Radio und Audio sind echte Erfolgsformate und wichtige Treiber für die Endgeräteindustrie und den Handel. Wie stark beeinflussen die Negativschlagzeilen rund um den Verkauf der UKW-Netze den ganzen Radiomarkt?
Ich bin nicht der Meinung, dass die Schlagzeilen um den Verkauf der UKW-Sender letztlich dem Radiomarkt schaden werden. Radio hat eine sehr stabile Reichweite und auch stabile wirtschaftliche Daten. Radio wird als Nebenbei-Medium auch weiterhin eine wichtige Stellung im deutschen Medienmarkt haben. Es kann andererseits natürlich sein, dass die absehbare Preissteigerung im UKW-Bereich dazu führen wird, die Digitalisierung des terrestrischen Hörfunks, der nachweislich über DAB Netze erheblich preiswerter bereitgestellt werden kann, zu beflügeln. Dies sehe ich jedoch nicht als Nachteil, sondern eher als Vorteil. Zumal dadurch, dass doch die meisten Radioveranstalter eben nicht ihre Sendeanlagen gekauft haben, sondern dies Investoren und Sendernetzbetreibern überlassen haben, wird das Mietmodell der UKW-Infrastruktur fortschreiben, aus dem man aber andererseits nach Ablauf bei Bedarf auch wieder aussteigen kann. UKW, nicht Radio, ist in den Schlagzeilen, wird m.E. davon aber nicht profitieren, sondern zur Diskussion hinsichtlich Zukunftsfähigkeit stehen.
Wie sollten Bund und Länder jetzt helfen, die Liberalisierung der UKW-Netze im Sinne der Radioveranstalter umzusetzen? Was kann ggf. die Bundesnetzagentur tun?
Ich meine nicht, dass der Bund in der derzeitigen Phase des Verkauf der UKW-Sendeanlagen gefordert ist, da sowohl Media Broadcast als auch Bundesnetzagentur seit über einem Jahr klar Position bezogen haben. Jeder private Hörfunk-Veranstalter oder dessen beauftragter Sendernetzbetreiber hatte genügend Zeit gehabt, sich auf die neue Situation vorzubereiten und diese den eigenen Zielen entsprechend zu gestalten. Jetzt nach dem Gesetzgeber oder der bundesweiten Regulierung zu rufen, ist meines Erachtens der falsche Weg. 25 Veranstalter und private Unternehmen, außerhalb der Investoren, die die Sendeanlagen von MB ersteigerten, haben die Chance wahrgenommen und die von ihnen benötigte Infrastruktur gekauft und selbst gesteigert. Jetzt den Passiven der letzten 12 Monate zu “helfen“, würde den Aktiven nicht gerecht werden.
Wäre jetzt nicht ein günstiger Zeitpunkt den bundesweiten „Aktionsplan für die Transformation der Hörfunkverbreitung in das digitale Zeitalter" zügig umzusetzen und ebenso eine Verpflichtung der Hersteller zum Einbau digitaler Empfangsmöglichkeiten?
Es ist ja bereits im Koalitionsvertrag angelegt, dass sich der Bund im Rahmen seiner Zuständigkeiten um die weitere Entwicklung von zukunftsfähigen Radiogeräten kümmern wird. Ein Radiogerät mit UKW-, DAB- und IP-Empfang ist zukunftsfähig und sollte daher allen Verbrauchern und der Endgeräteindustrie empfohlen werden. Wenn dazu noch eine flankierende Maßnahme des Bundes gegenüber der Industrie hinsichtlich einer europaweiten Endgerätedirektive kommt, ist das nicht nur hilfreich, sondern würde die gesamte Digitalisierungsentwicklung im Hörfunkbereich befördern.
Bayern gilt bei der Digitalisierung des Rundfunks als vorbildlich. Wie will sich die BLM für die weitere Digitalisierung des Radios in Bayern einbringen?
Die Landeszentrale hat sich immer als Kümmerer für alle technischen Fragen des privaten Hörfunks in Bayern betrachtet und hat sich daher auch frühzeitig den Entwicklungen im UKW-Bereich und im DAB-Bereich angenommen. Wir werden zusammen mit unseren Hörfunkanbietern, voraussichtlich beginnend zu Beginn des nächsten Jahrzehnts, intensiv über Migrationsszenarien von UKW zu DAB diskutieren. Das Ziel sollte dabei sein, mittel- und langfristig auf eine preiswertere terrestrische DAB-Infrastruktur umzusteigen und dabei auch die digitale Verbreitung über Internet zu unterstützen. Damit wäre der private Hörfunk wettbewerbsfähig und könnte vor allem mit seinem größten Wettbewerber, dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk, auf technischer Ebene Schritt halten. Im dualen Rundfunksystem sollten beide Säulen baldmöglichst voll digital abgebildet werden und somit dem Hörfunk eine sichere Zukunft bieten.



