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19.10.2019
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FORSTSTRASSEN FÜR MOUNTAIN- UND AUCH FÜR E-BIKERINNEN ÖFFNEN

Wie Österreich beim Trend zum Pedelec aufholen könnte

Max Unterrainer - Abgeordneter zum Nationalrat Österreichs und Tourismussprecher im SPÖ-Parlamentsklub

Max Unterrainer - Abgeordneter zum Nationalrat Österreichs und Tourismussprecher im SPÖ-Parlamentsklub [Quelle: Julia Hitthaler]


SPÖ-Tourismussprecher Max Unterrainer begrüßt den Trend zu E-Bikes und betont: "Es geht nur miteinander, generell, wenn man sich in der Natur bewegt, aber vor allem in den Bergen." Platz für alle sei da, die Natur dürfe zugleich nicht überstrapaziert werden.


E-Bikes verändern den Tourismus in den Alpen und erlauben es neuen Zielgruppen das Gebirge per Rad zu bereisen. Welche Vor- und Nachteile sehen Sie in diesem Trend?
Vorteile sehe ich eindeutig darin, dass durch E-Bikes auch Menschen zum Genuss einer Fahrradtour in den Bergen kommen können, die ausschließlich aus eigener Kraft diese anspruchsvolleren Strecken oftmals nicht (mehr) schaffen können. Dabei spielt es keine Rolle, ob es ältere Menschen sind oder Menschen, die aus gesundheitlichen Gründen mit der unterstützenden Kraft eines E-Motors auch landschaftlich anspruchsvolle Strecken erreichen können. Nachteile sehe ich vordergründig keine, wenn sich Menschen in der Natur aufhalten und mit Respekt und Wertschätzung in den Bergen verhalten –  egal, ob zu Fuß oder mit dem Fahrrad.

Wie sollte die Infrastruktur für die erhöhte Zahl von (E-)Bikern im Gebirge angepasst werden?
Auch derzeit gibt es bereits 120.000 km Forststraßen, von denen aber nur 27.000 km für MountainbikerInnen geöffnet sind, also auch nicht für E-Bikes. Im Gegensatz zu anderen Ländern hat Österreich in dieser Angelegenheit Nachholbedarf. Hier wäre der erste Schritt, die Forststraßen für Mountain- und auch für e-BikerInnen zu öffnen. Es geht meiner Einschätzung nach nicht um neue Wege und Straßen, die wären vorhanden. Vielmehr geht es um die Öffnung der Forststraßen für RadfahrerInnen. Inwieweit es dann doch zu einem Ausbau oder einer Erweiterung kommen soll, wird der Bedarf bestimmen. Es darf nicht vergessen werden, dass das Gebirge deshalb so attraktiv ist, weil es vielfach die Einfachheit widerspiegelt und der Straßenverkehr nicht bis in die obersten Gipfel flächendeckend vorhanden ist. Die Natur darf nicht überstrapaziert werden und da es wie bereits erwähnt ohnehin ein weitreichendes Forststraßennetz gibt, geht es wie in der Frage erwähnt um eine Anpassung. In diesem Sinne liegt meine Überzeugung darin, in erster Linie auf Vorhandenes zurückzugreifen und dieses Netz – sofern es möglich ist - für RadfahrerInnen frei zu geben.

Wer sollte eventuelle Regulierungen und Verbote kontrollieren und durchsetzen?
In erster Linie geht es um den Begegnungsverkehr, der zu regeln wäre. Das Verhalten der Wanderer und RadfahrerInnen wären demnach in der Straßenverkehrsordnung zu regeln mit Vorrangregeln für Wanderer. Deshalb sehe ich die Sicherheit im Straßenverkehr auch in den Bergen als Angelegenheit der Straßenpolizei. Bundesweite Regelungen sind einem landesweiten Fleckerlteppich vorzuziehen. Insofern sehe ich auch die Regulierung bzw. Gesetzgebung in Hinsicht auf den Fahrradverkehr/Mountainbiker/e-Biker auf Bundesebene gefragt.

Welche Rolle können Apps oder andere digitale Lösungen für eine naturverträgliche Besucherlenkung spielen?
Attraktive Angebote, Information und Marketing/Werbung sind die Bereiche, die hier maßgeblich in der Besucherlenkung beteiligt sein werden bzw. bereits heute sind. Ob die Information über Apps, Social Media, Reisebüros, Tourismusverbände direkt etc. rausgeht, ist zweitrangig, weil es ohnedies viele Überschneidungen gibt. Da wird  in erster Linie von den Angeboten abhängen, wie sich die Besucherströme entwickeln werden. Vor allem aber sind mit Informationsplattformen auch Informationen über ein Verhalten in den Bergen in gleicher Form anzugeben, wie die Strecken und deren Beschaffenheit präsentiert werden. Es geht nur miteinander, generell, wenn man sich in der Natur bewegt, aber vor allem in den Bergen, da hier verantwortungsvolles Handeln Voraussetzung – wie auch bei anderen Sportarten - für die größtmögliche Sicherheit aller Beteiligten ist.