MEINUNGSBAROMETER.INFO

DIGITALISIERUNG

DAS FACHDEBATTENPORTAL

Für Entscheider aus Politik, Wirtschaft, Medien & Gesellschaft


schliessen

Bitte hier einloggen:

Login

Passwort vergessen?
 
19.09.2020
Kopieren und anderweitige Vervielfältigungen sind nicht erlaubt.

OFFENHEIT IN DEUTSCHSPRACHIGEN BILDUNGSREGIONEN DEUTLICH AUSBAUFÄHIG

Wie AV-Formate in der Bildung helfen können

Peter Eiselmair - Geschäftsführer Education Group

Peter Eiselmair - Geschäftsführer Education Group [Quelle: Education Group/ Martin Hauzenberger]


"Grundsätzlich haben bestimmte lineare AV-Formate innerhalb klar zu definierender, pädagogischer Einsatzszenarien entsprechende Berechtigung", sagt Peter Eiselmair - Geschäftsführer Education Group mit Stammsitz in Linz. Doch die Zukunft liegt in digitalen Angeboten, die sich möglichst unterschiedlicher Formen multimedialer Materialien bedienen und die sich bietenden Vorteile gegenüber analoger Vermittlung bestmöglich nutzen. Diese müssen richtig geplant und eingesetzt werden.


In der aktuellen Corona-Krise gerät das klassische Schulfernsehen wieder verstärkt in den Fokus. Welche Vorteile bieten linearen AV-Formate heute noch?
Die aktuellen Angebote, vor allem jene der klassischen öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten, bieten in Anbetracht der aktuellen Situation sicherlich grundsätzlich eine respektable Ergänzung zu klassischen Informations- und Wissensformaten im schulischen Kontext. Gleichwohl gilt es festzuhalten, dass diese oftmals als Schulfernsehen titulierten Angebote weder die Aufgabe haben, noch pädagogisch-didaktisch gleichzusetzen sind mit lehrplanadäquaten, modernen Unterrichtsmitteln.

Grundsätzlich haben bestimmte lineare AV-Formate innerhalb klar zu definierender, pädagogischer Einsatzszenarien entsprechende Berechtigung – bisweilen auch Vorteile. Hierbei sind neue, teils auch interaktiv erweiterte Unterrichtsformen wie MOOCs, Live- Vorlesungen oder etwa Webinare anzuführen; diese an sich linearen Formate werden jedoch nicht von klassischen TV- bzw. Medienproduzenten angeboten. Derartige Entwicklungen werden verstärkt von Anbietern im Bereich der (beruflichen) Aus-, Fort- und Weiterbildung im Bereich der Erwachsenenbildung forciert.

Für welche Schulfächer eignen sich lineare AV-Formate besonders - und für welche weniger?
Alleine die theoretischen Herausforderungen entsprechender Unterrichtsorganisation im Hinblick auf lineare Formate lassen eine regelmäßige, realistische Grundlegung im Regelunterricht nicht erkennen. Demzufolge lassen sich auch grundsätzlich keine entsprechend geeigneten Unterrichtsfächer ausloten. Innerhalb moderner und zeitgemäßer Unterrichtgeschehnisse finden gegenwärtig mediengestützte Lernprozesse in allen gängigen Fachdisziplinen entsprechende Anwendung.

Ungeachtet dessen produzieren ausgewählte Sendeanstalten durchaus hochwertige Inhalte, welche den Unterricht oftmals adäquat ergänzen und unterstützen können – nur eben nicht linear. Die hierzu entscheidende Frage nach der möglichen Nutzung dieser, grundsätzlich geeigneten Inhalte außerhalb einer linearer Verbreitung, wird international durch breite Kooperationen von öffentlich-rechtlichen Produzenten mit gemeinnützigen bzw. durch die öffentliche Hand finanzierten Bildungsträgern realisiert – dies in oftmals gesetzlich definierter Entsprechung eines öffentlichen Bildungsauftrags. Eine diesbezügliche erweiterte Offenheit ist speziell in deutschsprachigen Bildungsregionen deutlich ausbaufähig.

Welche begleitenden digitalen Angebote können die Wirkung von linearen AV-Formaten unterstützen?
Unabhängig der Fragestellung von linearer oder nicht-linearer Zurverfügungstellung von digitalen Lernangeboten ist es in modernen, mediendidaktischen Settings üblich, sich möglichst unterschiedlicher Formen multimedialer Materialien zu bedienen und sohin die sich bietenden Vorteile gegenüber analoger Vermittlung bestmöglich zu nutzen. Die Vielfalt an begleitenden Angeboten ist aktuell beeindruckend; nicht immer stehen jedoch die technischen Möglichkeiten und Ausprägungen im kontextuellen Einklang mit den ursprünglich zu begleitenden Inhalten.

Wesentlich wird zukünftig die konzeptuelle Planung aller crossmedialer Materialien bereits zu Projektbeginn sein und ein stringenter Focus auf die jeweiligen didaktischen Zielsetzungen.

Welche Potenziale für den Schulunterricht sehen Sie in linearen AV-Formaten auch über die aktuelle Krisensituation hinaus, ggf. in Verbindung mit ergänzenden digitalen Angeboten?
Die grundsätzliche Entwicklung des Einsatzes audivisueller Medien in Bildungsprozessen ist didaktisch bedingt sicherlich eindeutig in nicht linearen Vermittlungsprozessen definiert. Es gilt, qualitätsvolle Formate aus linearen Produktionen für individuelle Nutzung abrufbar zu gestalten. Derartige on-demand Zugänge können erfolgreiche und erprobte didaktische Lehr- und Lernprozesse wie „flipped-classroom“ unterstützen und die viefältigen - zukünftig verstärkt mobil zu nutzenden - Möglichkeiten digitaler Lernunterstützung bereichern.

Zusätzliches Potential sehe ich auch in der Implementation von livegeschalteten Kommunikationsformaten in Lernszenarien, einer speziellen Form linearen AV Medieneinsatzes, die sich nicht erst seit der aktuellen Krisensituation bewährt.