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Interview02.07.2018

ÖPNV hat harte Konkurrenz

Warum kostenloser Nahverkehr kein Heilsbringer ist

Andrea Döring, Stadtbaurätin für die Bereiche Stadtentwicklung, Bauen, Umwelt und Verkehr bei der Stadt Hildesheim Quelle: Stadt Hildesheim Andrea Döring Stadtbaurätin Stadt Hildesheim
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Alexander Hiller
Redakteur
Meinungsbarometer.info
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"Die wichtigsten Maßnahmen für einen umweltfreundlichen Verkehrsmix liegen meines Erachtens in dem sehr guten Ausbau der Rad- und Fußwege und der Förderung des ÖPNV hinsichtlich Fahrplangestaltung, Höhe und Einfachheit des Tarifes sowie Beschleunigung des ÖPVN", sagt die Hildesheimer Stadtbaurätin Andrea Döring. Sie setzt auch große Hoffnungen auf die Digitalisierung.





Augsburg führt als erste deutsche Großstadt den kostenlosen Nahverkehr ein? Was halten Sie vom kostenlosen ÖPNV und wäre das für Ihre Stadt auch denkbar?
Kostenlose Dienstleistungen für Bewohner und Gäste in der eigenen Stadt anbieten zu können, ist wünschenswert. Unter wirtschaftlichen Gegebenheiten aber nicht unbedingt machbar.

Der Stadtverkehr Hildesheim ist eine der wenigen Unternehmen in der Bundesrepublik, das privatwirtschaftlich funktioniert. Die Stadt Hildesheim kann sich eine alle Kosten übernehmende Beauftragung des Stadtverkehrs schlichtweg nicht leisten. Aus Sicht der finanziellen Situation der Stadt Hildesheim ist das derzeit nicht möglich.

Kritiker eines kostenlosen ÖPNV wenden ein, dass vor allem Fußgänger und Radfahrer auf den kostenlosen ÖPNV umsteigen könnten. Folge wäre eine Überlastung des ÖPNV. Welches wären die wichtigsten Maßnahmen für den Verkehrsmix der Zukunft aus Ihrer Sicht?
Ich glaube nicht, dass neben Fußgängern und Radfahrern auch viele Kfz-Benutzer auf den ÖPNV umsteigen, nur weil er kostenlos ist. Die Kritik fußt auf der Vermutung, es läge nur am Geld, dass die Menschen lieber den Individualverkehr (IV) nutzen.

Eine Vielzahl von Maßnahmen müssen ergriffen werden, damit möglichst viele Wege mit dem Rad, zu Fuß oder dem ÖPNV zurückgelegt werden können. In Bezug auf den ÖPNV spielen Verbesserungen der Taktzeiten, attraktive Streckenführung, Einfachheit und Höhe des Tarifes und Tarifverbund eine wesentliche Rolle. Daneben sind auch „weiche“ Faktoren wie Barrierefreiheit, Bequemlichkeit, Information und Einfachheit in der Fahrplangestaltung als Kriterien für die Benutzung nicht gering zu schätzen. Der ÖPNV konkurriert mit einem MIV, der individuelle Bedürfnisse nach Schnelligkeit und Komfort deckt.

Die wichtigsten Maßnahmen für einen umweltfreundlichen Verkehrsmix liegen meines Erachtens in dem sehr guten Ausbau der Rad- und Fußwege und der Förderung des ÖPNV hinsichtlich Fahrplangestaltung, Höhe und Einfachheit des Tarifes sowie Beschleunigung des ÖPVN.

Der ÖPNV ist Teil eines komplexen Netzes an öffentlichem Verkehr. Welche Rolle spielt das für den Verkehrsmix - und welche Stellschrauben sehen Sie hier noch zur Optimierung?
Um den Verkehrsmix (Model-Split) umweltfreundlich zu gestalten, kommt dem ÖPNV eine wesentliche Rolle zu.

In unserer Stadt Hildesheim ist in den letzten Jahren sehr viel verändert worden. Dies hängt mit der Privatisierung und Neustrukturierung des Verkehrsunternehmens zusammen.

Konkrete Maßnahmen für Hildesheim liegen in der Busbeschleunigung (Ampelanlagen und Busspuren), Bau von barrierefreien Bushaltestellen, Tarifverbund und Einführung eines attraktiven Kurzstreckentarifes.

Welche Chancen sehen Sie in der Digitalisierung für den optimalen Verkehrsmix?
Ich sehe große Chancen in der Digitalisierung unseres Verkehrssystems. Maßnahmen zur Verkehrsplanung und –lenkung insbesondere für den MIV bringen insgesamt eine Verbesserung für alle Verkehrsarten.

Die Verkehrslenkung und –steuerung zielt dabei auf den Verkehrsfluss und Vermeidung von Parksuchverkehr.

Eine App. zur Koppelung von verschiedenen Informationen zur Verkehrssituation, verfügbare Parkplätze oder Fahrzeiten ist fast schon Standard.

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