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Interview17.01.2023

Stuttgarter Gebäudebestand soll 2030 klimaneutral saniert sein

Wie die Stadt Energie spart und das Klima schont

Peter Pätzold - Bürgermeister, Referat Städtebau, Wohnen und Umwelt, Stadt Stuttgart Quelle: Thomas Niedermüller/Stadt Stuttgart Peter Pätzold Bürgermeister, Referat Städtebau, Wohnen und Umwelt Stadt Stuttgart
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Dipl.- Journ. Nikola Marquardt
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"Sparen liegt in der DNA der Schwaben, uns ist es gelungen, die Heizenergie um mehr als ein Viertel zu senken im Vergleich zu 1990", berichtet der Stuttgarter Baubürgermeister Peter Pätzold. Auch für die Zukunft hat sich die Stadt ambitionierte Ziele gesetzt.





Die Energiepreiskrise trifft die Bürgerinnen und Bürger aber auch die Kommunen direkt mit ihren Liegenschaften. Welche Maßnahmen haben Sie zur Energie-Einsparung ganz unmittelbar getroffen?
Sparen liegt in der DNA der Schwaben, uns ist es gelungen, die Heizenergie um mehr als ein Viertel zu senken im Vergleich zu 1990. Die Landeshauptstadt Stuttgart betreibt seit vielen Jahren ein aktives Energiemanagement bei ihren Liegenschaften. Und beim Strom sind wir ressourcenschonend unterwegs: Hier nutzen wir zu 100 % Ökostrom. Weil im 21. Jahrhundert viel mehr digital gemacht wird, mehr für die Abwasserreinigung und die Barrierefreiheit gemacht wird, stieg hier der Verbrauch um ein Fünftel. Wir wollen aber sparen, wo wir sparen können, so haben wir 2022 in den öffentlichen Gebäuden die Temperatur auf 19 Grad gesenkt, in den Toiletten fließt kein aufgeheiztes Wasser und beleuchtet wird seit Jahren überwiegend mit LED.

Der Start der regulären Heizperiode wurde vom 1. Oktober auf den 1. November verschoben. In den Freibädern wurde die zusätzliche Beheizung des Wassers gestrichen, ebenso wurden die Warmbadetage in 2022 ausgesetzt. Das Thema Energieeinsparung und Energieeffizienz ist ein Dauerthema bei der Stadtverwaltung und wird weiterverfolgt. Seit Juli 2022 sogar deutlich unterstützt mit dem Beschluss des Gemeinderats, dass die Stadt Stuttgart bis 2035 und die städtischen Liegenschaften bereits 2030 klimaneutral sein soll. Dies wird flankiert mit zusätzlichen Geldern zu dem im Jahr 2019 beschlossenen 200 Mio. EUR Klimaschutzpaket und zusätzlichem Personal.

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Nach aktuellen Daten ist die Bausubstanz von kommunalen Nichtwohngebäuden im Durchschnitt rund 35 Jahre alt. Wie gehen Sie bei der Sanierung von solchen Gebäuden vor?
Wir müssen noch zeitiger ans Ziel kommen: Bis 2030 soll der Gebäudebestand klimaneutral saniert sein. Das hat der Rat vor zwei Jahren beschlossen. Dazu wurde bereits 2020 die Energierichtlinie der Landeshauptstadt Stuttgart neu gefasst und beschlossen. Bei Neugebäuden ist damit der Plusenergiestandard gesetzt und bei Sanierungen ist das klimaneutrale Gebäude das Ziel. Darüber hinaus gilt eine Photovoltaik-Pflicht. Mehr noch: 30% der Gebäudeoberfläche sind zu begrünen und mindestens 30% der eingesetzten Baustoffe sind recycelt und der sommerliche Wärmeschutz ist immer zu berücksichtigen.

Unsere städtische Wohnungsbautochter, SWSG, hat ein Klimaschutzkonzept erarbeitet, das explizit die Sanierung des Bestandes mit dem Ziel der Klimaneutralität ins Auge fasst. Dafür wurde auch extra die Stelle eines Klimamanagers geschaffen. Und die Stadtwerke wollen mit einem drei Milliarden Euro schweren Programm bis 2035 fast 25 Prozent der gesamten CO2-Emmission einsparen.

Und nicht zu vergessen: Unser Programm für energetische Sanierung, das 75 Mio Euro stark ist. Begleitet wird das durch den Ausbau und die personelle Aufstockung des Stuttgarter Energieberatungszentrums (EBZ), das seit vielen Jahren zusammen mit dem Handwerk und die Hauseigentümerinnen und –eigentümer berät.

Welchen Beitrag können digtale Tools und Technologien für mehr Energie-Effizienz leisten?
Die Digitalisierung macht das Energiemanagement einfacher und effizienter. Nur, eine schnelle Berechnung ist kein Ersatz für menschliches Handeln. Und, wie gesagt, mehr Rechner, mehr Server, heißt auch mehr Stromverbrauch.

Wir haben Heizzentralen umgerüstet, so ist unsere Eiswelt zusammen mit der benachbarten Sporthalle künftig dank einer Nahwärmelösung klimaneutral. Im Rahmen der Energieleitplanung untersucht das Amt für Umweltschutz die städtischen Liegenschaften und das Stadtgebiet auf Potentiale. Dabei wird sowohl die Möglichkeit der Energieeinsparung, als auch die der Energieeffizient geprüft.

Ein gutes Beispiel hierzu ist das neue Quartier NeckarPark mit rund 900 Wohnungen. Hier entstehen 900 Wohnungen mit einem Nahwärmenetz, das sich aus der Abwärme einer großen Abwasserleitung speist. Daran angeschlossen ist zudem das neue Sportbad, das durch verschiedene Maßnahmen klimaneutral betrieben wird. Damit entwickelt sich das gesamte Quartier in Richtung Klimaneutralität.

Welche Unterstützung brauchen die Kommunen aus Ihrer Sicht von Bund und Ländern?
Kommunen brauchen Planungssicherheit, insbesondere bei den Förderprogrammen der KfW. Wir kombinieren unsere Programme mit denen der KfW. Aber durch die in letzter Zeit entstandenen Förderstopps und Änderungen bei der Förderung wurden hier Projekte verzögert oder auch abgesagt.

Ebenso braucht es klare, aber flexible Möglichkeiten sowohl die regenerativen Energien auszubauen, aber auch Sanierungen zu ermöglichen.

Noch wichtiger ist es, uns anzuhören. Wir müssen die Gesetze ja umsetzen. So ist eine PV-Pflicht sinnvoll und notwendig, muss aber auch so geregelt sein, dass die Verfahren nicht kompliziert und aufwändig sind. Auch muss eine PV-Pflicht berücksichtigen, dass wir gleichzeitig die Klimaanpassung über mehr Bäume auf Parkplätzen und öffentlichen Flächen, aber auch auf die Dächer mehr Grün bringen müssen.

Ebenso ist das Thema AgriPV ein sehr vielversprechendes, jedoch ist dazu erforderlich, dass die unteren Baurechtsbehörden diese Anlagen im Außenbereich als privilegierte Anlagen ermöglichen können, auch wenn sie nicht zur Selbstversorgung dienen.

Grundsätzlich sollte das Thema Klimaschutz überall als Pflichtaufgabe in allen Städten verankert werden.

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