MEINUNGSBAROMETER.INFO

DIGITALISIERUNG

DAS FACHDEBATTENPORTAL

Für Entscheider aus Politik, Wirtschaft, Medien & Gesellschaft


schliessen

Bitte hier einloggen:

Login

Passwort vergessen?
 
02.02.2023
Kopieren und anderweitige Vervielfältigungen sind nicht erlaubt.

SACHSEN VERFOLGT EINE NACHHALTIGE MOBILITÄTSPOLITIK

80 Prozent der Bevölkerung soll Zugang zu einem vertaktetem ÖPNV erhalten

Ines Fröhlich, Staatssekretärin für Digitales und Mobilität im Sächsischen Staatsministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr

Ines Fröhlich, Staatssekretärin für Digitales und Mobilität im Sächsischen Staatsministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr [Quelle: SMWA/Julian Hoffmann]


"Wir setzen uns konsequent für die Stärkung von Bahn, Bus, Rad und Fußverkehr sowie für die Schaffung notwendiger Voraussetzungen zur Nutzung alternativer Antriebsformen aus erneuerbaren Energien ein", sagt Ines Fröhlich, Staatssekretärin für Digitales und Mobilität im Sächsischen Staatsministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr. Außerdem soll die Verbindung von Car- und BikeSharing mit dem ÖPNV die Abkehr vom eigenen Auto erleichtern.


Welche Rolle spielt die Digitalisierung bei der nachhaltigen Mobilitäts- und Verkehrsplanung?
Nachhaltige Mobilität erfordert künftig sowohl Fahrzeuginnovationen als auch neue Mobilitätsdienstleistungen und wird in ihrem Erfolg entscheidend von den Möglichkeiten der Digitalisierung bestimmt. Digitalisierung ermöglicht bereits heute schon die Etablierung von verkehrsträgerübergreifenden Angeboten und Dienstleistungen. Dadurch können durchgehende Wegeketten geplant und etabliert werden – noch besser wenn diese unter Nutzung umweltfreundlicher Verkehrsmittel erfolgen.

Außerdem trägt Digitalisierung zu einer effizienteren Nutzung vorhandener Infrastrukturen bei. Mit dem Einsatz intelligenter Verkehrssysteme wird im Freistaat eine stärkere Vernetzung der Verkehrsträger angestrebt, wodurch die Verkehrssicherheit erhöht und das Verkehrsaufkommen effizienter bewältigt werden kann. Testfelder und Pilotvorhaben zum automatisierten und autonomen Fahren sowohl im ÖPNV als auch im Individualverkehr sind ohne digitale Systeme nicht umsetzbar und liefern entscheidende Informationen für deren heutigen und künftigen, zielgerichteten Einsatz.


Jetzt bestellen!

DIE DOKUMENTATION DIESER FACHDEBATTE

Wie wichtig ist die Priorisierung bei der Verkehrsplanung, wenn man die gesetzten Umwelt- und Klimaschutzziele erreichen möchte?
Der Freistaat Sachsen verfolgt eine nachhaltige Mobilitätspolitik. Alle Menschen sollen sicher und zuverlässig, genauso wie umweltfreundlich, bezahlbar und mit akzeptablem Zeitaufwand ihre Ziele erreichen können, egal ob sie in der Stadt und auf dem Land leben. Mit dem Bundes-Klimaschutzgesetz wird erstmals ein verbindlicher Rahmen für den Klimaschutz in Deutschland geschaffen, welcher bei der Verkehrsplanung zukünftig zu beachten ist. Der Freistaat unterstützt die klimapolitischen Zielstellungen im Rahmen seiner Mobilitätspolitik.

Sachsen ist bestrebt, die Verkehrsmittelwahl hin zu klimafreundlichen Verkehrsträgern zu beeinflussen. Wir setzen uns konsequent für die Stärkung von Bahn, Bus, Rad und Fußverkehr sowie für die Schaffung notwendiger Voraussetzungen zur Nutzung alternativer Antriebsformen aus erneuerbaren Energien ein. Wir fördern u.a. alternative Antriebe im ÖPNV, den Ausbau der Radverkehrsinfrastruktur aber auch beispielsweise die Anschaffung von Lastenrädern.

Der motorisierte Individualverkehr und die in diesem Zusammenhang stehendende städtebauliche Gestaltung stehen nicht mehr im Mittelpunkt der zukunftsweisenden Mobilitätspolitik.

Die Verkehrsplanung an diesen Prioritäten auszurichten ist nicht nur folgerichtig sondern zwingend geboten. Wir wollen durch attraktive ÖPNV-Angebote 80 Prozent der Bevölkerung Zugang zu einem vertaktetem ÖPNV schaffen, d.h. einer Million Menschen mehr als im Jahr 2019. Gleichzeitig wird eine sichere und ständig verfügbare Infrastruktur für den Rad- und Fußverkehr weiter ausgebaut. Mobilitätsdienstleitungen, die neue und bestehende Mobilitätslösungen wie beispielsweise CarSharing, BikeSharing und ÖPNV miteinander verbinden, sollen die Abkehr vom eigenen Auto erleichtern.

