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26.07.2021
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Recruiting in Krisenzeiten nicht ruhen lassen

Oliver Behnke, Senior HR Consultant mobiles Recruitment bei Jobilla

Oliver Behnke, Senior HR Consultant mobiles Recruitment bei Jobilla [Quelle: Jobilla]


"Die Investition in digitale Tools ist in der heutigen Personalbeschaffung enorm wichtig", erklärt Oliver Behnke von Jobilla. Das Unternehmen will nach eigenen Angaben das digitale Recruiting so einfach und effektiv gestalten wie den Service eines Headhunters.


Welche Möglichkeiten sollten Unternehmen in herausfordernden Zeiten stärker nutzen, um auf vakante Stellen aufmerksam zu machen?
In herausfordernden Zeiten ist der größte Fehler, den Unternehmen machen, alle Recruitingaktivitäten einzustellen. Denn wenn die Ausnahmezeiten enden, muss in diesem Fall das ganze Recruiting von vorne beginnen. Stattdessen sollten Unternehmen ihren Mitarbeiterpool weiterhin aufbauen und aktiv mit den Talenten kommunizieren, die sie in der Zukunft einstellen möchten. Potenzielle Mitarbeiter sollten sich der Chancen und Möglichkeiten bewusst sein, welche nach dem Ende der Krisenzeiten auf sie warten. Unternehmen sollten auch in schwierigen Zeiten ihre langfristigen Ziele weiter verfolgen.

Firmen sollten sich darüber im Klaren sein, dass es in der heutigen Zeit nicht mehr ausreicht eine Stelle einfach nur auszuschreiben, um die Aufmerksamkeit oder das Interesse von Arbeitssuchenden zu wecken. Denn Unternehmen müssen selbst aktiv sein, um Kandidaten zu finden. Erstens sind Stellenanzeigen oft nur in den bekannten Jobbörsen  zu finden, in denen Bewerber aktiv  nach Jobs suchen. Dadurch bleibt ein großer Teil der potenziell interessierten Kandidaten außerhalb der Zielgruppe des Arbeitgebers. Außerdem haben die Menschen nicht die Zeit und die Lust langweilige, lange Stellenbeschreibungen zu lesen. Zweitens sollten sich Unternehmen bewusst sein, dass die Stellenanzeige nur eine von vielen auf dem Anzeigenmarkt ist und die Bewerber die Auswahl von vielen anderen Anzeigen haben. Dabei sind die Befindlichkeiten, warum sich ein Bewerber für dieses oder jenes Unternehmen entscheidet unterschiedlich.

Personalmarketing kann heute auf viele verschiedene Arten betrieben werden. Unternehmen unterschätzen oft, wie wichtig es ist, den richtigen Recruitingprozess für jede Branche und manchmal sogar für jede Position zu wählen und den richtigen Marketingansatz für den damit verbundenen Prozess. Ein gutes Beispiel dafür ist Social Media Marketing. Falsch gemacht, kann es gute Kandidaten in Hunderten von sinnlosen Bewerbungen ertränken.


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DIE DOKUMENTATION DIESER FACHDEBATTE

Welche Vorteile bieten Video-Bewerbungsinterviews gegenüber dem bewährten Face-to-Face-Bewerbungsgespräch?
Ein Online-Interview kann ein persönlicheres Gefühl der Begegnung schaffen als ein traditionelles Telefonat. Für viele von uns sind Mimik und Körpersprache ein wichtiger Teil der Interaktion um Vertrauen zu bilden oder zu brechen. Persönliche Gespräche helfen, uns besser kennenzulernen. Durch den Fernkontakt können wir außerdem mehr Kandidaten in Betracht ziehen, was Zeit und Geld spart. Es bleibt abzuwarten, ob Online-Interviews in Zukunft ein fester Bestandteil der Personalbeschaffung sein werden und persönliche Gespräche sogar ganz ersetzen. Das würde bedeuten, dass Unternehmen potentielle Kandidaten aus jedem geografischen Ort rekrutieren können.

Warum ist es wichtig, beim Recruiting strategisch vorzugehen?
Die Personalbeschaffung spielt in den Strategien der Unternehmen oft eine große Rolle, wird aber in der Praxis eher nebenbei erledigt. Oder aber die Personalsuche wird ganz aus der Hand gegeben. Headhunter sind ein gutes Beispiel dafür, dass sie zwar Kandidaten beschaffen, allerdings oft nicht die richtigen Kandidaten, die zur Firmenkultur passen, da ein Headhunter natürlich seine Interessen vertritt. Wenn das Recruiting für den Recruiter nicht einfach und schnell gemacht wird, wird eben dieses langfristig zu einem großen Risiko für Unternehmen. Strategisch ist es wichtig, den richtigen Kandidaten für den Job, passend zur Unternehmenskultur zu wählen. Dies setzt voraus, dass der Recruiter genügend gute Kandidaten zur Auswahl hat. Unternehmen sollten also darauf achten, dass der Recruitingprozess ein kohärentes Ganzes ist, das schnell und einfach zu handhaben ist. Der Recruitingerfolg wird in Form von Bewerbungen gemessen und nicht anhand der Klickzahl.

Wie wichtig ist die Bereitschaft von Unternehmen, in neue digitale Tools zu investieren und Personal darin einzuarbeiten?
Die Personalbeschaffung hat sich in den letzten fünf Jahren enorm verändert. Unternehmen können nicht mehr mit den Methoden überleben, die noch vor zehn Jahren funktioniert haben. Kandidaten sind immer schwieriger zu erreichen und es erfordert sowohl Fähigkeiten als auch Ressourcen, um ihr Interesse zu wecken. Viele Unternehmen geben daher Unmengen an Geld für Lösungen  aus, von denen sie schon vor Jahren festgestellt haben, dass sie nicht mehr funktionieren.

Die Investition in digitale Tools ist in der heutigen Personalbeschaffung enorm wichtig, allerdings sollte die Wahl des Tools mit Bedacht erfolgen. Die Schlüsselwörter sind Einfachheit, Geschwindigkeit und Messbarkeit des Prozesses sowie die Anzahl der Kandidaten, die der Prozess erreichen kann.