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Interview18.05.2020

Millionen für Qualifizierungsoffensive in BaWü

Wie die Schulen auch nach der Krise digitaler werden sollen

Dr. Susanne Eisenmann, Ministerin für Kultus, Jugend und Sport in Baden-Württemberg Quelle: Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg Dr. Susanne Eisenmann Ministerin Landesregierung Baden-Württemberg
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Uwe Schimunek
Freier Journalist
Meinungsbarometer.info
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"Corona hat uns gezeigt, dass wir noch schneller und intensiver an digitalen Lernangeboten arbeiten müssen", sagt Dr. Susanne Eisenmann, Kultus-Ministerin in Baden-Württemberg. Mehrere Angebote wurden früher als ursprünglich geplant eingeführt oder ausgebaut. Die Dienste sollen alsbald in eine landesweite Digitale Bildungsplattform eingebaut werden.





Mit den Erfahrungen aus mehreren Wochen Corona-bedingtem Home Schooling – was könnte für die Zeit nach der Krise mit normalisierten Schulbetrieb an digitalen Lernangeboten für Zuhause fortgeführt werden?
Im Moment machen Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler sowie Eltern zahlreiche und sehr unterschiedliche Erfahrungen mit dem Fernunterricht. Diese Erfahrungen werden wir für die Zeit danach bewerten, da wir davon überzeugt sind, dass wir aus einer solchen Krise auch etwas lernen und neue Ideen und Erfahrungen entwickeln können. Corona hat uns gezeigt, dass wir noch schneller und intensiver an digitalen Lernangeboten arbeiten müssen. Einiges haben wir in kurzer Zeit ermöglicht: Wir haben zum Beispiel die Bereitstellung eines sicheren Instant Messengers vorgezogen und die Lernplattform moodle sehr rasch mit deutlich erhöhten Kapazitäten ausgestattet. Darauf bauen wir auf, indem wir diese Dienste so bald wie möglich in eine landesweite Digitale Bildungsplattform einbauen. Dabei muss ich aber eines betonen: Obwohl digitale Plattformen sicherlich auch nach der Corona-Zeit eine überaus wichtige Rolle spielen, werden sie den direkten Kontakt mit Mitschülern und Lehrkräften nie ersetzen.

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Digitale Angebote stellt auch die Lehrerschaft vor Herausforderungen – wie müssen die Lehrer bei der Arbeit mit digitalen Hilfsmitteln begleitet werden?
Es ist bemerkenswert und verdient größten Respekt, wie sich die Lehrerinnen und Lehrer zusammen mit den Schülerinnen und Schülern in dieser schwierigen Zeit auf die ungewohnte Art des Unterrichts einlassen. Obwohl die Lehrkräfte sprichwörtlich ins kalte Wasser gesprungen sind und viele sich in kurzer Zeit neue Fähigkeiten angeeignet haben, gibt es weiterhin erheblichen Fortbildungsbedarf beim Einsatz digitaler Medien im Unterricht. Daher haben wir – übrigens schon vor der Corona-Krise – eine Qualifizierungsoffensive mit einem Fördervolumen von über fünf Millionen Euro ins Leben gerufen. Aber auch kurzfristig, also während der momentanen Krise, geben wir den Lehrerinnen und Lehrern Hilfestellungen, zum Beispiel durch Materialien, Tutorials, Webinare und digitale Sprechstunden.

Digitale Angebote brauchen Technik - wie lässt sich einer zunehmenden digitalen Spaltung der Schülerschaft entgegenwirken?
Ohne Laptops, Tablets und auch ohne leistungsfähigen Internetanschluss funktioniert digitales Lernen natürlich schlecht. Viele Schülerinnen und Schüler haben diese Voraussetzungen zwar, jedoch nicht alle. Dass diese Schülerinnen und Schüler auf der Strecke bleiben, müssen wir unbedingt verhindern. Daher sollen seit dem 4. Mai alle Schülerinnen und Schüler, die im Fernlernunterricht nicht erreicht wurden, an Präsenzangeboten in der Schule teilnehmen. Das Thema wird uns aber nicht nur während der Corona-Zeit begleiten. Daher begrüße ich die Initiative des Bundes, Schülerinnen und Schülern, die die notwendigen Geräte nicht haben, entsprechende Leihgeräte zur Verfügung zu stellen. Die dafür bereitgestellten Gelder werden wir so schnell und unbürokratisch wie möglich den Schulträgern und Schulen zukommen lassen. Als Voraussetzung dafür müssen wir aber auch den Netzausbau weiter vorantreiben. Es ist den Schülern ja wenig geholfen, wenn sie ein Leihgerät zu Hause haben, das sie aber wegen eines fehlenden Anschlusses nicht nutzen können.

Digitalisierung erfordert Investitionen, brauchen die Schulen in den Ländern nach dem gerade erfolgten Digitalisierungsschub zusätzliche Unterstützung vom Bund - und welche Potenziale sehen Sie in länderübergreifender Zusammenarbeit?
Bund und Länder arbeiten zusammen – und das nicht nur jetzt. Bereits vor der Corona-Krise gab es mit dem DigitalPakt Schule finanzielle Hilfen vom Bund. Das war auch notwendig. In der aktuellen Situation will der Bund, wie bereits erwähnt, weitere Gelder für ein Sofortausstattungsprogramm für Schülerinnen und Schüler zur Verfügung stellen, die zu Hause nicht auf ein digitales Endgerät zurückgreifen können. Das ist ein weiterer wichtiger Schritt. Bei der länderübergreifenden Zusammenarbeit ist außerdem die Kultusministerkonferenz eine hilfreiche Plattform, um die digitale Kooperation voranzutreiben. Natürlich immer mit Augenmaß. Denn nicht immer sind die Bedingungen in allen Ländern gleich, wodurch in manchen Bereichen auch ein unterschiedliches Vorgehen sinnvoll sein kann.

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