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20.09.2021
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DIGITALISIERUNG VERLÄUFT BEI BANKEN UND SPARKASSEN SCHLEPPEND

Kunden setzen auf alternative Anbieter

Andrea Heyer, Referatsleiterin Finanzdienstleistungen, Landesgeschäftsstelle Verbraucherzentrale Sachsen

Andrea Heyer, Referatsleiterin Finanzdienstleistungen, Landesgeschäftsstelle Verbraucherzentrale Sachsen [Quelle: Verbraucherzentrale Sachsen e.V.]


Banken und Sparkassen hinken beim Thema Digitalisierung hinterher, weiß Andrea Heyer, Referatsleiterin Finanzdienstleistungen bei der Verbraucherzentrale Sachsen. "Kunden wenden sich deshalb zunehmend an alternative Anbieter." Deren Lösungen seien in der Regel zwar nutzerfreundlich, bergen aber einige Risiken.


Wie bewerten Sie den aktuellen Stand des Digitalisierungsprozesses im Bankgewerbe?
Die Digitalisierung im Bereich der Banken und Sparkassen verläuft seit Jahren schleppend. Ideen kommen zu spät und sind oft nicht wirklich neu. Umsetzungen verzögern sich oder scheitern. Es gibt viele verschiedene Projekte, die in der Summe Verbraucher irritieren und unter anderem auch deshalb keine Akzeptanz finden. Kunden wenden sich deshalb zunehmend an alternative Anbieter - deren digitale Lösungen sich bereits als Standard im Markt etabliert haben.


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DIE DOKUMENTATION DIESER FACHDEBATTE

Ist die Digitalisierung vor allem Dienst am Kunden oder bietet sie im Effekt nur neuartige Möglichkeiten, Geld zu verdienen bzw. Kosten zu sparen?
Die Digitalisierung verändert das Zahlungsverhalten: Der Stationäre Handel verliert an Bedeutung. E-Commerce nimmt zu. Neue Dienste und Technologien erleichtern das Zahlen per Smartphone oder Kontaktlos-Funktion an der Kasse. Aber: Eine Auswertung der Beschwerden in den Verbraucherzentralen zu mobilen Payments und Online-Bezahldiensten ergab einen kontinuierlichen Anstieg der Verbraucherbeschwerden. Dabei wird auch klar: die Bezahldienste sind zwar auf den ersten Blick nutzerfreundlich, sie bergen aber auch einige Risiken. Und wenn wir an die vielen einzelnen Kontoführungspreise denken, müssen wir feststellen, dass die Kunden durch die Digitalisierung leider auch immer weniger Kosten sparen.

Welche Gefahren lauern bei neuen Finanzdienstleistungen, wie steht es um die IT-Sicherheit und den Datenschutz bei digitalen Finanztransaktionen?
Die häufigsten Beschwerden im Jahr 2020 erreichten die Verbraucherzentralen zu Rechnungsstellung und Inkasso (46 Prozent), unlauteren Geschäftspraktiken (20 Prozent) und Vertragsbestimmungen und Vertragsauflösung (9 Prozent). Verbraucher beklagen, dass sie sich neben dem Händler zusätzlich mit dem Zahlungsabwickler auseinandersetzen müssen, um ihr Geld zurückzuerlangen. Auch Betrüger haben Online-Bezahldienste für sich entdeckt und kaufen ohne Wissen der Verbraucher, aber auf deren Kosten, ein. Die um ihr Geld geprellten Verbraucher berichten, dass sie danach Mühe hatten, das Geld von den Bezahldiensten wieder zurückzuholen.

Ist eine adäquate Bankenaufsicht über digitale Finanzgeschäfte gewährleistet?
Wir vertreten die Ansicht, dass der Verbraucherschutz bei der Bankenaufsicht nicht nur in im Bereich der Digitalisierung weiter gestärkt werden muss. Die geplante Einführung des digitalen Euro bietet aber aktuell Gelegenheit, diese Forderung zumindest in diesem Bereich von Beginn an umzusetzen.