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Kolumne14.12.2020

"Digitalradio muss auf allen Autobahnen und in allen Tunneln laufen"

Warum Autofahren und Radiohören nur in einigen Bundesländern Spaß macht

Dr. Michael Weber - Geschäftsführer, Desay SV Automotive Europe GmbH Quelle: Desay SV Automotive Europe Dr. Michael Weber Geschäftsführer Desay SV Automotive Europe GmbH
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Auf diesen Dezember habe ich seit Jahren gewartet. Endlich gibt es klare Verhältnisse für Kunden und die Automobilindustrie in Bezug auf Digitalradio in Deutschland: Ab dem 21. Dezember müssen alle Radios, die den Programm- bzw. Sendernamen anzeigen können, den Empfang und die Wiedergabe digitaler Rundfunkangebote ermöglichen. Das von Bund und Ländern beschlossene Gesetz unterscheidet dabei zwischen Autoradios in Neuwagen (§ 48 Abs. 4 TKG) und allen anderen handelsüblichen Radiogeräten (§ 48 Abs. 5 TKG). Für mich hätte dieser Zeitpunkt schon viel früher kommen können – denn er ist ein erster wichtiger Schritt in der Digitalisierung des Rundfunks, mit dem Ziel, den UKW-Empfang wie in anderen Ländern Europas letztlich abzuschalten. Bereits im Jahr 2018 hatte ich mich hier im Fachdebattenportal Meinungsbarometer.info dafür ausgesprochen, dass wir die Digitalisierung des Rundfunks mit konkreten Meilensteinen und einem konkreten Zeitplan hinterlegen müssen.

Doch gibt es überall in Deutschland bereits durchgängig Programme über DAB+ zu hören? Nach den Versorgungszahlen des Netzbetreibers Media Broadcast vom Oktober 2020 sind die Autobahnen in Deutschland mit 99 Prozent nahezu komplett mit DAB+ versorgt. Das klingt ganz ordentlich, doch in der Praxis (und ich bin Vielfahrer) reißt die Verbindung in Tunneln immer wieder ab. Hier scheint sich keiner verantwortlich zu fühlen. Bisweilen engagieren sich einzelne Sender wie das  Schwarzwaldradio rund um Markus Knoll, um derartige Empfangslücken im Tunnel lokal zu schließen. So lobenswert dieses Engagement ist, wünschenswert wäre eine übergreifende Initiative aller Bundesländer, die einen ungetrübten, durchgehenden Empfang von Digitalradio in Deutschland ermöglicht.

Warum beispielsweise kann ich in den beiden Tunnelanlagen bei Jena neben den Programmen des ersten DAB+ Bundesmultiplex auch den MDR-Multiplex hören, im für Dresden aber so wichtigen Tunnel auf der A4 Königsheimer-Berge nur ein herkömmliches UKW-Programm und gar kein DAB+ empfangen? Warum sind nicht automatisch auch die neuen Programme des 2. Bundesmultiplex in den Tunneln zu hören, während sie außerhalb des Tunnels auch terrestrisch empfangbar sind? Und warum fahre ich im ungünstigsten Fall am Tunneleingang mit meinem Lieblings-DAB+ Programm hinein, muss dann innerhalb des Tunnels ein UKW-Programm hören, welches ich gar nicht hören möchte und komme womöglich mit UKW auf einem völlig anderen Sender hinten am Tunnel wieder heraus. Und eine sicherheitsrelevante Frage ist ebenso noch nicht geklärt: Wer bezahlt die so genannten Notfall-Einsprechsysteme, damit diese dann auch im DAB+ zu hören sind? So richtig erklären kann mir das alles bislang keiner.

Fehlen hier vielleicht wieder die Konzepte? Sind hier wieder viel zu viele Marktbeteiligte mit unterschiedlichen Interessenlagen am Start? Ich würde mir wünschen, dass die Digitalradio-Pflicht für Neuwagen auch die Diskussion um eben diese noch ungeklärte DAB+ Tunnel-Einspeisung beflügelt. Gerade diejenigen Radiohörer, die sich womöglich jetzt ein neues Auto mit DAB+ kaufen, müssen von vornherein auch den besten Programmservice bekommen. Und zwar auch in Tunneln! Ansonsten kann die Akzeptanz von DAB+, die gerade so mühselig aufgebaut worden ist, nach einer Durchquerung eines Autobahntunnels in Frustration enden. Und das ist doch nicht gewollt, oder?

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