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Mit der Digitalisierung die Geschäftsmodelle im Handwerk anpassen

Wo große Potenziale auch für kleine Betriebe liegen

Simon Nentwich, Fachreferent für Digitalisierung beim Deutschen Mittelstands-Bund (DMB) Quelle: DMB/ Jochen Rolfes Simon Nentwich Fachreferent für Digitalisierung Deutscher Mittelstands-Bund (DMB) 07.12.2021
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Uwe Schimunek
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"Die digitale Transformation hat das Handwerk längst erreicht", weiß Simon Nentwich vom Deutschen Mittelstands-Bund (DMB). Er erklärt, wo die Betriebe bereits gut aufgestellt sind, wo die größten Potenziale liegen und wie die Handwerker bei der digitalen Transformation unterstützt werden sollten.







Immer mehr Handwerksbetriebe setzen digitale Technik ein. Wie schätzen Sie den Stand der Digitalisierung bei den Handwerksbetrieben ein?
Die digitale Transformation hat das Handwerk längst erreicht. Viele Betriebe beschäftigen sich intensiv mit Digitalisierungsmaßnahmen. Gerade im vergangenen Pandemie-Jahr waren deutliche Fortschritte zu beobachten. Aus Gesprächen mit unseren Mitgliedsunternehmen können wir feststellen, dass inzwischen mehrheitlich die positiven Effekte und Chancen der Digitalisierung wahrgenommen werden. Viele Betriebe verspüren, dass sich bereits getroffene Maßnahmen positiv auf ihre Geschäftsprozesse, die Kundenzufriedenheit und die Neukundengewinnung auswirken. Jedoch ist die Digitalisierung nicht überall gleich fortgeschritten. Das Handwerk ist ein sehr heterogener Wirtschaftszweig, der unterschiedlichste Zünfte und Betriebsgrößen umfasst. Das schlägt sich dann auch im Grad der Digitalisierung nieder. Auch müssen bei der Betrachtung des Digitalisierungsniveaus die verschiedenen Dimensionen der Digitalisierung berücksichtigt werden. Niedrigschwellige Technologien zur Kommunikation mit Kunden oder Lieferanten werden beispielweise schon jetzt flächendeckend eingesetzt. Gleiches gilt für Softwarelösungen, die betriebliche Abläufe erleichtern – etwa im Rechnungswesen, in der Personalplanung, im Auftragswesen oder beim Einkauf. Sehr unterschiedlich – aber insgesamt deutlich schwächer – ausgeprägt ist hingegen der Einsatz von digitalen Technologien, die die eigentliche handwerkliche Tätigkeit betreffen und das Potential haben, Geschäftsmodelle zu verändern.  
 

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Die meisten Betriebe setzen digitale Tools für Organisations- und Verwaltungsarbeiten und im Marketing und Vertrieb ein - welche Potenziale sehen sie in digitaler Technik für das Handwerk darüber hinaus?
Es ist in der Tat noch so, dass sich die Digitalisierung im Handwerk schwerpunktmäßig auf die Geschäftsprozesse, die Erschließung neuer Kundenkreise oder Themen wie Datenschutz und Cybersicherheit konzentriert. Die größten Chancen bieten sich jedoch durch den Einsatz von digitalen Werkzeugen im originären Kerngeschäft. Aufgrund der Vielseitigkeit der handwerklichen Dienstleistungen und Produkte sind die Einsatzmöglichkeiten nahezu unbegrenzt. Handwerkliche Betriebe setzen bereits heute 3D-Drucker und -Scanner, Robotik, Augmented Reality (AR), Virtual Reality (VR) oder gar Drohnen ein. Weitere Innovationen wie die Blockchain-Technologie, das Internet der Dinge (IoT) oder Künstliche Intelligenz (KI) ermöglichen beispielsweise die vorausschauende Instandhaltung (Predictive Maintenance) von Anlagen, Maschinen oder Fahrzeugen. Letztlich hängen die Potentiale digitaler Technologien immer vom jeweiligen Handwerkszweig, dem individuellen Betrieb und dem zu erwartenden Mehrwert ab. Neben der Optimierung von Prozessen und Produkten bieten digitale Technologien natürlich auch die Chance das bestehende Geschäftsmodell an neue Gegebenheiten anzupassen oder gar zu erweitern.  
 
