Menue-Button
← FACHDEBATTE
Interview23.05.2018

UKW steht zur Diskussion

Mögliche Preissteigerung bei UKW-Netzen kann DAB+ beflügeln

Reiner Müller, Bereichsleiter Technik, Stv. Geschäftsführer der BLM Quelle: BLM Reiner Müller Stv. Geschäftsführer BLM
INITIATOR DIESER FACHDEBATTE
Alexander Hiller
Redakteur
Meinungsbarometer.info
ZUR FACHDEBATTE

"Ich bin nicht der Meinung, dass die Schlagzeilen um den Verkauf der UKW-Sender letztlich dem Radiomarkt schaden werden. Radio hat eine sehr stabile Reichweite und auch stabile wirtschaftliche Daten. Es kann andererseits natürlich sein, dass die absehbare Preissteigerung im UKW-Bereich dazu führen wird, die Digitalisierung des terrestrischen Hörfunks, der nachweislich über DAB Netze erheblich preiswerter bereitgestellt werden kann, zu beflügeln." Das sagt Reiner Müller, Bereichsleiter Technik, Stv. Geschäftsführer der BLM. "UKW, nicht Radio, ist in den Schlagzeilen, wird m.E. davon aber nicht profitieren, sondern zur Diskussion hinsichtlich Zukunftsfähigkeit stehen."





Radio und Audio sind echte Erfolgsformate und wichtige Treiber für die Endgeräteindustrie und den Handel. Wie stark beeinflussen die Negativschlagzeilen rund um den Verkauf der UKW-Netze den ganzen Radiomarkt?
Ich bin nicht der Meinung, dass die Schlagzeilen um den Verkauf der UKW-Sender letztlich dem Radiomarkt schaden werden. Radio hat eine sehr stabile Reichweite und auch stabile wirtschaftliche Daten. Radio wird als Nebenbei-Medium auch weiterhin eine wichtige Stellung im deutschen Medienmarkt haben. Es kann andererseits natürlich sein, dass die absehbare Preissteigerung im UKW-Bereich dazu führen wird, die Digitalisierung des terrestrischen Hörfunks, der nachweislich über DAB Netze erheblich preiswerter bereitgestellt werden kann, zu beflügeln. Dies sehe ich jedoch nicht als Nachteil, sondern eher als Vorteil. Zumal dadurch, dass doch die meisten Radioveranstalter eben nicht ihre Sendeanlagen gekauft haben, sondern dies Investoren und Sendernetzbetreibern überlassen haben, wird das Mietmodell der UKW-Infrastruktur fortschreiben, aus dem man aber andererseits nach Ablauf bei Bedarf auch wieder aussteigen kann. UKW, nicht Radio, ist in den Schlagzeilen, wird m.E. davon aber nicht profitieren, sondern zur Diskussion hinsichtlich Zukunftsfähigkeit stehen.

Wie sollten Bund und Länder jetzt helfen, die Liberalisierung der UKW-Netze im Sinne der Radioveranstalter umzusetzen? Was kann ggf. die Bundesnetzagentur tun?
Ich meine nicht, dass der Bund in der derzeitigen Phase des Verkauf der UKW-Sendeanlagen gefordert ist, da sowohl Media Broadcast als auch Bundesnetzagentur seit über einem Jahr klar Position bezogen haben. Jeder private Hörfunk-Veranstalter oder dessen beauftragter Sendernetzbetreiber hatte genügend Zeit gehabt, sich auf die neue Situation vorzubereiten und diese den eigenen Zielen entsprechend zu gestalten. Jetzt nach dem Gesetzgeber oder der bundesweiten Regulierung zu rufen, ist meines Erachtens der falsche Weg. 25 Veranstalter und private Unternehmen, außerhalb der Investoren, die die Sendeanlagen von MB ersteigerten, haben die Chance wahrgenommen und die von ihnen benötigte Infrastruktur gekauft und selbst gesteigert. Jetzt den Passiven der letzten 12 Monate zu “helfen“, würde den Aktiven nicht gerecht werden. 

Wäre jetzt nicht ein günstiger Zeitpunkt den bundesweiten „Aktionsplan für die Transformation der Hörfunkverbreitung in das digitale Zeitalter" zügig umzusetzen und ebenso eine Verpflichtung der Hersteller zum Einbau digitaler Empfangsmöglichkeiten?
Es ist ja bereits im Koalitionsvertrag angelegt, dass sich der Bund im Rahmen seiner Zuständigkeiten um die weitere Entwicklung von zukunftsfähigen Radiogeräten kümmern wird. Ein Radiogerät mit UKW-, DAB- und IP-Empfang ist zukunftsfähig und sollte daher allen Verbrauchern und der Endgeräteindustrie  empfohlen werden. Wenn dazu noch eine flankierende Maßnahme des Bundes gegenüber der Industrie hinsichtlich einer europaweiten Endgerätedirektive kommt, ist das nicht nur hilfreich, sondern würde die gesamte Digitalisierungsentwicklung im Hörfunkbereich befördern.

