Menue-Button
← FACHDEBATTE
Interview06.09.2022

Medienbildung darf nicht auf Schule begrenzt werden

Wie lebenslanges Lernen am besten funktionieren kann

Prof. i.R. Dr. Stefan Aufenanger - Seniorforschungsprofessur für Medienpädagogik an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz Quelle: privat Prof. i.R. Dr. Stefan Aufenanger Seniorforschungsprofessur für Medienpädagogik Johannes Gutenberg-Universität Mainz
INITIATOR DIESER FACHDEBATTE
Uwe Schimunek
Freier Journalist
Meinungsbarometer.info
ZUR FACHDEBATTE

"Es ist allgemein nicht einfach, Desinformationen zu erkennen, Werbung zu durchschauen sowie Meinungen angemessen beurteilen zu können" konstatiert Prof. Dr. Stefan Aufenanger von der Sektion Medienpädagogik in der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaft. Er weiß aber, wie man das lernen und trainieren kann.





Eine Studie kommt zu dem Ergebnis, dass die digitale Nachrichtenkompetenz mit dem Alter sinkt - was bedeutet das für die Medienbildung?
Die Ergebnisse der Studie machen deutlich, dass die Förderung von Medienkompetenz beziehungsweise Medienbildung nicht nur auf Schule begrenzt werden darf, sondern eine Aufgabe des lebenslangen Lernens sein muss. In diesem Sinne sollten die pädagogischen Angebote zur Förderung von Medienbildung auch in den Bereichen der Erwachsenen- und Weiterbildung stärker ausgebaut und unterstützt werden. Ein möglicher Ansatz, die Nachrichtenkompetenz zu stärken, kann zum Beispiel darin liegen, dass im Sinne einer gestaltungsorientieren Medienpädagogik Menschen aller Altersgruppen lernen, selbst Nachrichten zu erstellen. Dadurch können sie am Besten lernen, wie Nachrichten aufgebaut sind und wie man sie auch versteht und ihre Inhalte bewertet.

JETZT HERUNTERLADEN

DIE DOKUMENTATION DIESER FACHDEBATTE

DIE DOKUMENTATION ENTHÄLT

alle Debattenbeiträge ungekürzt im Original
Übersicht aller aktiven Debattenteilnehmer
Summary für Ihr Top-Management
MEHR ERFAHREN


Die Vertrauenswürdigkeit von Quellen wird häufig falsch eingeschätzt. Wie lässt sich das ändern?
Der Umgang mit Informationen in den verschiedenen Medien – egal ob Zeitschriften, Fernsehen oder in den sozialen Medien – ist eine wichtige pädagogische Aufgabe und kann am besten in Form von praktischen Projekten vermittelt werden. So ist etwa ein Vergleich verschiedener Quellen einer Nachricht ein wichtiger Zugang. In der Vermittlung solcher Kompetenzen muss es darum gehen, die Seriosität von Quellen beurteilen zu können. Dies bedeutet etwa, mehr dazu zu wissen, wie Nachrichten produziert werden und welche Produktionsbedingungen dabei herrschen. Auf der anderen Seite sollten Medien aber auch Verantwortung zeigen, indem die Angaben zu den Quellen transparent und nachvollziehbar gemacht werden. Weiterhin sollte die Professionalisierung von Journalist:innen eine zentrale Voraussetzung sein, Nachrichten zu produzieren zu dürfen.

Desinformation, Information, Werbung und Meinung werden zum Teil nur schwer erkannt. Was kann dagegen getan werden?
Es ist allgemein nicht einfach, Desinformationen zu erkennen, Werbung zu durchschauen sowie Meinungen angemessen beurteilen zu können. Jedoch kann in medienpädagogischen Projekten aufgezeigt werden, mit welchen Mechanismen etwa FakeNews produziert werden. Ein gutes Beispiel dafür ist die Webseite getbadnews.de, auf der etwa Schüler*innen in einem Spiel selbst Falschnachrichten produzieren sollen, um anschließend gemeinsam die dabei verwendeten psychologischen und kommunikativen Mechanismen zu diskutieren und zu durchschauen. Ähnliches kann auch mit Werbung gemacht werden. Die Förderung solcher medienkritischer Kompetenzen ist ein zentraler Bestandteil von Medienbildung.

