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03.02.2023
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EINE KOMMUNE SEIT KNAPP DREI JAHREN IM KRISENMODUS

Wie die Bundesstadt Bonn hohen Energiepreise entgegenwirkt

Wolfgang Fuchs - Stadtdirektor, Dezernat für allgemeine Verwaltung, Digitalisierung und Ordnung, Bundesstadt Bonn

Wolfgang Fuchs - Stadtdirektor, Dezernat für allgemeine Verwaltung, Digitalisierung und Ordnung, Bundesstadt Bonn [Quelle: Sascha Engst / Bundesstadt Bonn]


"Digitale Tools und Technologien werden einen immer größeren Beitrag zu einer besseren Energieeffizienz leisten können und müssen", erklärt der Bonner Stadtdirektor Wolfgang Fuchs. Er berichtet von zahlreichen Maßnahmen gegen die Energiekrise - und formuliert einen klaren Wunsch an Land und Bund.


Die Energiepreiskrise trifft die Bürgerinnen und Bürger aber auch die Kommunen direkt mit ihren Liegenschaften. Welche Maßnahmen haben Sie zur Energie-Einsparung ganz unmittelbar getroffen?
Die Wassertemperaturen in den drei Hallenbädern wurden um 1 Grad in den Lehrschwimmbecken und um 2 bis 3 Grad in den Mehrzweck- und Sportbecken gesenkt. Die Lufttemperatur wurde ebenfalls entsprechend angepasst. Zudem sind wir der Vorgabe des Bundes gefolgt und haben die Raumtemperatur in den städtischen Gebäuden abgesenkt. Die Beleuchtung von Gebäuden und Sehenswürdigkeiten sowie die Weihnachtsbeleuchtung wurden eingeschränkt und auf 16 bis 22 Uhr reduziert.

Ergänzend haben wir im Intranet und durch digitale Plakatkampagnen die Mitarbeitenden der Stadtverwaltung sensibilisiert und Hinweise und Empfehlungen zum ressourcenschonenden Umgang im dienstlichen Kontext gegeben – beispielsweise Ausschalten des Lichts, Runterdrehen der Heizung und Ziehen des Steckers von ungenutzten Geräten. Die schon in der Vergangenheit unter besonderer Berücksichtigung der Einsparung von Energiekosten und der Verminderung von Rückstellungen eröffnete Möglichkeit, zwischen Weihnachten und Neujahr Betriebsferien anzuordnen, wurde auch 2022 wieder genutzt. Gerade mit Blick auf die Energiekrise spielt die Möglichkeit der Energieeinsparung durch die angeordneten Betriebsferien und damit verbundene komplette Schließung von Dienstgebäuden eine große Rolle für die Stadtspitze. Aufgrund der positiven Erfahrungen mit dem mobilen Arbeiten während der Corona-Pandemie wurde und wird die Möglichkeit zu mobilem Arbeiten und dem Arbeiten im Homeoffice sukzessive ausgeweitet.


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DIE DOKUMENTATION DIESER FACHDEBATTE

Nach aktuellen Daten ist die Bausubstanz von kommunalen Nichtwohngebäuden im Durchschnitt rund 35 Jahre alt. Wie gehen Sie bei der Sanierung von solchen Gebäuden vor?
Zunächst erfolgt eine Bestandsaufnahme, danach wird die „Zielsetzung" definiert bzw. es erfolgt ein Abgleich mit den heutigen Anforderungen, z.B. an den gewünschten Energiestandard, das Raumprogramm oder die Digitalisierung. Sofern notwendig werden Anpassungen vorgenommen. In einem weiteren Schritt werden die erforderlichen Sanierungsmaßnahmen geplant und dann ausgeführt. Dabei werden Grundsanierungen immer an externe Fachplaner vergeben.

Welchen Beitrag können digitale Tools und Technologien für mehr Energie-Effizienz leisten?
Digitale Tools und Technologien werden einen immer größeren Beitrag zu einer besseren Energieeffizienz leisten können und müssen. Zum Beispiel können über eine erweiterte Ausstattung mit Energiezählern und eine Aufschaltung auf Gebäudeleittechnik im Energiemanagementsystem Verbräuche so visualisiert werden, dass Fehlverbräuche schnell erkannt und abgestellt werden können. Des Weiteren werden so Kennzahlen geliefert, wo Gebäude oder Anlagen am dringlichsten saniert werden müssen.

Auch eine Aufschaltung von Heizungsanlagen und anderen energierelevanten Anlagen auf die Gebäudeleittechnik bietet große Potenziale, um einen möglichst optimierten Betrieb der Anlagen sicherzustellen und Störungen schnellstmöglich beseitigen zu können.

Welche Unterstützung brauchen die Kommunen aus Ihrer Sicht von Bund und Ländern?
Natürlich wäre eine finanzielle Unterstützung wünschenswert. Wir befinden uns seit knapp drei Jahren im Krisenmodus: Corona, Flüchtlinge, Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine - jetzt Inflation, Kaufkraftverlust, steigende Energiekosten. Die Energiekrise trifft zahlreiche Themenfelder der Kommune. Auch viele Kooperationspartner, soziale Einrichtungen und Vereine sind unmittelbar betroffen und werden Unterstützung, gerade in finanzieller Sicht, benötigen. Man kann zudem davon ausgehen, dass mehr Menschen mit geringem Einkommen zukünftig auf Transferleistungen angewiesen sein werden, wenn sie die steigenden Kosten nicht mehr mit den geringen Einkünften decken können. Auch das führt zu zusätzlichen Ausgaben für den städtischen Haushalt.