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25.02.2021
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ZEITGEMÄSSE BILDUNG IST OHNE DIGITALE MEDIEN NICHT MEHR DENKBAR

Wie die bayerischen Eltern die Lage in der Pandemie bewerten - und was sie danach erwarten

Henrike Paede - Stellvertretende Vorsitzende, Bayerischer Elternverband e.V.

Henrike Paede - Stellvertretende Vorsitzende, Bayerischer Elternverband e.V. [Quelle: BEV]


"Wir verzeichnen eine Verbesserung gegenüber dem Dezember, die Plattformen laufen insgesamt stabiler", schätzt die Stellvertretende Vorsitzende des Bayerischen Elternverbandes, Henrike Paede, ein. Sie fordert stärkeres Engagement des Staates für digitale Elemente in der Bildung ein.


Aus verschiedenen Regionen wird über Probleme mit den digitalen Schulplattformen berichtet. Wie stellt sich die Lage in Ihrem Bundesland dar?
Wir verzeichnen eine Verbesserung gegenüber dem Dezember, die Plattformen laufen insgesamt stabiler. Allerdings wurde vom Kultusministerium angeordnet, sich in der bayerischen Schulplattform Mebis nur zeitversetzt anzumelden. Dieser Plan ging überwiegend auf. Relativ häufig verwendet wurde Microsoft Teams, das nach unserer Erhebung ohne Beanstandungen lief.


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DIE DOKUMENTATION DIESER FACHDEBATTE

Nach Medienberichten setzen Eltern nun auch vermehrt auch kommerzielle digitalen Bildungs- und Nachhilfeangebote. Welche Chancen und Herausforderungen ergeben sich daraus?
Bildung ist eine staatliche Aufgabe und es kann nicht angehen, dass Eltern sie durch Nachhilfe, sei es eigene oder bezahlte, ersetzen müssen. Dadurch öffnet sich die Schere bei der Bildungsgerechtigkeit weiter, Schüler aus bildungsfernen, nicht deutschen oder sozial benachteiligten Familien geraten immer weiter ins Abseits. Das muss unter allen Umständen verhindert werden. Lieber soll der Staat jetzt Nachhilfekräfte zur Unterstützung der Lehrkräfte in den Schulen "einkaufen"!

ARD und ZDF haben ihre Schulfernseh- und Mediathek-Angebote massiv ausgebaut. Welchen Beitrag können solche Angebote in einer Homeschooling-Phase leisten?
Diese Angebote sind qualitativ äußerst hochwertig. Ihr Nutzen wird aber vor allem dadurch definiert, wie sie von den Lehrkräften im Distanzunterricht eingebunden werden - sie sollen ja zu den Unterrichtsinhalten passen, die gerade dran sind.

Was erwarten Sie von der Politik hinsichtlich einer dauerhaften Etablierung von digitalen Elementen in der Schulbildung - auch über die Pandemie hinaus?
Einige Schulen haben schon vor der Pandemie digitale Elemente in ihren Unterricht eingebunden - diese Schulen sind bei geschlossenen Schulhäusern klar im Vorteil. Ihre Schüler wussten, wie damit umzugehen ist. Dies muss an allen Schulen in den Alltag integriert werden

Zeitgemäße Bildung ist auch außerhalb des Lockdown ohne digitale Medien nicht mehr denkbar, nicht nur in der Schule, sondern auch beim häuslichen Lernen am Nachmittag. Die Krise hat uns dies schockartig vor Augen geführt.

Allerdings müssen Schulen endlich durch die Bank mit Breitbandanschlüssen versehen werden und mit ausreichend Geräten. Aber solange nicht auch jeder Schüler die entsprechende Ausstattung zu Hause hat, kann ein digitaler Unterricht nicht alle erreichen. Das bedeutet unter anderem, dass diese Ausstattung auch in den Grundbedarf, z. B. bei Hartz IV, aufgenommen werden muss. Unlängst hat sich eine Schülerin dies vor Gericht erstritten. Andernfalls kann das Recht auf gleiche Bildungschancen nicht eingelöst werden. Dies muss der Staat absichern!