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Interview07.08.2023

3.000 Arbeitsplätze für Magdeburg

Warum der EU-Chips-Act hilft, Europas Wirtschaft zu stabilisieren

Sven Schulze, Sachsen-Anhalts Minister für Wirtschaft, Tourismus, Landwirtschaft und Forsten Quelle: Rayk Weber Sven Schulze Minister für Wirtschaft, Tourismus, Landwirtschaft und Forsten Landesregierung Sachsen-Anhalt
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Uwe Rempe
Freier Journalist
Meinungsbarometer.info
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"Es ist richtig, strategisch wichtige Wirtschaftsbereiche wie die Halbleiterbranche zu stärken und finanziell zu unterstützen", konstatiert Sven Schulze, Sachsen-Anhalts Minister für Wirtschaft, Tourismus, Landwirtschaft und Forsten, um "die einmalige Chance", die sich aus der Intel-Ansiedlung in Magdeburg ergibt, für das Land, die Bundesrepublik Deutschland und für Europa zu nutzen.





Inwieweit sind Subventionen der richtige Weg, um den Anteil in Europa produzierter Mikrochips substanziell zu erhöhen?
Die europäische und insbesondere die deutsche Wirtschaft stehen in einem harten internationalen Wettbewerb. Es ist richtig, strategisch wichtige Wirtschaftsbereiche wie die Halbleiterbranche zu stärken und finanziell zu unterstützen. Dies gilt auch und gerade mit Blick auf die Unabhängigkeit und Versorgungssicherheit in Krisenzeiten.

Intel investiert mehr als 30 Milliarden Euro in Magdeburg. Hier werden langfristig etwa 3.000 direkte Arbeitsplätze geschaffen. Es ist davon auszugehen, dass im Fahrwasser dieser Ansiedlung tausende weitere indirekte Arbeitsplätze in der Region entstehen. Mit der kürzlich verkündeten Ansiedlung von Sioux Technologies in Barleben im Landkreis Börde sehen wir bereits jetzt, dass Intel als Ankerinvestor auch Ansiedlungen im Bereich Forschung und Entwicklung zieht. Die Verantwortlichen beim niederländischen Tech-Unternehmen verwiesen bei ihrer Entscheidung für den Standort bei Magdeburg auf das Intel-Investment.

Wir erleben gerade eine einmalige Chance für Sachsen-Anhalt, für die Bundesrepublik Deutschland und für Europa. Auch durch finanzielle Anreize für Unternehmen ist es uns möglich, solche Investitionen nach Europa zu holen.

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Können neuerliche Investitionen sowie der avisierte EU-Chips-Act die erhofften Ziele wie etwa umfassende Stärkung der Forschungs- und Technologieführerschaft, Ausbau der Kapazitäten Europas und Entkopplung von globalen Halbleiterlieferketten erreichen?
Die Welt wird digitaler und Halbleiter sind ein integraler Bestandteil dieser Entwicklung. Halbleiterchips sind die wesentlichen Bausteine alltäglicher digitaler Produkte. Neben Autos und Computern gehören dazu beispielsweise auch lebensrettende medizinische Geräte. Vor nicht allzu langer Zeit hatten wir einen massiven Chipmangel zu beklagen. In vielen Sektoren hat dieser Mangel dazu geführt, dass Fabriken stillstehen mussten. So gingen die Produktionskapazitäten in einigen Mitgliedsstaaten der Europäischen Union stark zurück.

In einer geopolitisch komplexen Lage sind unsere Wertschöpfungsketten von einer begrenzten Zahl von Produzenten abhängig. Der EU-Chips-Act hilft dabei, den Weltmarktanteil in der Halbleiterproduktion zu steigern. Die EU-Wirtschaft wird widerstandsfähiger, die Lieferketten gewinnen an Stabilität.

Ist die Strategie, mittel- bis langfristig eine Führungsrolle der EU in diesem Bereich gewährleisten, überhaupt sinnvoll und notwendig, oder sollte der Fokus nicht eher auf Kooperationen liegen?
Eine führende Rolle und gleichzeitig Kooperationen auf Augenhöhe - beides ist möglich und gleichermaßen wünschenswert. Im Moment geht es zunächst darum, die eigene Halbleiterindustrie auszubauen. Der Handelskrieg mit China macht deutlich, dass Abhängigkeiten von Asien zu Engpässen führen können, die Europa wirtschaftlich schaden.

China, die USA und Südkorea subventionieren ihre Chipindustrien mit bedeutend höheren Summen. Die Milliardeninvestition hilft der EU, sichere Liefer- und Produktionsketten für die Industrie zu schaffen. Denn sie ist abhängig von verlässlichen Chiplieferungen. Diese Bemühungen machen auch den Osten Deutschlands zu einer Region, in der die Menschen eine Perspektive für sich und ihre Familien sehen, weil attraktive Arbeitsplätze und eine erstklassige Infrastruktur gegeben sind.

Inwiefern kann der aktuelle Fachkräftemangel ausgerechnet in dieser Branche gebrochen werden?
In den kommenden Jahren werden viele Menschen der Baby-Boomer-Generation aus dem Erwerbsleben ausscheiden. Wir werden künftig auf die Zuwanderung qualifizierter Arbeitskräfte aus dem Ausland angewiesen sein.

Zudem müssen wir das Potenzial der Menschen in unserem Land besser nutzen.

Wir können nun mit noch besseren Argumenten um jene werben, die Sachsen-Anhalt einmal verlassen haben, weil die Perspektiven fehlten. Hier hat in den vergangenen Jahren ein Wandel stattgefunden. Sachsen-Anhalt hat im Vergleich zu anderen Bundeländern vieles zu bieten: hochwertige und sichere Arbeitsplätze, Kitaplätze und bezahlbares Bauland, ausgebaute Infrastruktur und viele Freizeitmöglichkeiten.

Des Weiteren werden wir auch den Ausbau von Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten forcieren. Beispielsweise erweitert die Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg im Zuge der Intel-Ansiedlung ihr Studienangebot im Bereich Halbleiter- und Nanotechnologie. Ab dem Wintersemester 2023/24 stehen bis zu 40 Studienplätze in einem neuen Studiengang zur Verfügung.

Kurzum: wir haben uns zu einem Land entwickelt, in dem es sich gut leben und arbeiten lässt. Diese Entwicklung werden wir weiter vorantreiben. All das stimmt mich optimistisch, dass Sachsen-Anhalt künftig noch attraktiver für Menschen aus ganz Deutschland und Europa wird.

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