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Über die 3D-Transformation auf dem Arbeitsmarkt

Was Digitalisierung, Dekarbonisierung und demografischer Wandel für den Arbeitsmarkt bedeuten

Dr. Claudia Schilling - Senatorin für Arbeit, Soziales, Jugend und Integration beim Land Bremen Quelle: SASJI/Hornung Dr. Claudia Schilling Senatorin für Arbeit, Soziales, Jugend und Integration Freie Hansestadt Bremen 25.09.2023
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Uwe Schimunek
Freier Journalist
Meinungsbarometer.info
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"Aus meiner Sicht ist Weiterbildung und Qualifizierung neben Ausbildung ein sehr wichtiger Schlüssel, mit dem wir die Transformation meistern können", sagt Bremens Senatorin für Arbeit, Soziales, Jugend und Integration, Dr. Claudia Schilling (SPD). Dafür tut das Land viel, manche Modelle aus Bremen sind bundesweit übernommen worden.







Als eine Herausforderung beim Fachkräftemangel gilt die Diskrepanz zwischen vorhandenen Qualifikationen und dem Profil-Bedarf der Unternehmen – welche Bestrebungen gibt es in Ihrem Land, das zu lösen?
Die Beschäftigung im Land Bremen liegt mit zuletzt mehr als 340.000 Menschen in sozialversicherungspflichtigen Arbeitsverhältnissen auf Rekordniveau. Wir müssen uns aber darauf einstellen, dass sich die Arbeitswelt rasant verändert. Womöglich stehen wir erst am Anfang einer neuen industriellen Revolution. Das, was wir „3D-Transformation“ nennen, also Digitalisierung, Dekarbonisierung und demografischer Wandel, wird in vielen Branchen dazu führen, dass sich die auf dem Arbeitsmarkt nachgefragten Ausbildungen und Qualifikationen ändern. Es wird Jobs geben, die wegfallen, Jobs, die sich verändern, es werden aber auch ganz neue Jobs entstehen.

Aus meiner Sicht ist Weiterbildung und Qualifizierung neben Ausbildung ein sehr wichtiger Schlüssel, mit dem wir die Transformation meistern können. Wir haben deshalb für Bremen und Bremerhaven neben vielen anderen Projekten Ausbildungsverbünde und die Landesagentur für berufliche Weiterbildung (LabeW) ins Leben gerufen. Sie ist die zentrale, unabhängige und kostenlose Anlaufstelle für alle Fragen zum Thema beruflicher Weiterbildung.

Aus unserer neuen Fachkräftestrategie wird auch deutlich, dass wir als Bundesland einen ressortübergreifenden Ansatz verfolgen. Um in der Transformation erfolgreich zu sein, dürfen wir nicht nur auf die arbeitsmarktpolitischen Instrumente schauen. Wir müssen ebenso angrenzende Politikfelder wie die Wirtschafts- und Innovationspolitik sowie die Bildungs- und Wissenschaftspolitik einbeziehen. Auch Aspekte der Gesundheitspolitik werden berührt, genauso die Sozial- und Integrationspolitik und nicht zuletzt die Umweltpolitik.

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Wie können auch Menschen ohne Berufsausbildung für die Anforderungen der Arbeitswelt von morgen fit gemacht werden?
Menschen ohne Berufsausbildung stehen in Bremen und Bremerhaven viele Wege offen, um ihre Qualifikationen zu erweitern. Für die bis 25-Jährigen ist die Jugendberufsagentur zuständig, die individuell berät, welcher Weg zum Berufsabschluss jeweils der geeignetste ist. Alle über 25-Jährigen können sich an die Landesagentur für berufliche Weiterbildung wenden. Sie werden von der LabeW im gesamten Prozess unterstützt, auch zum Beispiel bei allen Prüfungsbelangen.

Ausbildung ist der beste Weg, um Arbeitslosigkeit auf Dauer zu vermeiden und genauso brauchen wir möglichst hochqualifizierte Fachkräfte als Rückgrat der bremischen Wirtschaft. Zur Antwort, wie wir dem Fachkräftemangel entgegentreten, gehört aber auch, dass wir noch viel stärker vorhandene Potenziale erschließen. Wir müssen die Integration von Personen weiter fördern, die bisher noch nicht deutlich genug auf dem Zettel von Personalverantwortlichen stehen: Menschen, die eine lange Zeit arbeitslos waren, Personen mit körperlichen oder seelischen Beeinträchtigungen, zugewanderte Menschen, alleinerziehende Frauen, Schulabbrecher und Schulabbrecherinnen und einige mehr. Auf diesem Gebiet arbeiten wir als Landesregierung mit verschiedenen Instrumenten. Zum Beispiel wurde das vom Land Bremen erprobte erfolgreiche Modellprojekt eines monatlichen Qualifizierungsbonus für arbeitslose Menschen während der Teilnahme an einer abschlussorientierten Weiterbildung auf Bundesebene übernommen.