Digitaltechnik braucht Investitionen. Wie sollte das Handwerk bei der digitalen Transformation unterstützt werden?
Eine wichtige und zielführende Maßnahme, um die Handwerkswirtschaft so schnell wie möglich zukunftsfähig und digital aufzustellen, ist der Ausbau der Hilfestellungen für Betriebe zur Bewältigung der digitalen Transformation. Das umfasst passgenaue Förderprogramme, auf individuelle Bedürfnisse zugeschnittene Beratungsangebote, Informations- und Sensibilisierungsmaßnahmen sowie Bildungs- und Qualifizierungsangebote. Besonders wichtig ist zudem, dass ein erleichterter Zugang zu günstigen Krediten sichergestellt wird. Ebenfalls zur Finanzierung von Investitionen spielen Fördermöglichkeiten eine große Rolle. Die Nachfrage nach diesen Mitteln ist groß, sodass eine finanzielle und personelle Aufstockung der Förder- und Beratungsprogramme notwendig ist. Zudem sollten die Beantragungs- und Bewilligungsverfahren vereinfacht und beschleunigt werden. Darüber hinaus sehen viele Handwerksbetriebe eine wesentliche Hürde bei der digitalen Transformation in den fehlenden innerbetrieblichen Kapazitäten und Ressourcen. Wesentlich ist daher der Aufbau von Digitalkompetenzen innerhalb der Belegschaft, aber auch durch den Zugewinn entsprechender Fachkräfte. Die Aus- und Weiterbildung im Handwerk spielt hierbei eine besondere Rolle. Gute Ausstattungen in Bildungsstätten und Betrieben, moderne und attraktive Ausbildungsprogramme und die Integration von neuen Technologien und digitalen Arbeitstechniken in der Wissensvermittlung sind hier zentral. Grundlegend ist natürlich auch eine flächendeckende und belastbare digitale Infrastruktur sowie eine moderne digitale Verwaltung, die den Kontakt und die Zusammenarbeit zwischen Handwerksbetrieben und Behörden effizienter gestaltet.
 
Je größer ein Betrieb ist, desto höher ist auch der Digitalisierungsgrad. Welche besondere Hilfe brauchen gerade kleine Handwerksbetriebe?
Kleinen Handwerksbetrieben fehlen häufig die personellen, aber auch finanziellen Kapazitäten, um Digitalisierungsprozesse intensiv voranzutreiben. Die Betriebe sind mit ihrem Kerngeschäft so stark ausgelastet, dass wenig Zeit für die Planung und Implementierung von digitalen Maßnahmen übrigbleibt. Zudem fehlt betriebsintern häufig die Expertise und das nötige Know-how. Daher brauchen gerade die kleinsten Betriebe externe Partner, die beratend zur Seite stehen. Die Antragsverfahren für Zuschüsse und Förderprogramme, die sich an kleine Betriebe richten, sollten besonders einfach und unbürokratisch gestaltet sein. In einigen Fällen fehlt jedoch auch der Wille, Digitalisierungsvorhaben voranzutreiben. Diesbezüglich braucht es Informations- und
Sensibilisierungsangebote, die vor allem den Nutzen digitaler Techniken und die Bedeutsamkeit für die betriebliche Zukunftsfähigkeit in den Vordergrund stellen. Eine weitere Herausforderung ist die Identifizierung von Einsatzmöglichkeiten digitaler Techniken im eigenen Betrieb. Hierbei können Beratungsstellen und Unterstützungsangebote helfen, den Status-Quo und die Potentiale im Betrieb zu analysieren.

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