damaligen Erfahrungen auch eher zu Risikoscheu und Verunsicherung beigetragen haben, nicht zu Wagemut und unternehmerischem Engagement, wie es heute betont wird.

Das Zukunftszentrum soll auch die Perspektive der mittel- und osteuropäischen Nachbarn einbeziehen. Was lässt sich aus den Transformations-Prozessen dort lernen?
Dass das geplante Zukunftszentrum explizit auch die Verbindungen zu anderen osteuropäischen Ländern in den Blick nimmt, finde ich ja gut. Aber die Bedingungen dort und hier sind kaum miteinander zu vergleichen. Am ehesten würde ich als Vorteil der anderen Länder ansehen, dass man die Transformation weitgehend aus eigener Kraft hat bewältigen können, was eher Stolz auf das Erreichte zur Folge hat, als es in Ostdeutschland der Fall ist, wo häufig eher die Sorge um einen Verlust des Erreichten im Mittelpunkt steht.

UNSER NEWSLETTER

Newsletter bestellen JETZT BESTELLEN

■■■ WEITERE BEITRÄGE DIESER FACHDEBATTE

EIN DEBATTENBEITRAG VON
Marcus Funk
Founder & CEO
Flyacts

Marcus Funk - Founder & CEO Flyacts
Transformation | Wirtschaft

Unterschiede sind kurzfristig und ■ ■ ■

Wie Ost und West voneinander lernen können

EIN DEBATTENBEITRAG VON
Marcus Funk
Founder & CEO
Flyacts

WERBUNG

EMPFEHLUNGEN FÜR ENTSCHEIDER

EIN DEBATTENBEITRAG VON
Bodo Ramelow
Ministerpräsident
Freistaat Thüringen

Bodo Ramelow - Ministerpräsident von Thüringen
Transformation | Wirtschaft

Über eine neue industrielle Basis nach ■ ■ ■

Wie Thüringen sich gewandelt hat und stetig wandelt

EIN DEBATTENBEITRAG VON
Bodo Ramelow
Ministerpräsident
Freistaat Thüringen

EIN DEBATTENBEITRAG VON
Thomas Horn
Geschäftsführer
Wirtschaftsförderung Sachsen GmbH (WFS)

Thomas Horn - Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Sachsen GmbH (WFS)
Transformation | Wirtschaft

Von Leuchttürmen und Mut zur Selbständigkeit

Was sich aus der ökonomischen Transformation in ■ ■ ■

EIN DEBATTENBEITRAG VON
Thomas Horn
Geschäftsführer
Wirtschaftsförderung Sachsen GmbH (WFS)

ZUR FACHDEBATTE

■■■ DIESE FACHDEBATTEN KÖNNTEN SIE AUCH INTERESSIEREN

Dipl.- Journ. Thomas Barthel

INITIATOR
Dipl.- Journ. Thomas Barthel
Founder & Herausgeber
Meinungsbarometer.info

Simone Ulrich

INITIATORIN
Simone Ulrich
Freie Journalistin
Meinungsbarometer.info

Dipl.- Journ. Nikola Marquardt

INITIATORIN
Dipl.- Journ. Nikola Marquardt
Founder & Herausgeberin
Meinungsbarometer.info

ÜBER UNSERE FACHDEBATTEN

Meinungsbarometer.info ist die Plattform für Fachdebatten in der digitalen Welt. Unsere Fachdebatten vernetzen Meinungen, Wissen & Köpfe und richten sich an Entscheider auf allen Fach- und Führungsebenen. Unsere Fachdebatten vereinen die hellsten Köpfe, die sich in herausragender Weise mit den drängendsten Fragen unserer Zeit auseinandersetzen.

überparteilich, branchenübergreifend, interdisziplinär

Unsere Fachdebatten fördern Wissensaustausch, Meinungsbildung sowie Entscheidungsfindung in Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Medien und Gesellschaft. Sie stehen für neue Erkenntnisse aus unterschiedlichen Perspektiven. Mit unseren Fachdebatten wollen wir den respektvollen Austausch von Argumenten auf Augenhöhe ermöglichen - faktenbasiert, in gegenseitiger Wertschätzung und ohne Ausklammerung kontroverser Meinungen.

kompetent, konstruktiv, reichweitenstark

Bei uns debattieren Spitzenpolitiker aus ganz Europa, Führungskräfte der Wirtschaft, namhafte Wissenschaftler, Top-Entscheider der Medienbranche, Vordenker aus allen gesellschaftlichen Bereichen sowie internationale und nationale Fachjournalisten. Wir haben bereits mehr als 600 Fachdebatten mit über 20 Millionen Teilnahmen online abgewickelt.

nachhaltig und budgetschonend

Mit unseren Fachdebatten setzen wir auf Nachhaltigkeit. Unsere Fachdebatten schonen nicht nur Umwelt und Klima, sondern auch das eigene Budget. Sie helfen, aufwendige Veranstaltungen und überflüssige Geschäftsreisen zu reduzieren – und trotzdem die angestrebten Kommunikationsziele zu erreichen.

mehr als nur ein Tweet

Unsere Fachdebatten sind mehr als nur ein flüchtiger Tweet, ein oberflächlicher Post oder ein eifriger Klick auf den Gefällt-mir-Button. Im Zeitalter von X (ehemals Twitter), Facebook & Co. und der zunehmenden Verkürzung, Verkümmerung und Verrohung von Sprache wollen wir ein Zeichen setzen für die Entwicklung einer neuen Debattenkultur im Internet. Wir wollen das gesamte Potential von Sprache nutzen, verständlich und respektvoll miteinander zu kommunizieren.