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Interview25.03.2022

Durch Digitalisierung können mehr Frauen für das Handwerk gewonnen werden

Wo die Betriebe investieren und welche Unterstützung sie brauchen

Tatjana Lanvermann - Bundesvorsitzende, Bundesverband UnternehmerFrauen im Handwerk e.V. Quelle: UFH Tatjana Lanvermann Bundesvorsitzende Bundesverband UnternehmerFrauen im Handwerk e.V.
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Uwe Schimunek
Freier Journalist
Meinungsbarometer.info
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"Gerade in Corona-Zeiten haben viele Betriebe die Chance genutzt, sich mit der Digitalisierung auseinanderzusetzen", sagt Tatjana Lanvermann vom Bundesverband UnternehmerFrauen im Handwerk e.V.. Sie nennt konkrete Zahlen aus einer aktuellen Umfrage und erklärt, welche Rahmenbedingungen die Handwerker brauchen.





Immer mehr Handwerksbetriebe setzen digitale Technik ein. Wie schätzen Sie den Stand der Digitalisierung bei den Handwerksbetrieben ein?
Wir sind ganz zufrieden. Gerade in Corona-Zeiten haben viele Betriebe die Chance genutzt, sich mit der Digitalisierung auseinanderzusetzen. Da war der zeitliche Rahmen so, dass man sich mit solchen Dingen beschäftigen konnte. Wir haben eine Umfrage unter den UnternehmerFrauen gemacht und 22 Prozent gaben an, dass sie die Digitalisierung in den Corona-Zeiten vorangetrieben haben.

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Die meisten Betriebe setzen digitale Tools für Organisations- und Verwaltungsarbeiten und im Marketing und Vertrieb ein - welche Potenziale sehen sie in digitaler Technik für das Handwerk darüber hinaus?
Ich selbst bin im Heizungs- und Sanitärgewerbe tätig. Wir setzten etwa Tablets zur Auftragsabwicklung ein. Im Bauhauptgewerbe wird schon sehr viel mit Robotern gearbeitet. Ich denke da zum Beispiel an die Maurer-Roboter, die schwere Steine stapeln. Ich weiß auch, dass viele Schreiner und Dachdecker aber auch Metall-Betriebe Drohnen einsetzen. Der 3-D-Druck wird immer interessanter für Handwerksbetriebe. CDR-Software kommt umfassend zu Einsatz, die Lagerwirtschaft wird immer digitaler.

Nach unserer Umfrage haben 63 Prozent der UnternehmerFrauen im Handwerk in die Digitalisierung der Buchhaltung investiert, 44 Prozent in die Baustellen-Kommunikation, 61 Prozent in Auftragsabwicklung, 19 Prozent in Kundenbindung, 41 Prozent in Kundenkommunikation, 13 Prozent in Online-Shops, 52 Prozent in Homepages und 38 Prozent in Social Media. Sie sehen also, viele haben nicht nur in eine Richtung investiert, sondern auf vielfältige Art und Weise.

Durch die Digitalisierung können auch mehr Frauen für das Handwerk gewonnen werden. Wir sehen deutliche Erleichterungen im körperlichen Bereich. Das bringt natürlich nicht nur für Frauen, sondern für alle, in gesundheitlicher Sicht große Vorteile. Das betriebliche Gesundheitsmanagement ist ein großes Thema.

Digitaltechnik braucht Investitionen. Wie sollte das Handwerk bei der digitalen Transformation unterstützt werden?
Das Problem ist oft, dass Handwerksbetriebe entweder komplett ausgelastet sind oder aber zu wenige Aufträge haben. Im ersten Fall fehlt die Zeit, im zweiten gilt aller Fokus der Akquise. Insofern muss für Digitalisierungs-Projekte immer Raum geschaffen werden. In diese Richtung sollten auch die Beratungsprogramme ausgerichtet sein. Da braucht es eine bedarfsgerechte Ansprache und keinen standardisierten Tools. Über Innungen und die Kammern gibt es viele Möglichkeiten die Betriebe direkt anzusprechen. Das ist aus meiner Sicht der richtige Weg für direkte passgenaue Beratungsangebote.

Ein weiterer Aspekt ist die Normung von digitalen Tools. Alle Entwicklungen brauchen für den Handwerksbetrieb einen strikten Praxisbezug. Da dürfen durch Normungen und Standards keine Hindernisse aufgebaut werden. Die Handwerker sollten direkt eingebunden werden von Beginn der Entwicklung an – als Innovator und nicht nur als Ausführender. Nur so bekommen wir Tools, die auch in der Praxis effizient eingesetzt werden können. Da können Ehrenamtler in Verbänden eine wichtige Schnittstelle darstellen, gerade bei Kooperationen mit Forschungseinrichtungen wie dem Fraunhofer-Institut.

Je größer ein Betrieb ist, desto höher ist auch der Digitalisierungsgrad. Welche besondere Hilfe brauchen gerade kleine Handwerksbetriebe?
Wie ich es erlebe, sind kleinere Handwerksbetriebe heute oft sehr gut aufgestellt, vor allem wenn Sie an Start-Ups denken. Wer heute beginnt, ist in der Regel im digitalen Zeitalter aufgewachsen. Kleine Betriebe können Digitalisierung-Projekte schnell und Lösungs-orientiert umsetzen. Sie sind natürlich abhängig davon, was der Markt bietet. Und wenn es zum Beispiel Software-Lösungen nur für große Betriebe gibt, dann wird es schwierig. Daher muss der Bedarf auch an kleine Betriebe angepasst sein.

Was wir auf jeden Fall brauchen, ist ein besserer Ausbau des Breitband-Netzes. Bei den Zugängen brauchen kleine Betriebe passgenaue Angebote, genauso wie bei den Kommunikations- und Software-Lösungen.

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