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Schiene und Bahnverkehr erleben eine Renaissance

Was nötig ist, um das Schienennetz zu digitalisieren

Markus Fritz, Vice President, Main Line Signalling Domain Germany, Thales Deutschland Quelle: Thales Deutschland Markus Fritz Vice President Thales Deutschland 16.04.2021
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Uwe Rempe
Freier Journalist
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"Eine beschleunigte Digitalisierung der Schiene erwirkt schnell und langfristig positive Effekte für Konjunktur, Klima und schließlich die Kunden", weiß Markus Fritz, Vice President und Leiter Main Line Signalling Domain Germany beim Bahntechnik-Hersteller Thales Deutschland. Die bislang geplanten Investitionen in die Bahninfrastruktur seien aber zu gering.







Welche Herausforderungen warten bei der weitreichenden Digitalisierung der Bahninfrastruktur auf die Deutsche Bahn und ihren Eigentümer, den Staat?
Das deutsche Schienennetz ist der Struktur nach sehr gut, aber infolge Unterfinanzierung teilweise in marodem Zustand. Teils stammt die Stellwerkstechnologie in Deutschland noch aus Kaisers Zeiten. Die eigentliche Herausforderung ist, dass das Gesamtsystem von Infrastruktur, Fahrzeugen und Stellwerken synchron und aufeinander abgestimmt modernisiert und digitalisiert werden muss. Dies geschieht bisher zu langsam und zu sporadisch. Die Finanzierung muss nachhaltig gewährleistet sein und auch eine notwendige Aus- und Umrüstung von Schienenfahrzeugen mit der korrespondierenden ETCS-Technik (European Train Control System) abbilden. Nur in gemeinsamer Verantwortung können Politik, Betreiber und Industrie die Zukunft einer digitalen, klimafreundlichen Mobilität auf der Schiene bereits heute Wirklichkeit werden lassen. Die ersten Schritte sind hier bereits getan, der Weg ist aber noch weit!

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Der Eisenbahnverkehr in Deutschland hat mit vielen Problemen zu kämpfen: Zu wenige Lokführer, Unpünktlichkeit, Konkurrenz der Straße, veraltete Technik, voreilig stillgelegte Strecken etc. Inwieweit kann die digitale Offensive bei der Lösung dieser Probleme helfen?
Die Schiene und damit der Bahnverkehr erleben eine Renaissance. Was der Ausbau der Schienenwege für das 19. und 20. Jahrhundert war, bedeutet die Digitalisierung des Schienennetzes für das 21. Jahrhundert. „Schiene 4.0“ ist das Konzept für Schlüsseltechnologie zu einer umweltschonenden Mobilität „Made in Germany“ und wichtiger Konjunkturmotor für unsere Branche. Die Verkehrsleistungen auf der Schiene sind seit der Bahnreform deutlich gestiegen, der Koalitionsvertrag 2018 sowie die Beschlüsse des Klimakabinetts fixieren klare Ziele zur Unterstützung dieser Entwicklung. Damit der Verkehrsträger Schiene den zukünftigen Anforderungen hinsichtlich Kapazität und Qualität gerecht werden kann, sind deutliche Leistungssteigerungen erforderlich, Verfügbarkeit und Zuverlässigkeit müssen erhöht und die Wirtschaftlichkeit und Leistungsfähigkeit des Systems weiter verbessert werden. Die Modernisierung der Leit-, Sicherungs- und Stellwerkstechnik, die dadurch einhergehende Automatisierung des Bahnbetriebs und die darauf aufbauende Nutzung digitaler Technik können hierzu einen maßgeblichen Beitrag leisten. Eine beschleunigte Digitalisierung der Schiene erwirkt schnell und langfristig positive Effekte für Konjunktur, Klima und schließlich die Kunden. Hinzu kommt, dass die Digitalisierung auch attraktive Berufsfelder generiert und trotz der demografischen Entwicklung Deutschlands eine hohe Demografiefestigkeit des Bahnbetriebs sicherstellt.

Ist die bislang geplante Investitionssumme für den Zweck der umfassenden Digitalisierung ausreichend?
Die bisher getätigten und geplanten Investitionen sind ein guter Anfang, ausreichen werden sie aber definitiv nicht. Ein gutes Beispiel dafür ist das gerade angelaufene Schnellläuferprogramm. Politik und Bahnsektor schaffen damit die Grundlage für einen beschleunigten ETCS-Rollout und effizientere Wertschöpfungsketten. Für Austausch und Upgrade antiquierter Stellwerke investiert der Bund in diesem Jahr zusätzlich 500 Millionen Euro. Doch um das Schienennetz bis 2035 bundesweit zu digitalisieren, muss sich das jährliche Ausrüstungsvolumen vervierfachen. Ohne Aufschub müssen aus unserer Sicht, damit eins zum anderen passt, auch die Schienenfahrzeuge digital ertüchtigt werden.

Wie gut schätzen Sie die Zusammenarbeit europäischer Eisenbahngesellschaften beim Thema Digitalisierung ein?
Das ETCS-System ist das beste Beispiel für eine gute und erfolgreiche europäische Zusammenarbeit und trägt das „Europäische“ schon im Namen. Ursprünglich mit Fokus auf die Interoperabilität der europäischen Hochgeschwindigkeitsstreckennetze im Personenverkehr entwickelt, ist ETCS seit 2004 das einheitliche Zugbeeinflussungssystem für den gesamten Eisenbahnverkehr der EU und findet auch außerhalb Europas großen Anklang. Die Digitalisierung des Bahnverkehrs kann und wird nur funktionieren, wenn man europäisch denkt und zusammenarbeitet. Dafür arbeiten wir in Verbänden wie der Union des Industries Ferroviaires Européennes (UNIFE) an einem einheitlichen europäischen Eisenbahnraum, wo die Mitgliedsunternehmen einen Marktanteil von 80 % in Europa haben. Da arbeiten wir konstruktiv zusammen und können dadurch etwas bewegen!

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