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21.07.2018
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WENN DAS AUTO DIE ROLLLÄDEN STEUERT

Warum PKWs schon bald zum Internet der Dinge gehören werden

Mario Schmitt, verantwortlich bei der Telekom für “Hotspot Drive”, Vice President Internet of Things (IoT) Presales & Productconsulting, T-Systems

Mario Schmitt, verantwortlich bei der Telekom für “Hotspot Drive”, Vice President Internet of Things (IoT) Presales & Productconsulting, T-Systems [Quelle: Deutsche Telekom AG]


"Autos werden der dritte Lebensraum mit fahrenden Supercomputern. Eine festverbaute SIM-Karte im Auto ist daher eine Grundvoraussetzung, um den wachsenden Bedürfnissen von Fahrzeugbesitzern und Mitfahrern gerecht zu werden." Das sagt Mario Schmitt, verantwortlich bei der Telekom für “Hotspot Drive” undVice President Internet of Things. "Spannend wird, wie das vernetzte Auto in Zukunft mit seiner Umgebung oder anderen Dingen kommunizieren wird. Denn durch die SIM-Karte wird das Auto zum Bestandteil des Internets der Dinge."


Autos sollen künftig zunehmend mit SIM-Karten ausgestattet werden. Wird das Auto bald zum rollenden Smartphone?
Die Services, die ich heute über mein Smartphone erlebe, möchte ich in der Regel auch unterwegs im Auto nutzen. Das Fahrzeug wird somit immer mehr zur Erweiterung des Zuhauses oder des Büros. Anders gesagt: Autos werden der dritte Lebensraum mit fahrenden Supercomputern. Eine festverbaute SIM-Karte im Auto ist daher eine Grundvoraussetzung, um den wachsenden Bedürfnissen von Fahrzeugbesitzern und Mitfahrern gerecht zu werden. In langjähriger enger Zusammenarbeit mit den Autoherstellern bringt die Telekom schon heute schnelles Internet sowie Echtzeit-Dienste auf die Straße. Der WLAN-HotSpot „HotSpot Drive“ der Telekom ermöglicht es beispielsweise, Videos zu streamen oder das beste verfügbare Netz während Geschäftsreisen zu nutzen. Spannend wird, wie das vernetzte Auto in Zukunft mit seiner Umgebung oder anderen Dingen kommunizieren wird. Denn durch die SIM-Karte wird das Auto zum Bestandteil des Internets der Dinge.

Welche Anwendungen für den Kunden sehen Sie mittelfristig als die wichtigsten an?
Ein wichtiges Versprechen für den Kunden: Mit der Vernetzung des Fahrzeugs die Sicherheit auf der Straße erhöhen. Dies ist ein Ziel, das durch das teilautonome oder vollautomatisierte Fahren erreicht werden soll. Auf dem Weg dahin müssen allerdings noch viele Fragen geklärt werden, sowohl technologisch als auch rechtlich. Doch beim Thema Konnektivität geht es nicht nur um rein fahrzeugbezogene und sicherheitsrelevante Anwendungsbereiche. Da die Vernetzung alle Lebensbereiche betrifft, rücken auch Services außerhalb des Fahrzeugs in den Fokus. Dazu zählen beispielsweise Smart-Parking-Angebote, um die Parkplatzsuche zu erleichtern. Das zeigen wir in Hamburg, wo wir in der ganzen Stadt den Parkraum digitalisieren werden. Ein anderes Beispiel: die SmartHome-Steuerung aus dem Auto, wie sie im vernetzten BMW bereits möglich ist. Über eine Telekom-App können unter anderem von unterwegs die Heizung oder die Rollläden gesteuert werden. Gefragt sind natürlich auch immer mehr Unterhaltungsangebote, die die Fahrt an sich zum Erlebnis machen. Diese verschiedenen Anforderungen setzen wir partnerschaftlich mit den Autoherstellern um.

Welche digitalen Technologien/Voraussetzungen braucht es nach Ihrer Einschätzung für das vernetzte und vollautonome Fahren?
Ein wichtiges Schlagwort ist hier „Low Latency“. Gemeint ist damit Datenübertragung in Lichtgeschwindigkeit.  Denn was wir für das autonome Fahren brauchen, sind Kommunikationsnetze mit extrem schnellen Reaktionszeiten. Die Fachleute sprechen hierbei von „niedriger Latenz“ oder eben „Low Latency“. Eine Voraussetzung ist dafür die Einführung eines neuen Kommunikationsstandards, die sogenannte 5G-Technologie, die die Telekom bis 2020 sukzessive an den Start bringen will. 5G ist ein völlig neues Netzkonzept, das Festnetz und Mobilfunk vereinigt und die Grundlage schafft für Zukunftstechnologien wie virtuelle Realität, autonomes Fahren und das Internet der Dinge. Wenn beispielsweise ein vorausfahrendes Fahrzeug hinter der Kuppe oder Kurve bremst, können nachfolgende Fahrzeuge rechtzeitig gewarnt werden, weil die Informationen in Lichtgeschwindigkeit blitzschnell durch die Netze fließen.

Mit der zunehmenden Digitalisierung des Autos steigt auch die Angst vor Hackerangriffen. Wie sicher ist das vernetzte Auto?
Ob über die SIM-Karte ab Werk oder Nachrüstlösungen – Autos sind künftig immer online und damit auch grundsätzlich aus der Ferne angreifbar. Denkbare Folgen: Diebe stehlen Autos, verschaffen sich Zutritt zu fremden PKWs ohne Gewalteinwirkung oder Hacker legen gleich eine gesamte Fahrzeugflotte lahm, um Lösegeld zu erpressen. Geklärt werden muss also, wo die Schwachstellen liegen und wie sie sich absichern lassen. Ein bewährter Grundsatz lautet zum Beispiel „Security by Design“. Heißt praktisch: Sicherheit wird schon während der Fahrzeug-Entwicklung berücksichtigt, dabei entlang aller Datenströme und über den gesamten Produktlebenszyklus durchdacht. In unserem neu gegründeten Security Operation Center unterstützen Automotive- und Security-Experten der Telekom die Automobilbranche mit ganzheitlichen Konzepten.