Menue-Button
← FACHDEBATTE
Summary02.10.2026

Wie umgehen mit digitalem Stress

Was Führungskräfte und alle tun können und sollten

Nikola Marquardt - Founder & Herausgeberin, Meinungsbarometer.info Quelle: Meinungsbarometer.info Dipl.- Journ. Nikola Marquardt Founder & Herausgeberin Meinungsbarometer.info

Die zunehmende Digitalisierung und neue Technologien wie KI machen das Arbeitsleben immer effizienten. Manches macht das einfacher, aber es sorgt oft auch für Stress. Nach einer aktuellen Untersuchung leidet fast die Hälfte der Befragten unter Digitalem Stress. „Heute ist es vielerorts zur Norm geworden, digitale Nachrichten innerhalb weniger Minuten zu beantworten – unabhängig davon, welches Kommunikationstool gerade genutzt wird“, erklärt von der Berner Fachhochschule. Parallel dazu sei die Anzahl digitaler Kanäle exponentiell gestiegen: E-Mails, Messenger-Dienste, Foren und Push-Benachrichtigungen haben den Informationsfluss massiv erhöht. Permanente Informationsflut, die ständige Erreichbarkeit sowie die häufigen Unterbrechungen durch digitale Kommunikationsmittel können aus ihrer Sich kognitive Überlastung, Kontrollverlust und Erschöpfung hervorrufen und die Arbeitsleistung sowie das Wohlbefinden beeinträchtigen. Das sei die aktuelle Realität – und eine kurzfristige Umkehr ist nicht zu erwarten.

Max Arnold von der Schweizerischen Gesellschaft für Arbeits- und Organisations­psychologie sieht die Führungskräfte in der Pflicht“ „Wer Verantwortung trägt, muss den Mut haben, bewusst Räume für Erholung zu schaffen.“ Dazu gehören für Arnold klare Regeln zur Erreichbarkeit, eine realistische E-Mail- und Meetingkultur sowie die Vorbildfunktion von Vorgesetzten. Man sehe immer wieder: Mitarbeitende orientieren sich daran, was ihre Chefin oder ihr Chef vorlebt. Wer nachts oder am Wochenende Mails schreibt, sendet ein klares Signal – auch ohne Worte.

Prof. Dr. Tabea Scheel von der Europa-Universität Flensburg spricht von Erreichbarkeitskulturen. Hinter diesen stünden unausgesprochene Erwartungen stehen, wie implizite Loyalitätstests. „Durch die Reflektion dieser Erwartungen kann man sich auf Regeln für Nicht-Erreichbarkeit einigen, so dass keine Schuldgefühle oder Ängste ausgelöst werden, wenn man außerhalb der Arbeitszeit nicht reagiert.“ 
Berater Dr. David Bausch von Digi2place sieht drei Hebel für eine partizipativ entwickelte digitale Zusammenarbeitsvereinbarung: Radikale Reduktion von Komplexität mit weniger Tools, klar definierten Kommunikationsregeln und bewussten Entscheidungen darüber, welcher Kanal wofür genutzt wird. Klare Grenzen statt permanenter Verfügbarkeit, denn wer immer erreichbar ist,arbeitet nicht besser, sondern oftmals sogar ineffizienter. Und entscheidend, Führung: „Führungskräfte prägen den Umgang mit digitalen Technologien ... Kultur entsteht nicht durch Leitbilder, sondern durch Verhalten.“

Karriereberaterin Dagmar Florea Gründerin lenkt den Blick auf jeden einzelnen und betont die Bedeutung der inneren Widerstandskraft – der Resilienz. Sie nennt sieben Resilienzfaktoren: Lösungsorientierung, Optimismus, Opferrolle verlassen, Verantwortung übernehmen, Akzeptanz, Netzwerkorientierung sowie Zukunfts- und Zielorientierung. Man müsse lernen, Verantwortung für die eigenen Grenzen zu übernehmen und achtsamer mit eigenen Ressourcen umzugehen, so könne man dem digitalen Stress von innen heraus begegnen. „Es geht darum, bewusst Pausen zu setzen und zu akzeptieren, dass wir nicht immer auf alles sofort reagieren müssen.“

Drei zentrale Felder sieht Sandy Jahn von der Initiative D21 in diesem Zusammenhang. Man müss sich selbst Zeit geben, denn digitale Kompetenzen wachsen durch Erfahrung. Mann müsse Erfolgserlebnisse ermöglichen, denn das Gefühl, ein digitales Problem selbst gelöst zu haben, stärke Selbstvertrauen und Motivation. Und sie ist dafür Vergleiche kritisch reflektieren. „Digitalisierung muss kein Wettlauf sein. Sie darf auch einfach praktisch, hilfreich und menschlich bleiben.“

Sven Steffes-Holländer, Ärztlicher Direktor der Heiligenfeld Kliniken fordert klare rechtliche Rahmenbedingungn, namentlich ein gesetzlich verankertes Recht auf Nichterreichbarkeit - nicht als symbolischer Akt, sondern als konkreter Schutzraum im Arbeitsalltag. Darüber hinaus brauche es eine verpflichtende digitale Gefährdungsbeurteilung: Werden Tools überforderungsfrei eingeführt? Gibt es Regeln zur Erreichbarkeit? Wie viele Plattformen sind parallel im Einsatz? Wie werden psychische Belastungen im Homeoffice erfasst? „Das Arbeitszeitgesetz muss an die digitale Realität angepasst werden mit Schutzvorgaben für mentale Ruhezeiten, für konzentriertes Arbeiten und gegen die Entgrenzung des Arbeitstages.“

