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Interview29.03.2018

Theater als Digitaldetox

Warum sich beim Live-Kunstgenuss die Sinne schärfen lassen

Jens Lampater, Kulturbeauftragter Stadt Schaffhausen Quelle: Stadt Schaffhausen/Tine Edel Jens Lampater Kulturbeauftragter Stadt Schaffhausen
INITIATOR DIESER FACHDEBATTE
Uwe Schimunek
Freier Journalist
Meinungsbarometer.info
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"Das Theater wird sich immer zur Gegenwart verhalten und auch Trends der Digitalisierung in seinen Ästhetiken verwenden, thematisieren, zu eigen machen. Aber: Gerade einer zunehmend digitalen und virtuellen Welt ist die Rolle des Theaters als Gegenpol doch interessant." Das sagt Jens Lampater, Kulturbeauftragter Stadt Schaffhausen. "Das Theater mit seinen altmodischen Mitteln ist da eigentlich ein perfekter Gegensatz. Wir bieten ein kollektives Erlebnis und die Möglichkeit zur Auseinandersetzung, wie es sie an vielen Orten gar nicht mehr gibt. Das kann auch ein Zukunftsmodell sein. Bewusst ausklinken aus der Digitalisierung, um im Hier und Jetzt die Sinne zu schärfen."





Theater, Opern- und Konzerthäuser stehen für eine gewachsene Traditionspflege. Inwieweit wirkt sich die digitale Transformation unserer Gesellschaft auf Ihre Spielpläne und inhaltlichen Formate aus?
Unser Programm als Gastspieltheater besteht aus den Spielplänen und Angeboten anderer Theater. Da das Theater als Kunstform immer sowohl die eigenen Traditionen pflegte als auch Innovationen vorantrieb, schlägt sich zum Teil auch die digitale Transformation im Spielplan nieder. Einerseits in den gespielten Stücken, andererseits in den Ästhetiken moderner Inszenierungen.  

Welche digitale Ton-, Video und Bühnentechnik setzen Sie in Ihrem Haus ein – und wofür?
Video-Projektionen sind Teil vieler Inszenierungen, Ton- und Lichttechnik zum grossen Teil für die Gastspiele auf digitalen Datenträgern dabei. Im Bereich Licht entwickelt sich die LED-Technik weiter, die digitale Programmierung der aktuellen Scheinwerfer erfordert zum Teil weniger „klassische“ Beleuchtungseinrichtung.

Welche digitalen Werbemittel, -medien oder -träger setzen Sie ein?
Webseite, Newsletter, Facebook, Youtube- und Vimeo-Clips auf der Webseite und in Social Media

Häufig werden Bundles aus Reisen, Übernachtungen und Kulturevents angeboten. Gibt es solche vernetzten Angebote auch bei Ihnen? (bzw.: Planen Sie dergleichen?)
Nein.

Abschließend gefragt: wieviel Digitalisierung braucht und verträgt der Hochkultur-Betrieb?
Die Frage ist falsch gestellt: Das Theater wird sich immer zur Gegenwart verhalten und auch Trends der Digitalisierung in seinen Ästhetiken verwenden, thematisieren, zu eigen machen. ABER: Gerade einer zunehmend digitalen und virtuellen Welt ist die Rolle des Theaters als Gegenpol doch interessant: Alles individualisiert sich, zwischenmenschlicher Austausch findet online statt. Die Banken, die Post und die Supermärkte ersetzen Personen durch Maschinen, und die Filmindustrie verlagert sich vom Kinosaal in das Wohnzimmer. Das Theater mit seinen altmodischen Mitteln ist da eigentlich ein perfekter Gegensatz: Ein paar Menschen auf einer Bühne. Live. Nur hier. Nur jetzt. Nur an diesem Ort. Nur für dieses Publikum. Wir bieten ein kollektives Erlebnis und die Möglichkeit zur Auseinandersetzung, wie es sie an vielen Orten gar nicht mehr gibt. Das kann auch ein Zukunftsmodell sein. Bewusst ausklinken aus der Digitalisierung, um im Hier und Jetzt die Sinne zu schärfen.

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