Wie sollte die Politik die Medienbildung besser fördern - ohne in den Verdacht zu geraten, in das Mediensystem einzugreifen?
Es muss eine Aufgabe von Politik sein, die Angebote zur Medienbildung im gesamten Bildungssystem zu etablieren. Dies bedeutet etwa, schon in Kitas mit Kindern etwa über digitale Kinderrechte am eigenen Bild und in der Grundschule über Mechanismen von Werbung zu sprechen und die Bereiche von Medienbildung im weiter auszubauen. Jedoch sollte Medienbildung nicht auf ein einzelnes Fach beschränkt werden, sondern wie von der Kultusministerkonferenz der Länder in ihrer Strategie „Bildung in der digitalen Welt“ von 2016 vorgesehen fächerübergreifend anzulegen. Aber auch außerhalb des schulischen Rahmens ins verstärkt auch Angebote im außerschulischen Bereich zu fördern, um dort stärker praxisorientierte Projekte durchführen zu können. Dazu ist es jedoch notwendig, in der Ausbildung von pädagogischen Fachkräften – etwa in der Lehrer*innenbildung oder der Ausbildung von Sozialarbeiter:innen und Sozialpädagog:innen – das Thema Medienbildung verpflichten im Sinne einer medienpädagogischen Grundbildung zu etablieren. Nur so kann sichergestellt werden, dass in den pädagogischen Institutionen das Thema Medienbildung fachlich und pädagogisch qualifiziert angeboten werden kann.

UNSER NEWSLETTER
Newsletter bestellen JETZT BESTELLEN
■■■ WEITERE BEITRÄGE DIESER FACHDEBATTE

EIN DEBATTENBEITRAG VON
Prof. Dr. Thomas Merz
Prorektor Forschung und Wissensmanagement
Pädagogische Hochschule Thurgau

Prof. Dr. phil. Thomas Merz - Prorektor Forschung und Wissensmanagement, Pädagogische Hochschule Thurgau
Medienkompetenz | Fake News

Neue Modelle für Medienbildung in der ■ ■ ■

Warum lebenslange Medienbildung immer wichtiger wird

EIN DEBATTENBEITRAG VON
Prof. Dr. Thomas Merz
Prorektor Forschung und Wissensmanagement
Pädagogische Hochschule Thurgau

EIN DEBATTENBEITRAG VON
Dennis Walter
Direktor
Bundesinstitut für Erwachsenenbildung (bifeb)

Dennis Walter, M.A. - Direktor, Bundesinstitut für Erwachsenenbildung (bifeb)
Medienkompetenz | Fake News

Medienkompetenz nicht auf ■ ■ ■

Wie wichtig mündige und wissenskritische ■ ■ ■

EIN DEBATTENBEITRAG VON
Dennis Walter
Direktor
Bundesinstitut für Erwachsenenbildung (bifeb)

EIN DEBATTENBEITRAG VON
Daniel Frei
Präsident
Elternbildung CH

Daniel Frei - Präsident, Elternbildung CH
Medienkompetenz | Fake News

Medienkompetenz braucht einen eigenen ■ ■ ■

Wer wann was lernen sollte

EIN DEBATTENBEITRAG VON
Daniel Frei
Präsident
Elternbildung CH

ZUR FACHDEBATTE

ÜBER UNSERE FACHDEBATTEN

Meinungsbarometer.info ist die Plattform für Fachdebatten in der digitalen Welt. Unsere Fachdebatten vernetzen Meinungen, Wissen & Köpfe und richten sich an Entscheider auf allen Fach- und Führungsebenen. Unsere Fachdebatten vereinen die hellsten Köpfe, die sich in herausragender Weise mit den drängendsten Fragen unserer Zeit auseinandersetzen.

überparteilich, branchenübergreifend, interdisziplinär

Unsere Fachdebatten fördern Wissensaustausch, Meinungsbildung sowie Entscheidungsfindung in Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Medien und Gesellschaft. Sie stehen für neue Erkenntnisse aus unterschiedlichen Perspektiven. Mit unseren Fachdebatten wollen wir den respektvollen Austausch von Argumenten auf Augenhöhe ermöglichen - faktenbasiert, in gegenseitiger Wertschätzung und ohne Ausklammerung kontroverser Meinungen.

kompetent, konstruktiv, reichweitenstark

Bei uns debattieren Spitzenpolitiker aus ganz Europa, Führungskräfte der Wirtschaft, namhafte Wissenschaftler, Top-Entscheider der Medienbranche, Vordenker aus allen gesellschaftlichen Bereichen sowie internationale und nationale Fachjournalisten. Wir haben bereits mehr als 600 Fachdebatten mit über 20 Millionen Teilnahmen online abgewickelt.

nachhaltig und budgetschonend

Mit unseren Fachdebatten setzen wir auf Nachhaltigkeit. Unsere Fachdebatten schonen nicht nur Umwelt und Klima, sondern auch das eigene Budget. Sie helfen, aufwendige Veranstaltungen und überflüssige Geschäftsreisen zu reduzieren – und trotzdem die angestrebten Kommunikationsziele zu erreichen.

mehr als nur ein Tweet

Unsere Fachdebatten sind mehr als nur ein flüchtiger Tweet, ein oberflächlicher Post oder ein eifriger Klick auf den Gefällt-mir-Button. Im Zeitalter von X (ehemals Twitter), Facebook & Co. und der zunehmenden Verkürzung, Verkümmerung und Verrohung von Sprache wollen wir ein Zeichen setzen für die Entwicklung einer neuen Debattenkultur im Internet. Wir wollen das gesamte Potential von Sprache nutzen, verständlich und respektvoll miteinander zu kommunizieren.