Bayern gilt bei der Digitalisierung des Rundfunks als vorbildlich. Wie will sich die BLM für die weitere Digitalisierung des Radios in Bayern einbringen?
Die Landeszentrale hat sich immer als Kümmerer für alle technischen Fragen des  privaten Hörfunks in Bayern betrachtet und hat sich daher auch frühzeitig den Entwicklungen im UKW-Bereich und im DAB-Bereich angenommen. Wir werden zusammen mit unseren Hörfunkanbietern, voraussichtlich beginnend zu Beginn des nächsten Jahrzehnts, intensiv über Migrationsszenarien von UKW zu DAB diskutieren. Das Ziel sollte dabei sein, mittel- und langfristig auf eine preiswertere terrestrische DAB-Infrastruktur umzusteigen und dabei auch die digitale Verbreitung über Internet zu unterstützen. Damit wäre der private Hörfunk wettbewerbsfähig und könnte vor allem mit seinem größten Wettbewerber, dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk, auf technischer Ebene Schritt halten. Im dualen Rundfunksystem sollten beide Säulen baldmöglichst voll digital abgebildet werden und somit dem Hörfunk eine sichere Zukunft bieten.

■■■ WEITERE BEITRÄGE DIESER FACHDEBATTE

EIN DEBATTENBEITRAG VON
Prof. Dr. Dr. Spanner-Ulmer
Direktorin
BR

Prof. Dr. Dr. Birgit Spanner-Ulmer, Direktorin Produktion und Technik beim BR
Radionetze | UKW

Digitalisierung als Lösung des UKW-Problems

Warum jetzt die Kräfte für DAB+ gebündelt werden ■ ■ ■

EIN DEBATTENBEITRAG VON
Prof. Dr. Dr. Spanner-Ulmer
Direktorin
BR

EIN DEBATTENBEITRAG VON
Wolfgang Kniese
CFO
MEDIA BROADCAST

Wolfgang Kniese, CFO MEDIA BROADCAST
Radionetze | UKW

MEDIA BROADCAST begrüßt UKW-Einigung

Entgegenkommen bei künftigen Wartungs- und ■ ■ ■

EIN DEBATTENBEITRAG VON
Wolfgang Kniese
CFO
MEDIA BROADCAST

EIN DEBATTENBEITRAG VON
Dr. Ulrich Liebenow
Betriebsdirektor
MDR

Dr. Ulrich Liebenow, Betriebsdirektor des Mitteldeutschen Rundfunks
Radionetze | UKW

MDR stimmt UKW-Kompromissvorschlag zu

Warum es künftig auch für DAB+ klare und ■ ■ ■

EIN DEBATTENBEITRAG VON
Dr. Ulrich Liebenow
Betriebsdirektor
MDR

ZUR FACHDEBATTE
■■■ DIESE FACHDEBATTEN KÖNNTEN SIE AUCH INTERESSIEREN
Dipl.- Journ. Thomas Barthel

INITIATOR
Dipl.- Journ. Thomas Barthel
Founder & Herausgeber
Meinungsbarometer.info

Dipl.- Journ. Nikola Marquardt

INITIATORIN
Dipl.- Journ. Nikola Marquardt
Founder & Herausgeberin
Meinungsbarometer.info

Simone Ulrich

INITIATORIN
Simone Ulrich
Freie Journalistin
Meinungsbarometer.info

ÜBER UNS

Meinungsbarometer.info ist die Plattform für Fachdebatten in der digitalen Welt. Unsere Fachdebatten vernetzen Meinungen, Wissen & Köpfe und richten sich an Entscheider auf allen Fach- und Führungsebenen. Unsere Fachdebatten vereinen die hellsten Köpfe, die sich in herausragender Weise mit den drängendsten Fragen unserer Zeit auseinandersetzen.

überparteilich, branchenübergreifend, interdisziplinär

Unsere Fachdebatten fördern Wissensaustausch, Meinungsbildung sowie Entscheidungsfindung in Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Medien und Gesellschaft. Sie stehen für neue Erkenntnisse aus unterschiedlichen Perspektiven. Mit unseren Fachdebatten wollen wir den respektvollen Austausch von Argumenten auf Augenhöhe ermöglichen - faktenbasiert, in gegenseitiger Wertschätzung und ohne Ausklammerung kontroverser Meinungen.

kompetent, konstruktiv, reichweitenstark

Bei uns debattieren Spitzenpolitiker aus ganz Europa, Führungskräfte der Wirtschaft, namhafte Wissenschaftler, Top-Entscheider der Medienbranche, Vordenker aus allen gesellschaftlichen Bereichen sowie internationale und nationale Fachjournalisten. Wir haben bereits mehr als 600 Fachdebatten mit über 20 Millionen Teilnahmen online abgewickelt.

nachhaltig und budgetschonend

Mit unseren Fachdebatten setzen wir auf Nachhaltigkeit. Unsere Fachdebatten schonen nicht nur Umwelt und Klima, sondern auch das eigene Budget. Sie helfen, aufwendige Veranstaltungen und überflüssige Geschäftsreisen zu reduzieren – und trotzdem die angestrebten Kommunikationsziele zu erreichen.

mehr als nur ein Tweet

Unsere Fachdebatten sind mehr als nur ein flüchtiger Tweet, ein oberflächlicher Post oder ein eifriger Klick auf den Gefällt-mir-Button. Im Zeitalter von X (ehemals Twitter), Facebook & Co. und der zunehmenden Verkürzung, Verkümmerung und Verrohung von Sprache wollen wir ein Zeichen setzen für die Entwicklung einer neuen Debattenkultur im Internet. Wir wollen das gesamte Potential von Sprache nutzen, verständlich und respektvoll miteinander zu kommunizieren.