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17.09.2019
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FORDERUNG NACH SPURLOSEM FAHREN

Wie die obersten Verbraucherschützer zum vernetzten Auto stehen

Marion Jungbluth, Leiterin Team Mobilität und Reisen, Geschäftsbereich Verbraucherpolitik, Verbraucherzentrale Bundesverband e.V.

Marion Jungbluth, Leiterin Team Mobilität und Reisen, Geschäftsbereich Verbraucherpolitik, Verbraucherzentrale Bundesverband e.V. [Quelle: vzbv]


"Versicherungen, Autohersteller, Werkstätten, Autoclubs und jetzt auch die Mobilfunkanbieter umwerben Verbraucherinnen und Verbraucher mit Mobilitätsdienstleistungen, die das Fahren sicherer und sparsamer machen sollen. Dafür wird das Auto an die digitale Leine gelegt und der Mensch zum gläsernen Fahrer." Das sagt Marion Jungbluth von der Verbraucherzentrale Bundesverband. "Deshalb sollte auch in Zukunft immer noch ein „spurloses“ Fahren möglich sein - also alle digitalen Dienste müssen einfach abschaltbar sein."


Der Mobilfunkriese Vodafone will künftig Autos zunehmend mit Sim-Karten ausstatten. Wird das Auto bald zum rollenden Smartphone? Was müssen Verbraucher beachten?
Der Grad der Vernetzung des Autos steigt rasant an. Die für unterschiedliche Funktionen angefragte Datennutzung wird damit für den Verbraucher immer verwirrender. Für die Verwendung von personenbezogenen Daten ist eine informierte Einwilligung notwendig. Diese muss so aussehen, dass jeder Verbraucher entscheiden kann, ob und welche Daten sie preisgeben wollen. Mein Autohersteller muss zum Beispiel nicht zwingend Zugriff auf meine Kontakte im Mobiltelefon erhalten. Umgekehrt muss mein Mobilfunkanbieter eigentlich keine Daten über mein Fahrverhalten sammeln. Allerdings verschwimmen genau diese Zuständigkeiten und der Wettbewerb um den Service rund ums Auto nimmt Fahrt auf. 

Wie sind die Pläne der Mobilfunkindustrie aus Sicht des Verbraucherschutzes zu bewerten: Sicherheitsgewinn, Datenkrake oder gewinnträchtiges Geschäftsmodell für die Mobilfunker?
Mobilitätsdaten versprechen Milliardengewinne in der Zukunft. Deshalb ist das Interesse an den Kunden beziehungsweise ihren Daten immens groß. Die Mehrwert-Versprechen von Sicherheit, Effizienz und Komfort müssen eingehalten werden und dabei Datenschutz und –sicherheit eine wichtige Rolle spielen. Die größten Bedenken gegenüber automatisierten und vernetztes Autos sind Angst vor Sabotage und vollständigem Tracking aller Wege. Nur wenn die Angebote in puncto Datenhoheit überzeugen,  wird die Digitalisierung der Mobilität die Menschen begeistern.

Verbraucherschützer monieren, dass das Auto mit Sim-Karte zur Datenkrake auf vier Rädern wird. Wie steht um den Datenschutz und Rechtssicherheit, wie können sich Verbraucher ggf. schützen?
Versicherungen, Autohersteller, Werkstätten, Autoclubs und jetzt auch die Mobilfunkanbieter umwerben Verbraucherinnen und Verbraucher mit Mobilitätsdienstleistungen, die das Fahren sicherer und sparsamer machen sollen. Dafür wird das Auto an die digitale Leine gelegt und der Mensch zum gläsernen Fahrer. Je mehr Daten freigegeben werden, desto enger wird das persönliche Profil. Die gesellschaftlichen und individuellen Risiken in Hinblick auf Privatheit, Selbstbestimmung und Unverletzlichkeit der (virtuellen) Persönlichkeit sind groß. Deshalb sollte auch in Zukunft immer noch ein „spurloses“ Fahren möglich sein - also alle digitalen Dienste müssen einfach abschaltbar sein.