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22.10.2021
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HENNE-EI-PROBLEM BEI LADEINFRASTRUKTUR IN ÖSTERREICH WEITESTGEHEND GELÖST

Wie sich das öffentliche Ladenetz weiter entwickelt

Ute Teufelberger, Vorsitzende des Bundesverbandes Elektromobilität Österreich, BEÖ

Ute Teufelberger, Vorsitzende des Bundesverbandes Elektromobilität Österreich, BEÖ [Quelle: BEÖ/Schedl]


"Innerhalb Europas steht Österreich bei der Ladeinfrastruktur im Verhältnis zur Einwohnerzahl auf dem Top-Platz 7 – übrigens noch vor Deutschland", freut sich Ute Teufelberger, Vorsitzende des Bundesverband Elektromobilität Österreich, BEÖ. Bei den Tarifen erwartet sie in Zukunft Veränderungen.


In Österreich wird die Einrichtung privater Ladeinfrastruktur gefördert. Welche Bedeutung haben die sogenannten Wallboxen für die Elektromobilität?
Eine sehr große. Wir wissen, dass zwischen 80 und 90 Prozent aller Ladungen zu Hause oder am Parkplatz beim Arbeitsplatz erfolgen und weniger als zehn Prozent laden Strom unterwegs. Doch nicht jede Haushalts-Steckdose ist für große Strommengen geeignet. Damit der Ladevorgang zu Hause oder am Firmenparkplatz garantiert schnell und sicher ist, gibt es leistungsstarke Wallboxen. Und in Zukunft wird das smarte Laden an der Wallbox zu Hause immer bedeutender. Sowohl für den und die Nutzer/in als auch für den Energieanbieter.

Als Bundesverband Elektromobilität Österreich (BEÖ) begrüßen wir die Förderung von privaten Wallboxen. Damit die Mobilitätswende gelingt, sind vor allem die Erleichterungen für den Einbau von Ladestationen in Wohnanlagen dringend notwendig. Ab Jänner 2022 wird in Österreich das private Laden zu Hause oder am Arbeitsplatz einfacher sein. Und das ist gut so!


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Nach Medienberichten gibt es in Österreich 5000 Ladestationen, so dass sich alle 60 Kilometer eine Schnellladestation befindet. Was muss da noch passieren?
In Sachen Ladeinfrastruktur konnte in den letzten Jahren das Henne-Ei-Problem in Österreich weitestgehend gelöst werden und es entstand ein flächendeckendes Netz, das laufend verdichtet und verstärkt wird. Rund 60.000 rein elektrisch betriebene Pkw sind derzeit auf Österreichs Straßen unterwegs. Und das öffentliche Ladenetz, gespeist aus 100 Prozent Erneuerbarer Energien umfasst derzeit 8.000 Ladepunkte, 5.000 davon sind im größten Ladenetz, dem BEÖ-Netz. Und dieses wird laufend ausgebaut – sowohl was das Laden mit 22 kW als auch zunehmend das Schnellladen mit 150 bis 350 kW. Innerhalb Europas steht Österreich bei der Ladeinfrastruktur im Verhältnis zur Einwohnerzahl auf dem Top-Platz 7 – übrigens noch vor Deutschland.

Für längere Dienst- und Urlaubsreisen spielt auch die Ladeinfrastruktur außerhalb Österreichs eine Rolle. Wie sehen Sie die gesamteuropäische Entwicklung diesbezüglich?
Wenn man das erste Mal mit dem Elektroauto auf Urlaub fährt empfehlen wir als BEÖ, dass man sich gut vorbereitet, die Route und die Ladezeiten gut plant. Dafür gibt es mittlerweile auch sehr gute Apps, die diese Arbeit erledigen. Wichtig ist es auch, darauf zu achten, ob Ihr heimischer Vertragspartner auch Vertragspartner in anderen europäischen Ländern anbietet. Viele Anbieter haben bereits sehr gute Vertragspartner in den klassischen Urlaubsländern wie Italien, Kroatien etc. Und auch wenn der Vertragspartner keine Partner-Ladestationen anbietet, kann man mit der Kreditkarte einfach und bequem, jedoch ein wenig teurer, laden. Zudem bieten bereits einige Hotels, Supermärkte und andere Anbieter vor Ort E-Ladestationen an, an denen man das E-Auto aufladen kann.

Hervorzuheben ist, dass sich die Anzahl der öffentlichen Ladepunkte in Europa in den vergangenen drei Jahren auf rund 260.000 mehr als verdoppelt hat, auch wenn die Unterschiede innerhalb der Staaten zum Teil noch sehr groß sind.

Geld pro Kw/h, pro Ladezeit, Pauschalen, Clubsysteme und Mixe aus alledem – derzeit sind die Preise fürs Schnellladen sehr kompliziert. Sollte die Politik aus Ihrer Sicht da Vorgaben machen?
Die Abrechnung von Ladevorgängen ist heute noch ziemlich komplex. Elektromobilität und alles was dazugehört ist noch immer ein junger Markt. Vergleichbar mit der Mobiltelefonie Anfang der 90er-Jahre. In Österreich wird derzeit vor allem die Zeit als Abrechnungsbasis herangezogen. Je nachdem, ob man einer normalen Ladestation, mit etwa 11 kWh lädt, oder an einer Schnellladestation mit 50 kWh und mehr, ist der Tarif günstiger oder eben teurer. Warum, ist klar: Wer nur 15 Minuten braucht, um das Auto aufzuladen, kann das nur an einer Schnellladestation tun. Und die ist sehr viel teurer als eine Normalladestation mit 11kWh.

Es ist übrigens für den Akku des Autos nicht gut, zu oft schnell zu laden. Wenn das Auto zu Hause an der Wallbox hängt und über Nacht quasi gemütlich lädt, ist das nicht nur günstiger, sondern auch besser. Wer an der Ladesäule lädt, muss die Gewissheit haben, dass er tatsächlich die Leistung bekommt, die versprochen wird. Dafür braucht es Standards, die das Eichrecht festlegt. Und es braucht einen fairen Tarif. Wir brauchen also mit Sicherheit beides: Zum einen die Zeitkomponente und zum anderen die Kilowattstunden-Komponente. Ich denke, wir werden bei den Tarifen in Zukunft noch weitere Veränderungen sehen, da sich auch die Zielgruppen verändern werden.