Auch in Zukunft wird der motorisierte Individualverkehr als Mobilitätsform eine Rolle spielen. Aber wir möchten, dass diese künftig mit modernen, umweltfreundlichen Antrieben unterwegs sind. Deshalb sind wir auch stolz, dass die großen Autokonzerne, wie VW, BMW oder Porsche, ihre Elektro-Flotten im Freistaat bauen. Institute, Universitäten und Unternehmen tüfteln bereits an Wasserstofffahrzeugen und an modernen Versionen bisheriger fossiler Brennstoffe.

Und natürlich müssen wir unser 13.400 Kilometer langes Straßennetz in Ordnung halten. Denn gerade im ländlichen Raum wird es weiterhin noch notwendig sein, trotz des ÖPNV-Ausbaus, den Individualverkehr mit dem eigenen Auto abzusichern. Hier liegt der Schwerpunkt auf der Erhaltung und Verbesserung des bestehenden Netzes. Es gilt der Grundsatz: Erhaltung vor Ausbau, Ausbau vor Neubau. Auch hier sind die Ziele und der Zweck des Klimaschutzgesetzes auf allen Ebenen zu berücksichtigen.

Wie kann die sozial-ökologische Mobilitäts- und Verkehrswende gelingen, die niemanden abhängt und alle mitnimmt?
Die Verkehrswende kann nur gelingen, wenn Mobilität sicher, klimaverträglich, sozial gerecht, zuverlässig und bezahlbar ist. Im Mittelpunkt sollte ein Maximum an Mobilität bei möglichst wenig Verkehr stehen. Es gilt die Belastungen für Mensch und Umwelt durch Lärm und Schadstoffe zu verringern und soziale Teilhabe zu ermöglichen. Der Schlüssel dafür ist die Steigerung des Anteils der Verkehrsleistungen des Umweltverbunds mit Bahn, ÖPNV, Rad und Fußverkehr. Der Freistaat Sachsen unternimmt in Zusammenarbeit mit den Kommunen und Verkehrsunternehmen bereits eine Menge, um diesen Anteil auf soziale verträgliche Weise zu erhöhen. Mit dem eingeführten Bildungsticket und dem AzubiTicket wurden soziale Hürden für die Nutzung des ÖPNV abgebaut. Ein nächster Schritt ist die Einführung des Sachsen-Tarifs.

Kommunen werden mit hohen Investitionszuschüssen für den ÖPNV entlastet, um bezahlbare und soziale Tarife zu ermöglichen. Plus- und Rufbusangebote verbinden das Umland noch besser mit den Großstädten. Radschnellwege und Radvorrangrouten haben als ökologische und kostengünstige Alternativen große Potenziale und das Engagement der ÖPNV-Aufgabenträger zur Umsetzung von flexiblen Bedienformen wird unterstützt.

Wie möchte man einen verlässlichen ÖPNV in den ländlichen Regionen ausbauen?
Der Zugang zur Mobilität ist ein entscheidender Faktor für die Lebensqualität im ländlichen Raum und trägt dazu bei, dass diese Regionen auch zukünftig als attraktive Wohn-, Lebens- und Erholungsräume wahrgenommen werden. Der ländliche Raum benötigt dafür ein speziell ausgerichtetes Angebot an attraktiven Mobilitätslösungen mit unterschiedlichen, klimafreundlichen Verkehrsträgern. Der Bus als flexibles, wirtschaftliches und umweltfreundliches Verkehrsmittel spielt hier eine wichtige Rolle, um dieses Ziel zu erreichen.

Das 2019 eingeführte PlusBus- und TaktBus-Konzept nutzt dieses Potential optimal aus. Seit der Einführung ist es gelungen, das für die Nutzerinnen und Nutzer attraktive System als bedeutendes Standbein im ÖPNV zu etablieren. Dank durchdachter Verzahnung der einzelnen Verkehrsmittel sorgen die sächsischen Verkehrsunternehmen dafür, dass jedes Ziel auch über Kreis- und Verbundgrenzen hinweg erreichbar ist. Das ist ein wichtiger Baustein, der grundsätzlich ein ÖPNV-Angebot sichert.

Gleichzeitig müssen wir bei weniger dicht besiedelten Regionen ein Nachfrageangebot schaffen. Hierbei stellen flexible Bedienangebote einen unverzichtbaren wie modernen weiteren Baustein dar. Der Einsatz autonomer Shuttlebusse ergänzt „On-Demand“ das bestehende ÖPNV-Angebot sinnvoll und ermöglicht einen nahezu durchgängigen Betrieb selbst in engen Ortskernen. Zusätzlich gelingt mit diesen Angeboten durch die höhere Kosteneffizienz, teilweise erstmalig, überhaupt ein Anschluss an den Nahverkehr und zu Umsteigepunkten. Erste Modellversuche mit autonomen Fahrzeugen wurden in Sachsen bereits gestartet.