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Interview04.10.2023

Familienunternehmen als wichtige Säule der Wirtschaft

Welche Rahmenbedingungen die Unternehmen brauchen

Prof. Birgit Felden - Studiengangsleiterin Unternehmensgründung und –nachfolge an der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin Quelle: Paul Leclaire Prof. Birgit Felden Studiengangsleiterin Unternehmensgründung und –nachfolge Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin
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"Familienunternehmen haben in Deutschland eine starke Position in der Wirtschaft und sind gut aufgestellt", die Beraterin forscht und lehrt an der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin. An die Politik hat sie klare Forderungen und eine Reihe von Anregungen.





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Familienunternehmer sind beliebteste Arbeitgeber, es fehlt ihnen in der Wahrnehmung nach aktuellen Daten aber an internationaler Wettbewerbsfähigkeit. Wie sehen Sie die Lage der Familienunternehmer hierzulande?
Familienunternehmen haben in Deutschland eine starke Position in der Wirtschaft und sind gut aufgestellt. Aber die Beliebtheit von Familienunternehmen als Arbeitgeber hängt nach unseren Forschungserkenntnissen vor allem mit der (fehlenden) Größe zusammen. So schwindet dieser Vorteil mit zunehmender Anzahl Mitarbieter. Offensichtlich gelingt es kleineren Unternehmen besser, die bekannten Merkmale von Familienunternehmen auch in die Belegschaft zu transportieren: Sie denken langfristiger, da sie daran interessiert sind, das Unternehmen über Generationen hinweg zu erhalten. Das führt neben loyalen Mitarbeitenden auch zu stabilen Geschäftsstrategien und guten Kundenbeziehungen. Hilfreich sind dabei auch die Verwurzelung von Familienunternehmen in der Region und die Prägung des Unternehmens mit den Werten der Inhaberfamilie.

Diesen Vorteilen stehen jedoch Nachteile gegenüber, wenn es um die internationale Ausrichtung geht. Kleinere Familienunternehmen haben oft begrenzte finanzielle Ressourcen, was neben einem gewissen Kirchturmdenken ihre Fähigkeit zur Expansion und zum Wettbewerb auf internationaler Ebene beschränkt. Insgesamt sind Deutschlands Familienunternehmen jedoch unabhängig von ihrer Größe immer noch eine wichtige Säule der Wirtschaft. Eine professionelle Führung, eine kluge Nachfolgeplanung und die Bereitschaft zur Anpassung an sich verändernde Märkte sind entscheidend, um die Vorteile dieses Unternehmenstypus zu nutzen und die Nachteile zu minimieren.

Entgegen dem Trend der Investitonszurückhaltung plant jeder dritte Familienunternehmer höhere Investitionen in die Digitalisierung. Wie bewerten Sie das?
In den vergangenen Jahren hat man Familienunternehmen immer wieder unterstellt, sie hinken der digitalen Transformation hinterher, wo doch Digitalisierung zu einem wesentlichen Element für den langfristigen Erfolg von Unternehmen geworden sei. Und jetzt sollen sie auf einmal Vorreiter sein? Für mich klingt beides sehr pauschal.

In vielen Gesprächen mit Familienunternehmen habe ich eher den Eindruck gewonnen, das Familienunternehmen sehr differenziert an diese (und generell alle) Investitionen herangehen. Und wer begrenzte Ressourcen hat und nicht eben mal eine Anleihe am Kapitalmarkt tätigen kann, der tut auch gut daran. Natürlich steigern Investitionen in die Digitalisierung die Wettbewerbsfähigkeit von Familienunternehmen. Aber je nach Branche, Größe und Struktur in völlig verschiedenen Bereichen: die Automatisierung von Prozessen, die Einführung von Datenanalysen oder die Verbesserung der Kundenkommunikation sind nur einige Beispiele dafür.

Für Familienunternehmen besonders wichtig sind die zusätzlichen Möglichkeiten, über digitale Kanäle eine noch engere Bindung zu ihren Kunden aufzubauen. Personalisierte Angebote, Online-Kundenservice und mehr helfen dabei, Kundenbedürfnisse besser zu befriedigen. Familienunternehmer-Podcasts und -SocialMedia-Aktivitäten tragen auch dazu bei, dass dieser Unternehmenstyp visibler wird und das hilft nicht nur dem Image.

