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Interview12.06.2017

Wenn die Lüge klickbar ist

Wie Politik und Medien Vertrauen erringen können

Brunhild Kurth, Staatsministerin für Kultus in Sachsen Quelle: Robert Michael Brunhild Kurth Kultusministerin Sächsisches Staatsministerium für Kultus
INITIATOR DIESER FACHDEBATTE
Uwe Schimunek
Freier Journalist
Meinungsbarometer.info
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"Ein Misstrauen gegenüber Medien und Politik gibt es seit Jahrzehnten und spiegelt sich mit jeder neuen Umfrage im schlechten Image der Hauptakteure wider", sagt die sächsische Kultusministerin Brunhild Kurth mit Blick auf die europäische Jugend-Studie „Generation What“. Sie sieht durchaus Lösungsansätze.





Die große europäische Jugend-Studie „Generation What“ zeigt ein dramatisches Misstrauen junger Menschen gegenüber von Institutionen. 64 % der deutschen Befragten haben kein oder überhaupt kein Vertrauen in die Politik, bei den Medien verhält es sich ebenso. Woher kommt diese Vertrauenskrise?
Die Vertrauenskrise ist nicht neu. Ein Misstrauen gegenüber Medien und Politik gibt es seit Jahrzehnten und spiegelt sich mit jeder neuen Umfrage im schlechten Image der Hauptakteure wider. Journalisten und Politiker gehören zu den Berufsgruppen, denen man am wenigsten vertraut. Wer nach den Ursachen forscht, wird keine einfache Antwort finden. Dass der Politik und den Medien manipulative Eigenschaften zugeschrieben werden, mag ein Grund sein. Handwerkliche Fehler bei Journalisten und leere Versprechungen von Politikern, wären ebenso zu nennen. Außerdem wirkt eine politische Berichterstattung, die zunehmend vom Negativismus, der Boulevardisierung und Skandalisierung geprägt ist, nicht gerade vertrauenserweckend. Zu allem Überfluss gehen in diesen Zeiten des politischen und medialen Spektakels manche Politiker und Teile der Medien eine gefährliche Symbiose ein und schrauben die Eskalationsspirale weiter hoch. Das hat auch mit dem Internet zu tun. Damit sind nicht allein die wirtschaftlichen und personellen Umwälzungen gemeint. Hinzu kommt der Bedeutungsverlust. Die Informations- und Deutungshoheit teilen sich die klassischen Journalisten längst mit Bloggern, Twitterern und Facebook-Freunden. Soziale oder besser asoziale Netzwerke, die für immer mehr Menschen die wichtigste Nachrichtenquelle darstellen, führen in Echokammern der Gleichgesinnten. Hier findet man schnell Zustimmung, weil man nur Dinge zu hören bekommt, die die eigene Sicht der Dinge bestätigen, egal ob sie wahr oder falsch sind. Tatsachen, Gefühle und Spekulationen vermischen sich. Die Lüge wird klickbar. Verwundert es da noch wirklich, dass Medien und Politik nicht aus der Vertrauenskrise herauskommen?

Was müssen die Politik und Medien leisten, um aus dieser Vertrauenskrise herauszukommen?
Transparenz und Beteiligung sind das Gebot der Stunde. Politik ist meist ein sehr langes, mitunter mühsames gemeinsames Suchen nach dem besten Kompromiss. Bürgerinnen und Bürger wollen immer häufiger daran beteiligt werden. Aber sie müssen auch lernen zu ertragen, dass die Welt komplex ist. Probleme moderner Gesellschaften kann man nicht mit einem Handstreich lösen. Ist am Ende ein Kompromiss gefunden, braucht es Transparenz, damit nicht der Eindruck entsteht, dass die da oben alle unter einer Decke stecken.
Das Transparenzgebot gilt im Übrigen auch für Medien. Das Mittel gegen die Glaubenskrise ist ein Journalismus, der sich immer häufiger der hysterischen Beschleunigung entzieht, nach höchsten handwerklichen und ethischen Standards strebt und seine Fehler transparent korrigiert.

Und warum müssen immer nur schlechte Nachrichten die guten sein? Wer täglich den Lesern, Hörern und Zuschauern suggeriert, die Welt ist schlecht und Politik bekommt die Probleme nicht in den Griff, der befördert die Vertrauenskrise. Wer ständig zur Übertreibung neigt, dem glaubt man irgendwann nicht mehr. Ein konstruktiver Journalismus kann dagegen aus der Vertrauenskrise führen. Mehr Mäßigung im Ton und weniger Hysterie, mehr Fakten und weniger Emotionen täten den politischen und medialen Eliten gut.

56 % der Befragten finden das Bildungssystem „ungerecht“ oder „eher ungerecht“ – in anderen Ländern (etwa Finnland, 15 %) sind es deutlich weniger. Was kann und sollte dagegen getan werden?
Mit jeder neuen Bildungsstudie wird wie ein Mantra die Klage erhoben, dass in Deutschland der Bildungserfolg viel zu sehr von der sozialen Herkunft abhänge. Da verwundert das Umfrageergebnis nicht. Tatsächlich müssen Bildungssysteme nach mehr Bildungs- und Chancengerechtigkeit streben. Schulen können die Kopplung von Herkunft und Bildungserfolg mindern, wie Studien für Sachsen bescheinigen. Nirgendwo in Deutschland spielt die soziale Herkunft für den Schulerfolg eine geringere Rolle als in Sachsen. Doch zur Ehrlichkeit gehört auch, klarzustellen, dass das Elternhaus immer Einfluss auf die Leistungsfähigkeit und Leistungsbereitschaft der Kinder und Jugendlichen haben wird. Diesen Zusammenhang kann Schule nicht gänzlich aufbrechen.

26 % der Befragten glauben, dass es Ihnen schlechter gehen wird als Ihren Eltern. Wie bewerten Sie das?
Das Ergebnis muss nicht zwangsläufig nachdenklich stimmen. Denn im Umkehrschluss bedeutet es doch auch, dass fast dreiviertel der Befragten optimistisch in die Zukunft blickt.

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