■■■ WEITERE BEITRÄGE DIESER FACHDEBATTE

EIN DEBATTENBEITRAG VON
Dagmar Florea
Gründerin und Inhaberin
Karriereberaterin und Resilienztrainerin nach LOOVANZ

Dagmar Florea
Resilienz | Medienpsychologie | Arbeitswelt

Warum noch mehr digitale Tools keine ■ ■ ■

Und wie aktuelle Erkenntnisse aus der ■ ■ ■

EIN DEBATTENBEITRAG VON
Dagmar Florea
Gründerin und Inhaberin
Karriereberaterin und Resilienztrainerin nach LOOVANZ

WERBUNG

EMPFEHLUNGEN FÜR ENTSCHEIDER

EIN DEBATTENBEITRAG VON
Dr. David Bausch
Gründer & Geschäftsführer
Digi2place

Dr. David Bausch - Gründer & Geschäftsführer Digi2place
Medienkompetenz | Medienpsychologie | Arbeitswelt

Drei wirksame Hebel gegen Digitalen Stress

Und welche Regulierung gegen das Phänomen ■ ■ ■

EIN DEBATTENBEITRAG VON
Dr. David Bausch
Gründer & Geschäftsführer
Digi2place

EIN DEBATTENBEITRAG VON
Sandy Jahn
Strategic Insights & Analytics
Initiative D21

Sandy Jahn - Strategic Insights & Analytics, Initiative D21
Medienkompetenz | Medienpsychologie | Arbeitswelt

Drei Tipps gegen digitalen Stress

Und warum es auch digitalen Optimismus braucht

EIN DEBATTENBEITRAG VON
Sandy Jahn
Strategic Insights & Analytics
Initiative D21

ZUR FACHDEBATTE
■■■ DIESE FACHDEBATTEN KÖNNTEN SIE AUCH INTERESSIEREN
Dipl.- Journ. Thomas Barthel

INITIATOR
Dipl.- Journ. Thomas Barthel
Founder & Herausgeber
Meinungsbarometer.info

Dipl.- Journ. Nikola Marquardt

INITIATORIN
Dipl.- Journ. Nikola Marquardt
Founder & Herausgeberin
Meinungsbarometer.info

DIGITALISIERUNG | WIRTSCHAFT | GESELLSCHAFT

Zurück ins Büro?

Wie viel Home- und Mobile Office sinnvoll ist

Uwe Schimunek

INITIATOR
Uwe Schimunek
Freier Journalist
Meinungsbarometer.info

ÜBER UNS

Meinungsbarometer.info ist die Plattform für Fachdebatten in der digitalen Welt. Unsere Fachdebatten vernetzen Meinungen, Wissen & Köpfe und richten sich an Entscheider auf allen Fach- und Führungsebenen. Unsere Fachdebatten vereinen die hellsten Köpfe, die sich in herausragender Weise mit den drängendsten Fragen unserer Zeit auseinandersetzen.

überparteilich, branchenübergreifend, interdisziplinär

Unsere Fachdebatten fördern Wissensaustausch, Meinungsbildung sowie Entscheidungsfindung in Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Medien und Gesellschaft. Sie stehen für neue Erkenntnisse aus unterschiedlichen Perspektiven. Mit unseren Fachdebatten wollen wir den respektvollen Austausch von Argumenten auf Augenhöhe ermöglichen - faktenbasiert, in gegenseitiger Wertschätzung und ohne Ausklammerung kontroverser Meinungen.

kompetent, konstruktiv, reichweitenstark

Bei uns debattieren Spitzenpolitiker aus ganz Europa, Führungskräfte der Wirtschaft, namhafte Wissenschaftler, Top-Entscheider der Medienbranche, Vordenker aus allen gesellschaftlichen Bereichen sowie internationale und nationale Fachjournalisten. Wir haben bereits mehr als 800 Fachdebatten mit über 20 Millionen Teilnahmen online abgewickelt.

nachhaltig und budgetschonend

Mit unseren Fachdebatten setzen wir auf Nachhaltigkeit. Unsere Fachdebatten schonen nicht nur Umwelt und Klima, sondern auch das eigene Budget. Sie helfen, aufwendige Veranstaltungen und überflüssige Geschäftsreisen zu reduzieren – und trotzdem die angestrebten Kommunikationsziele zu erreichen.

mehr als nur ein Tweet

Unsere Fachdebatten sind mehr als nur ein flüchtiger Tweet, ein oberflächlicher Post oder ein eifriger Klick auf den Gefällt-mir-Button. Im Zeitalter von X (ehemals Twitter), Facebook & Co. und der zunehmenden Verkürzung, Verkümmerung und Verrohung von Sprache wollen wir ein Zeichen setzen für die Entwicklung einer neuen Debattenkultur im Internet. Wir wollen das gesamte Potential von Sprache nutzen, verständlich und respektvoll miteinander zu kommunizieren.

↑