Digitalisierung kann jedoch in anderen Familienunternehmen dazu beitragen, Geschäftsprozesse effizienter zu gestalten und Kosten zu senken. Dies kann insbesondere für kleinere Familienunternehmen von Vorteil sein. Und schließlich sind es nicht nur marktseitige oder prozessuale Verbesserungen, die durch Digitalisierung geschaffen werden können, sondern auch neue Produkte und Dienstleistungen bis hin zum gänzlich geänderten Geschäftsmodell. Angesichts der sich immer schneller ändernden Umfeldbedingungen ist die Digitalisierung oft ein Schlüssel zur langfristigen Überlebensfähigkeit. Meines Erachtens haben Familienunternehmen das sehr wohl verstanden.

Als Investitionshindernis Nummer 1 für den deutschen Mittelstand gelten die Bürokratiekosten und Überregulierung. Was muss da passieren?
Ein ganz wichtiger Punkt ist meines Erachtens, dass die Politik endlich aufhört, sich die Schuld gegenseitig in die Schuhe zu schieben – und am Ende ist die EU schuld und wir können ja alleine gar nichts machen. Das führt vor allem bei den handlungsorientierten Familienunternehmen zu immer mehr Frust. Die Reduzierung von Bürokratiekosten und Überregulierung erfordert eine gemeinsame Anstrengung von Politik und Wirtschaft.

Politiker müssen sich des bürokratischen Aufwands bewusst sein, den ihre Entscheidungen für Unternehmen verursachen und bestrebt sein, diesen zu minimieren. Ich kann nicht glauben, dass wir im Bund, den Ländern und den Kommunen schon alle veralteten Vorschriften und unnötigen Genehmigungsverfahren überprüft und abgeschafft haben. Auch die Förderung digitaler Lösungen und Verfahren, wie z.B. die Möglichkeit zur elektronischen Beantragung von Genehmigungen und die Digitalisierung von Behördenprozessen, ist unzweifelhaft ausbaufähig. Solange das nicht umgesetzt ist, muss die öffentliche Verwaltung kleine und mittlere Unternehmen bei der Bewältigung von bürokratischen Herausforderungen unterstützen.

Auch mittelständische Unternehmen können interne Prozesse und Verwaltungsstrukturen überprüfen, um sicherzustellen, dass sie so effizient wie möglich sind; dabei helfen auch digitale Technologien. Genauso wichtig ist es, über aktuelle Gesetze und Vorschriften informiert zu sein und nicht ob der ganzen Bürokratie den Kopf in den Sand zu stecken. Mitunter gibt es auch die Möglichkeit, in Branchenverbänden und über Kooperationen gemeinsam Ressourcen für die Bewältigung bürokratischer Herausforderungen zu bündeln.

Wie sollte die Politik Familienunternehmer im Übrigen unterstützen?
Indem Politik die Bedürfnisse und Herausforderungen von Familienunternehmen berücksichtigt und gezielte Maßnahmen entwickelt, um die Stabilität und das Wachstum des Mittelstands und der gesamten Wirtschaft zu unterstützen. Neben dem erwähnten Bürokratieabbau halte ich den einfachen Zugang zu Finanzierungsoptionen, wie z.B. Krediten und Darlehen zu günstigen Konditionen für elementar, um Familienunternehmen mit begrenzten Ressourcen beim Wachsen und Investieren zu unterstützen. Wichtig sind darüber hinaus Bildungs- und Qualifizierungsprogramme, um die Nachteile, die Familienunternehmen in diesem Bereich im Talentmanagement haben, auszugleichen. Die Förderung von Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten durch steuerliche Anreize oder Zuschüsse kann Familienunternehmen helfen, innovative und nachhaltige Produkte und Dienstleistungen zu entwickeln. Und schließlich - ein ganz wichtiges Anliegen – sollte die Politik immer wieder Anreize schaffen, damit Familienunternehmen die Nachfolgeplanung frühzeitig angehen: z.B. indem die Übernahme als attraktive Gründungsform auch bei Gründerinnen und Gründern beworben wird.

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