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Interview31.08.2023

Über Europa und seine Abhängigkeiten von anderen Machträumen

Warum der European Chips Act wichtiger Schritt ist - aber noch zu wenig

Mag. Marion Mitsch, Geschäftsführerin des FEEI Quelle: FEEI Mag. Marion Mitsch Geschäftsführerin FEEI - Fachverband der Elektro- und Elektronikindustrie
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Uwe Rempe
Freier Journalist
Meinungsbarometer.info
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Der in Europa produzierte Weltmarktanteil von Mikrochips sollte bis zum Jahr 2030 verdoppelt werden. Warum das wichtig ist und wie die Branche die dafür nötigen Fachkräfte rekrutieren kann, erklärt Mag. Marion Mitsch, Geschäftsführerin des Fachverbands der Elektro- und Elektronikindustrie Österreichs (FEEI).





Inwieweit sind Subventionen der richtige Weg, um den Anteil in Europa produzierter Mikrochips substanziell zu erhöhen?
Die Chip-Krise der letzten Jahre hat uns deutlich vor Augen geführt, wie abhängig Europa von anderen Machträumen ist und wie gefährlich solche Abhängigkeiten werden können. Die Produktion in manchen Industriezweigen kam zeitweise zum Stillstand. Für einige Unternehmen waren die langen Wartezeiten standort- bzw. sogar existenzgefährdend.
Viele Länder in Asien und Amerika verfolgen eine klare Politik, strategisch wichtige Schlüsseltechnologien zu stärken, um im Bedarfsfall auf diese zugreifen zu können. Dabei handelt es sich auch um Wachstumssektoren – Bereiche, die stetig mehr Wertschöpfung generieren und kontinuierlich mehr Arbeitsplätze bieten. Eine solche strategische Industriepolitik hat Europa in den vergangenen Jahrzehnten verabsäumt. Zeitgleich wurde die Produktion von Hochtechnologie immer komplexer und kostenintensiver. Somit wurde der Aufbau von Produktionen außerhalb Europas subventioniert und wurden in Folge außereuropäische Unternehmen gestärkt.

Europäische Unternehmen spezialisierten sich auf Technologien, die viel Domänenwissen benötigen, etwa zu Themen wie Energie oder Mobilität, die in der Herstellung aber günstige Produktionswerke verlangen. Relevante Technologien wurden somit sukzessive nicht mehr in Europa hergestellt, was ein großes strategisches Risiko für die sichere Versorgung Europas darstellt. Subventionen sind daher ein erster und essenzieller Schritt hin zur Erreichung und in weiterer Folge Stärkung der strategischen Autonomie Europas.
 

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Können neuerliche Investitionen sowie der avisierte EU-Chips-Act die erhofften Ziele wie etwa umfassende Stärkung der Forschungs- und Technologieführerschaft, Ausbau der Kapazitäten Europas und Entkopplung von globalen Halbleiterlieferketten erreichen?
Der European Chips Act ist derzeit mit 43 Milliarden Euro dotiert. Das ist ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Verglichen mit den enormen Summen, die beispielsweise die USA oder asiatische Staaten in dem Bereich investieren, kann diese Summe aber nur der Start sein. Gerade im Bereich der Forschung nimmt Europa einen Spitzenplatz ein. Die Europäische Union ist nun gefragt, eine innereuropäische Strategie zu entwickeln, bestehende Stärken zu stärken bzw. auszubauen und Lücken zu schließen.

Ist die Strategie, mittel- bis langfristig eine Führungsrolle der EU in diesem Bereich gewährleisten, überhaupt sinnvoll und notwendig, oder sollte der Fokus nicht eher auf Kooperationen liegen?
Die EU erhebt nicht den Anspruch, in Zukunft weltweit den größten Teil an Mikrochips zu produzieren – allerdings soll der in Europa produzierte Anteil von derzeit rund 10 auf 20 Prozent bis zum Jahr 2030 erhöht werden, um bestehende Abhängigkeiten zu reduzieren, potenzielle neue Abhängigkeiten zu vermeiden und um als Player im globalen Wettbewerb weiterhin auf Augenhöhe agieren zu können. Das verlangt nach entsprechenden, sinnvollen und vorausschauenden Investitionen.

Europa muss eigene Stärkefelder stärken, also weiterentwickeln, und gleichzeitig über eine ausreichende Breite an Technologie- und Produktionskompetenz sowie Produktionskapazitäten verfügen. Kooperationen sind dabei ebenso von Bedeutung, denn die Produktion von Chips wird auch weiterhin eine global zu lösende Aufgabe bleiben.

Inwiefern kann der aktuelle Fachkräftemangel ausgerechnet in dieser Branche gebrochen werden?
Die Halbleiterbranche als Teil der Elektronikindustrie ist eine der wahrscheinlich spannendsten und zukunftsträchtigsten Branchen überhaupt. Halbleitertechnologie in all ihren Facetten erlaubt es uns, die Zukunft (durch Technologien) maßgeblich mitzugestalten und aktiv an der digitalen und an der grünen Wende mitzuarbeiten. Es wird zunehmend bedeutsam – vor allem für junge Menschen –, Jobs auszuüben, die sinnerfüllend sind. Die Elektro- und Elektronikindustrie bietet genau das: eine Fülle an sogenannten Green Jobs. Energieeffizienz, Elektromobilität, Ausbau des Schienenverkehrs, Ausbau alternativer Energien wie Photovoltaik oder Windkraft – all das verlangt nach Expertinnen und Experten aus dem Bereich der Elektro- und Elektronikindustrie. Das zu vermitteln ist eines der großen Ziele unserer Branche. Im Herbst startet dazu eine groß angelegte Kampagne in Österreich, die speziell auf Jugendliche zugeschnitten ist und Neugier für diese spannende Branche wecken soll. Es ist mir auch ein persönliches Anliegen, besonders Mädchen und Frauen für Berufe in der EEI zu begeistern.

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