Oder nehmen wir den Übergang von der Schule in den Betrieb, auch ein ganz neuralgischer Punkt. Hier setzen wir neben anderen Maßnahmen klischeesensible Berufsorientierungsmaßnahmen für die Bereiche IT/Kl um, um gerade auch junge Frauen für diese immer stärker nachgefragten Themen zu begeistern und ihnen neue Chancen aufzuzeigen. Auch während der Ausbildung fördern wir Maßnahmen wie Sprachförderung/Fachunterricht und sozialpädagogische Begleitung, und wir haben über die Ausbildungsverbünde zusätzliche außerbetriebliche Ausbildungsplätze, mit denen junge Menschen auf den Übergang in betriebliche Ausbildungen oder ihre spätere Fachkrafttätigkeit in Unternehmen vorbereitet werden  

Manche ausländischen Abschlüsse müssen in hiesigen Standards überführt werden – welche Instrumente gibt es in Ihrem Bundesland dafür?
Seit 2014 regelt das Bremische Gesetz über die Anerkennung ausländischer Berufsqualifikationen die Feststellung der Gleichwertigkeit in landesrechtlich geregelten Berufen. Die zuständigen Behörden stellen durch Bescheid fest, ob eine Gleichwertigkeit mit dem jeweiligen Referenzberuf vorliegt und erlegen für den Fall nicht festgestellter Gleichwertigkeit Anpassungsmaßnahmen auf.

Für die wichtigsten landesrechtlich geregelten Berufe werden in Bremen entsprechende Maßnahmen angeboten, die zu einer vollen Gleichwertigkeit führen. Zudem unterhält das Land in beiden Städten Anlaufstellen für diese wichtige Beratungsarbeit, die ausländische Fachkräfte bei der Orientierung und Qualifizierung im Rahmen der beruflichen Anerkennung unterstützen: Projekt IQ – Anerkennung Plus in Bremen und die Anerkennungsberatung in Bremerhaven.

Was können digitale Lösungen bei der beruflichen Qualifikation und Weiterbildung gegen den Fachkräftemangel leisten?
Die fortschreitende Digitalisierung verändert die Möglichkeiten, wie wir lernen. Digitale Lernformate können mehr Flexibilität in Zeit, Ort und Tempo eröffnen. Das bedeutet einerseits, dass dadurch bestimmte gesellschaftliche Gruppen leichter Zugang zu den verschiedenen Formen des Lernens finden können und wir mehr an Weiterbildung Interessierte in die für sie passenden Formate bringen können. Das sind zum Beispiel alle diejenigen, die sich aufgrund von Care-Arbeit nicht Vollzeit in Fort- und Weiterbildungen begeben können.

Andererseits dürfen wir jedoch auch diejenigen, die aufgrund von fehlenden digitalen Kompetenzen an diesen Formaten nicht teilhaben können, zum Beispiel viele Geringqualifizierte und gering literarisierte Menschen, nicht aus dem Fokus verlieren. Sie brauchen sowohl bei der beruflichen Weiterbildung und auch beim Erwerb notwendiger digitaler Kompetenzen Unterstützung.

Didaktische Konzepte müssen aus meiner Sicht die Vielfalt der Bedarfe sinnvoll und zielgruppengerecht einbinden. Das bedeutet, dass sich Aus- und Weiterbildung auch den Unternehmen und den verschiedenen Zielgruppen anpassen muss. Es gibt dazu im Land Bremen bereits einige gute Beispiele wie „Digital Media Women“, „SMALO Smartes Lernen in der Logistik“, „Digitale Selbstlernangebote für den Mittelstand“.

Auch das Personal in der Weiterbildung muss für die neuen Anforderungen gut qualifiziert sein. Um Weiterbildung und berufliche Qualifizierung gezielt gegen den Fachkräftemangel einsetzen zu können, bedarf es einer gut austarierten Mischung von Formaten auf Grundlage der Stärken von analogen, digitalen und hybriden Ansätzen.

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