E-Scooter, E-Bords oder One-Wheeler – immer mehr kleine E-Fahrzeuge sind unterwegs. Und sie machen Probleme. Die technische Entwicklung geht immer schneller und neue Fahrzeuge kommen immer schneller auf den Markt - inzwischen sind sogar Kinderwagen mit elektrischen Hilfsmotoren im Angebot. Der Platz auf Straßen und Fußwegen wird immer indes knapper.
"Die Straßen in den Städten sind verstopft, die Luft voller Abgase. Das Ziel muss sein, den motorisierten Individual- und Lieferverkehr auf Verkehrsmittel mit geringerem Platzbedarf, weniger Lärmbelastung und Abgasen zu verlagern", sagt Ingo Valtingoier von der Innovationsmanufaktur GmbH, der mit Partnern das Innovationsnetzwerk Mikro-Elektromobilität (MILE) betreibt. Mikro-Elektromobilität biete sehr viel Potenzial zur Lösung dieser Herausforderungen – wenn sie richtig eingesetzt werde. Das Innovationsnetzwerk sieht enorme Möglichkeiten im Einsatz elektrifizierter Mikro-Lieferfahrzeuge. Dazu zählen zum Beispiel Lastenpedelecs oder in Zukunft vollautomatisierte Zustellfahrzeuge, die sich ausgehend von mobilen Verteilerhubs auf die letzte Meile machen.
Solche Mikromobile sind nach Einschätzung von Valtingoier meist schneller unterwegs als Fußgänger und teilen sich die Infrastruktur mit Fahrrädern. Die Innovationsmanufaktur GmbH fordert schon lange den Ausbau der Infrastruktur für Fahrrad & Co. Denn damit werde nicht nur die elektrifizierte Mikromobilität gefördert, sondern auch die aktive Fortbewegung. Außerdem müssten sowohl für Fahrräder als auch für jegliche Mikromobile, privat oder von Sharing-Anbietern, Parkflächen geschaffen werden. Die vorhandene Infrastruktur werde beinahe exklusiv vom motorisierten Individualverkehr in Anspruch genommen. "Mit der Ausweisung neuer Parkflächen für Fahrräder und Mikromobile können Städte Streit und Ärger über das planlose Zustellen von öffentlichen Flächen vermeiden und die Nutzung dieser Verkehrsmittel positiv anregen."
Dr. Michael Haberland, Präsident Mobil in Deutschland e.V. lenkt den Blick auf die aktuellen Probleme mit elektrischer Mikromobilität: "Diese Art von Mobilität wird meist ausschließlich von Fußgängern und Touristen genutzt und stellt keinesfalls einen Ersatz zu Fahrrad, U-Bahn oder gar dem Auto dar." Durch die e-Roller vereng sich beispielsweise der Verkehrsraum noch weiter und die Unfallzahlen steigen. Haberland führt Umfragen ins Feld, nach denen Autofahrer ihr Auto nicht für einen Scooter stehenlassen - eher Fußgänger, ÖPNV-Nutzer und Fahrradfahrer. "Daher mein Fazit: Mikromobilität macht Spaß, bringt aber verkehrlich überhaupt keinen Nutzen und löst keine Probleme."
Daher müsse auch die Verkehrsinfrastruktur nicht verändert werden. Die Mikromobilität erlebe lediglich einen temporären Hype, der ganz schnell wieder abflacht und von einigen Städten sogar schon wieder verboten wurde. Und überhaupt: "Straßen sind keine Spielplätze." Die seien Regeln unzulässig und werden nicht ausreichend kommuniziert. Sehr häufig sehe man Verkehrsverstöße, ganz einfach auch deshalb, weil niemand wirklich auf die Mikromobilität vorbereitet war.
"Es muss unbedingt vermieden werden, das Thema Mikromobilität zu überregulieren" wendet dagegen Fraunhofer-Experte Fabian Edel ein. Alleine die Zulassung für Deutschland habe gezeigt, wie lange und aufwendig eine intensive Regulierung sei. Überregulierungen könnten innovationshemmend für neue zukünftige Fahrzeugkonzepte sein. Allerdings sei auch eine Unterregulierung nicht zielführend. Vor allem im Bereich der Sicherheit sind Regulierungen wichtig. Fehlende Regulierungen in den europäischen Nachbarländern haben gezeigt, dass es ein Mindestmaß braucht, um die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer sicherzustellen. "Ein gesundes Mittelmaß an Regulierung ist daher sicherlich sinnvoll, dennoch müssen sich alle Verkehrsteilnehmer auch an neuen Mobilitätsformen gewöhnen und entsprechend akzeptieren und das braucht wiederum Zeit."



