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19.10.2019
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MIKROMOBILITÄT NICHT ÜBERREGULIEREN

In welchem Bereich Regeln aber wichtig sind

Fabian Edel - Mobility Innovation, Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation

Fabian Edel - Mobility Innovation, Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation [Quelle: IAO]


„Neue Mobilitätsarten, wie derzeit die Elektrokleinstfahrzeuge, brauchen eine gewisse Eingewöhnungszeit und werden sich früher oder später in das tägliche Verkehrssystem einfügen“, sagt Fraunhofer-Experte Fabian Edel. Entscheidend sei die Akzeptanz anderer Verkehrsteilnehmer.


E-Scooter, E-Bords oder One-Wheeler, demnächst auch Kinderwagen mit Elektromotoren – immer mehr kleine E-Fahrzeuge sind unterwegs. Welchen Beitrag kann Mikromobilität bei der Lösung der Verkehrsprobleme lösen?
Wie es derzeit scheint, und die Zahlen bestätigen es, ersetzten die Nutzer nur zu einem kleinen Teil den PKW durch Elektrokleinstfahrzeuge oder steigen durch diese auf den öffentlichen Verkehr um. Hauptsächlich werden Wege zu Fuß oder mit dem Rad durch Elektrokleinstfahrzeuge ersetzt, was der gewünschte Wirkung, einem Entgegenwirken der Verkehrsproblematik, nicht dient. 

Wie muss die Verkehrsinfrastruktur an die Vielfalt der neuen Fahrzeuge angepasst werden?
Ich sehe keinen großen Änderungsbedarf der Verkehrsinfrastruktur, um eine neue Fahrzeugart zu etablieren. Die Verkehrswege Straße, Radweg und Fußweg sollten auseichen. Zumal in den meisten urbanen Räumen kein Platz für zusätzliche Verkehrswege zu Verfügung steht. Neue Mobilitätsarten, wie derzeit die Elektrokleinstfahrzeuge, brauchen eine gewisse Eingewöhnungszeit und werden sich früher oder später in das tägliche Verkehrssystem einfügen. Ein wichtiger Aspekt für die Integration, ist die Akzeptanz anderer Verkehrsteilnehmer. Darüber hinaus werden sich, ähnlich wie auch beim Fahrrad, Wege herauskristallisieren, welche geeignet und somit viel befahren sind und andere, welche kaum genutzt werden. Ganz abhängig von der Benutzbarkeit der Wege.

Die technische Entwicklung geht immer schneller und neue Fahrzeuge kommen immer schneller auf den Markt – wie sollte die kleinteilige Mikromobilität sinnvoll umfassend reguliert werden?
Es muss unbedingt vermieden werden, das Thema Mikromobilität zu überregulieren. Alleine die Zulassung für Deutschland hat gezeigt, wie lange und aufwendig eine intensive Regulierung ist. Zeit ist in dieser Branche aber ein großer Faktor. Somit können Überregulierungen Innovationshemmend für neue zukünftige Fahrzeugkonzepte sein. Allerdings ist auch eine Unterregulierung nicht zielführend. Vor allem im Bereich der Sicherheit sind Regulierungen wichtig. Fehlende Regulierungen in den europäischen Nachbarländern haben gezeigt, dass es ein Mindestmaß braucht, um die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer sicherzustellen. Ein gesundes Mittelmaß an Regulierung ist daher sicherlich sinnvoll, dennoch müssen sich alle Verkehrsteilnehmer auch an neuen Mobilitätsformen gewöhnen und entsprechend akzeptieren und das braucht wiederum Zeit.

Welche Rolle können Apps oder andere digitale Lösungen für eine Lenkung der elektrischen Mikromobilität spielen?
Ich denke nicht, dass digitale Lösungen zur Lenkung der elektrische Mikromobilität eine große Rolle spielen. In dieser Mobilitätsform geht es um schnelle, einfache, individuelle und nach Möglichkeit günstige Fortbewegung. Große digitalisierte und kommunikative System zur Lenkung von Mikromobilität passen da nicht rein. Anbieter von Sharingsystemen sowie Städte und Kommunen haben durch entsprechende Bereichsabdeckung und Verfügbarkeiten von Fahrzeugen ein gewisses Lenkungspotential, allerdings ist die heutige Mobilität so vielseitig und individuell, dass sich Mobilitätsangebote dem Nutzer anpassen müssen, der andernfalls ein anderes Verkehrsmittel wählt.