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08.12.2021
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Wie der Trigema-Chef zu Home-Office-Modellen steht

Wolfgang Grupp - Geschäftsführer, TRIGEMA – Inh. W. Grupp e.K.

Wolfgang Grupp - Geschäftsführer, TRIGEMA – Inh. W. Grupp e.K. [Quelle: TRIGEMA]


Wolfgang Grupp ist bekannt für klare Worte. Der Geschäftsführer und Inhaber von Trigema, Deutschlands größtem Hersteller von Sport- und Freizeitbekleidung, hat auch eine klare Haltung zu Home-Office-Modellen - zumindest in seinem Unternehmen.


Nach vielen Monaten Pandemie vertrauen viele Chefs ihren Mitarbeitern im Home Office nicht und wollen, dass diese alsbald in die Büros zurückkehren. Wie schätzen Sie die Potenziale von mobiler Arbeit und Home Office ein?
Wie Sie vielleicht wissen, war ich von vornherein gegen Home Office. Schauen Sie, von unseren 1.200 Mitarbeitern arbeiten nur 38 in der Verwaltung, einschließlich der Produktionsleitung und der Telefonzentrale. Und die brauche ich hier. Ich könnte gar keine Arbeit nach Hause vergeben, denn Trigema lebt davon, dass wir sehr schnell reagieren und sehr schnell entscheiden. Wenn Sie einen speziellen Wunsch haben, etwa Ihr Logo auf einem Kleidungsstück, dann wird sofort produziert und geliefert. Dafür brauche ich konstant meine Mitarbeiter und kurze Wege.

In der Pandemie hatten wir übrigens tatsächlich Mitarbeiter, die wegen Quarantäne zu Hause bleiben mussten und von dort gearbeitet haben. Sie waren aber sehr froh, als sie wieder zu uns kommen durften. Man hört ja allenthalben, dass die Leute von der Pandemie müde sind und sie wieder Kontakte und wieder zusammenarbeiten wollen. Home Office ist möglicherweise praktisch, wenn jemand sein Privatleben über alles stellen will. Bei uns sind die leitenden Mitarbeiter seit ihrer Lehre im Betrieb. Viele Mitarbeiter sind Jahrzehnte in unserem Unternehmen. Da gibt es eine andere Beziehung zur Arbeit.


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Zugleich halten viele Entscheider Investitionen in flexible Arbeitstechnologien für das Recruiting und die Bindung von Mitarbeitern für wichtig. Wie sehen Sie das?
Natürlich habe auch ich mitunter Probleme, genau die richtigen Mitarbeiter für bestimmte Jobs zu finden. Das betrifft aber vor allem die Produktion. Heutzutage möchte ja jeder in Deutschland Abitur machen und studieren. Diese Leute gehen nicht mehr an eine Nähmaschine oder in die Färberei. Das ist ein Problem. Für die wenigen Ausbildungsplätze, die wir in der Verwaltung anbieten können, erhalten wir immer genug Bewerbungen. Da gibt es keine Probleme. Diese habe ich in der Produktion, wo es sowieso keine Möglichkeit für Home-Office-Modelle gibt.

Für wie sinnvoll halten Sie das vieldiskutierte Recht auf Home Office nach einem möglichen Ende der Pandemie?
Politische Vorgaben sind oft auf andere Firmen ausgerichtet, bei denen es viel mehr Verwaltungsarbeiten gibt. Unsere wenigen Verwaltungsmitarbeiter brauche ich vor Ort. Wir müssen direkt miteinander sprechen können. Wir sind eben ein bisschen anderes als die anderen – sehr flexibel, anpassungsfähig und schnell. Deswegen produzieren wir als letzter Hersteller in der Textilindustrie ausschließlich in Deutschland.

Durch digitale Technologien eröffnen sich neue Modelle wie Office- oder Desk-Sharing. Könnte der klassische Büroarbeitsplatz am Ende überflüssig werden oder sehen Sie da Einsparungsmodelle?
Meinen Sie, wenn ich die Leute nach Hause schicke, kann ich die Plätze im Großraumbüro untervermieten? Vielleicht gibt es Branchen, wo Unternehmen Kosten sparen können. Aber wir haben die Räumlichkeiten, die wir brauchen. Und die nutzen wir, um effizient zu arbeiten.