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19.10.2019
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MOUNTAINBIKER WERDEN NIE WIEDER AUS DEN WÄLDERN UND VON DEN BERGEN VERSCHWINDEN

Wie sich ein funktionierendes Miteinander organisieren lässt

Paco Wrolich - Radkoordination, Kärnten Werbung Marketing & Innovationsmanagement GmbH

Paco Wrolich - Radkoordination, Kärnten Werbung Marketing & Innovationsmanagement GmbH [Quelle: pixelpoint multimedia]


"Das E-Bike ist ein großer Gewinn für den Handel, Tourismus und den Freizeitsuchenden", betont Paco Wrolich. Der Ex-Rad-Profi ("Rund um Köln"-Sieger und fünffacher "Tour de France"-Teilnehmer) stellt seine Expertise in Sachen Radsport heute u.a. der Kärnten Werbung zur Verfügung. Er plädiert für eine Reihe von Ansätzen für das funktionierende Miteinander von Gästen zu Rad und zu Fuß in den Alpen.


E-Bikes verändern den Tourismus in den Alpen und erlauben es neuen Zielgruppen, das Gebirge per Rad zu bereisen. Welche Vor- und Nachteile sehen Sie in diesem Trend?
Im Großen überwiegen ganz klar die Vorteile. Erholungssuchende bzw. Sportbegeisterte, die aus diversen Gründen (Arthrose, Distanz, Alter etc.) nicht mehr in gewissen Berglagen waren, haben mit dem E-Bike wieder die Möglichkeit, dort hin zu kommen. Das E-Bike ist ein großer Gewinn für den Handel, Tourismus und den Freizeitsuchenden. Es bringt aber auch Probleme mit sich, das ist klar und nicht von der Hand zu wischen. Es sorgt für mehr Frequenz im Wald und erhöht auch die Unfallstatistik der Verletzten, da viele Radbegeisterte zwar relativ leicht hinauf kommen, aber keine Ahnung haben, wie man so ein Bike bergab bedient. Mehr Gewicht, scharfe Bremswirkung auf Schotter, teilweise kaum vorhandenes technisches Können. All das führt dazu, dass wir immer mehr Unfälle mit Bikes haben.

Wie sollte die Infrastruktur für die erhöhte Zahl von (E-)Bikern im Gebirge angepasst werden?
Anfangen würde ich nicht unbedingt bei der Infrastruktur, sondern eher bei der Fahrtechnik. Wenn diese vorhanden ist, kann man die Leute in den Wald und auf den Berg lassen. Legale Infrastruktur ist die Voraussetzung für ein funktionierendes Miteinander im Wald. Trails in allen Schwierigkeitsgraden, legale Rundtouren, Lademöglichkeiten auf Hütten, Servicestationen, all das gehört zu einem Netz für Biker dazu. Da sind Grundstücksbesitzer, Politik, Tourismus und vor allem die Biker gefordert.

Wer sollte eventuelle Regulierungen und Verbote kontrollieren und durchsetzen?
Das wird in Zukunft ein vordergründiges Thema werden. Die Grundstücksbesitzer müssen unbedingt in die Legalisierung von Bikerouten eingebunden werden und an dieser auch mitarbeiten! Ohne Grundstückeigentümer kein MTB-Netz! Das ist klar. Auf der anderen Seite muss man dem Grundstückseigentümer oder auch Kritikern ganz klar sagen, dass der MTB-er nie wieder aus den Wäldern und von den Bergen verschwinden wird. Es liegt aber an den oben erwähnten Institutionen, ihn zu lenken und ihn dort fahren zu lassen, wo man ihn haben will. Auf legalen Routen, Touren und Trails.

Welche Rolle können Apps oder andere digitale Lösungen für eine naturverträgliche Besucherlenkung spielen?
Mit Kommunikationsmaßnahmen wie Apps, Routenportalen, Karten, Infoschildern erreiche ich den MTB-Gast ganz gut. Ca 80 % aller Biker halten sich an vorgegebene und ausgeschilderte Strecken. Den, den ich nicht leiten kann, ist in der Regel der Einheimische. Der fährt wo er will, weil er sich auskennt. Daher sind attraktive Strecken und Trails das Um und Auf!