MEINUNGSBAROMETER.INFO

DIGITALISIERUNG

DAS FACHDEBATTENPORTAL

Für Entscheider aus Politik, Wirtschaft, Medien & Gesellschaft


schliessen

Bitte hier einloggen:

Login

Passwort vergessen?
 
19.10.2019
Kopieren und anderweitige Vervielfältigungen sind nicht erlaubt.

DIE ERSCHLIESSUNG DER ALPEN IST ABGESCHLOSSEN

Wie E-Bikes ins Hochgebirge passen

Thomas Bucher - Sprecher Deutscher Alpenverein (DAV)

Thomas Bucher - Sprecher Deutscher Alpenverein (DAV) [Quelle: DAV/ Tobias Hase]


"Es ist eben mühsam, weit ins Hochgebirge vorzudringen, und deshalb ist die Natur dort auch noch weitgehend intakt", sagt Thomas Bucher vom Alpenverein. Deswegen hält er eine kritische Auseinandersetzung mit dem Trend zu E-Mountainbikes für wichtig.


E-Bikes verändern den Tourismus in den Alpen und erlauben es neuen Zielgruppen das Gebirge per Rad zu bereisen. Welche Vor- und Nachteile sehen Sie in diesem Trend?
E-Bikes – oder eigentlich Pedelecs – haben tatsächlich sehr massive Einwirkungen auf den Tourismus in den Alpen. Denn damit wird es den Menschen deutlich leichter gemacht, ins Gebirge vorzudringen. Sicherlich hat das Konsequenzen, die man als vorteilhaft ansehen kann – zum Beispiel, dass auch weniger trainierte Menschen die Gebirgsnatur erleben können. Oder dass unterschiedlich fitte Gruppen miteinander unterwegs sein können. Als Alpenverein sehen wir aber vor allem auch kritische Aspekte am Berg-Pedelec. Das Wichtigste: Die Schwerkraft schützt die Alpen vor allzu vielen Menschen und vor den negativen Folgen, die der Tourismus zwangsläufig mit sich bringt. Es ist eben mühsam, weit ins Hochgebirge vorzudringen, und deshalb ist die Natur dort auch noch weitgehend intakt. Dieses Prinzip wird mit den Berg-Pedelecs teilweise ausgehebelt. Insofern ist eine kritische Auseinandersetzung mit diesem Trend sehr, sehr wichtig.

Wie sollte die Infrastruktur für die erhöhte Zahl von (E-)Bikern im Gebirge angepasst werden?
Zuerst einmal muss man sagen, dass die erhöhte Zahl der (E-)Biker auf einem Gefühl beruht und hier die tatsächliche Zahl noch festgestellt werden muss. Zu Ihrer Frage: Die Infrastruktur sollte gar nicht angepasst werden. Die Erschließung der Alpen ist aus Sicht des Alpenvereins abgeschlossen, denn es gibt bereits genügend Wege, Hütten, Almen, Liftanlagen usw. Die Alpen sind das am dichtesten erschlossene Hochgebirge der Welt, das sollte reichen. Ein heiß diskutierte Frage dreht sich um Ladestationen auf Hütten. Es gibt DAV-Sektionen, die bereits deutlich gemacht haben, dass sie so etwas auf ihren Hütten nicht haben wollen. Die Diskussion darüber ist auf Bundesebene noch nicht abgeschlossen. Auch hier gilt aber: Wir sehen Ladestationen grundsätzlich kritisch. Unser Fokus ist der Bergsport aus eigener Kraft.

Wer sollte eventuelle Regulierungen und Verbote kontrollieren und durchsetzen?
An erster Stelle sollte zunächst das Finden vernünftiger Regelungen stehen. Sind Berg-Pedelecs und normale Mountainbikes gleichzusetzen? Welche Wege sollten befahren werden, welche nicht? Beim Prozess der Regelfindung müssen alle Betroffenen beteiligt werden, sonst wird es nicht funktionieren. Also die Sportlerinnen und Sportler, die Grundstücksbesitzer, die Behörden, die Jägerinnen und Jäger, Naturschützer und so weiter. Mit Unterstützung des Bayerischen Umweltministeriums sind wir gerade dabei, entsprechende runde Tische zu etablieren und Regeln zu erarbeiten. Diesen Prozess erproben wir im Projekt „Bergsport Mountainbike – nachhaltig in die Zukunft“ in zwei Pilotregionen in den Bayerischen Alpen, und dann schauen wir weiter. Bei dieser Vorgehensweise orientieren wir uns am sehr erfolgreichen DAV-Projekt „Natürlich auf Tour“, das wir im Skitourenbereich seit über 20 Jahren laufen haben.

Welche Rolle können Apps oder andere digitale Lösungen für eine naturverträgliche Besucherlenkung spielen?
Digitale Lösungen sind sehr wichtig, weil Mountainbiker sie sehr stark nutzen. Zum einen ist es wichtig, dass das digitale Kartenmaterial die biketauglichen Routen anzeigt. Und zum anderen sollten die Tourenbeschreibungen im Netz und in den Apps möglichst nach Kriterien der Naturverträglichkeit gestaltet sein. Es liegt auf der Hand, dass das kein leichtes Unterfangen ist. Umso wichtiger ist es, möglichst viele Beteiligte an einen Tisch zu bekommen, um Lösungen auf breiter Basis zu schaffen.