Menue-Button
← FACHDEBATTE
Interview12.08.2022

Maßgeschneiderte, wirksame Therapie für jeden Einzelnen als Ziel

Was personalisierte Medizin leisten kann

Dr. André Schmidt - Chief Scientific Officer, Novartis Pharma GmbH Quelle: Novartis/ Daniel Karmann Dr. André Schmidt Chief Scientific Officer Novartis Pharma GmbH
INITIATOR DIESER FACHDEBATTE
Uwe Rempe
Freier Journalist
Meinungsbarometer.info
ZUR FACHDEBATTE

"Manchmal wirkt nicht jedes Medikament bei Jedem gleich gut", sagt Dr. André Schmidt, Chief Scientific Officer bei Novartis. Sei Unternehmen forscht daher intensiv zu den krankmachenden Ursachen und zu entsprechenden neuen Behandlungsansätzen.





Was kann personalisierte Medizin leisten, was die heutige etablierte Schulmedizin nicht leisten kann?
In der etablierten Schulmedizin wird häufig das generelle Bild der Krankheit gesehen und darauf aufbauend eine Diagnose gestellt – mit einer allgemeinen Behandlung. Persönliche Merkmale des oder der Patient*in spielen eine untergeordnete Rolle. Doch manchmal wirkt nicht jedes Medikament bei Jedem gleich gut.

Personalisierte Medizin stellt die Einzigartigkeit der Patient*innen in den Vordergrund und schaut auf individuelle Besonderheiten der Betroffenen. Diese sind beispielsweise das Alter, die körperliche Fitness oder Merkmale der  persönlichen Gene und Zellen. Mit der genauen Kenntnis über diese Faktoren, zum Beispiel wenn die Beschwerden durch eine Genveränderung verursacht werden, können wir heute vorhersagen, ob ein Medikament bei einem/einer Patient*in nicht wirken oder starke Nebenwirkungen hervorrufen könnte. Das Ziel ist eine maßgeschneiderte, wirksame Therapie für jeden Einzelnen. Personalisierte Medizin verbessert also die Qualität der medizinischen Versorgung.

JETZT HERUNTERLADEN

DIE DOKUMENTATION DIESER FACHDEBATTE

DIE DOKUMENTATION ENTHÄLT

alle Debattenbeiträge ungekürzt im Original
Übersicht aller aktiven Debattenteilnehmer
Summary für Ihr Top-Management
MEHR ERFAHREN


Welche Neuerungen sind im Allgemeinen und von Ihrem Unternehmen im Besonderen in diesem Bereich kurz- und mittelfristig zu erwarten?
Zunächst gilt es allgemein die Diagnostik weiter zu verfeinern, um die Zahl der personalisierten Medikamente (aktuell 97 in Deutschland) weiter zu erhöhen. So werden individuelle Besonderheiten der Patient*innen erkannt, und auch für lang bewährte Medikamente kann eine personalisierte Anwendung erfolgen.

Bei Novartis forschen wir intensiv zu den krankmachenden Ursachen und zu entsprechenden neuen Behandlungsansätzen. Der Ausbau der Zusammenarbeit von Universitäten, Forschungsinstituten und der Industrie ist dabei essenziell, um ein rasches Vorantreiben dieser Forschung zu ermöglichen. Durch die voranschreitende Digitalisierung im Gesundheitswesen können individuelle Zusammenhänge schneller verstanden, Medikamente entwickelt und direkt zum/zur Patient*in gebracht werden.

Novartis treibt gezielt klinische Studien voran, bei denen die Individualität der Patient*innen und ihrer Erkrankung im Mittelpunkt stehen. Ein Beispiel dafür ist Lungenkrebs: bei einigen Patient*innen verringert sich die Überlebenschance durch eine bestimmte Genveränderung. Wir arbeiten an einer zielgerichteten Behandlung für diese Mutation. Es ist uns wichtig, die behandelnden Ärzt*innen fortlaufend über aktuelle Entwicklungen zu informieren, damit bei Erkrankungen die individuellen Ursachen und neuen Therapiemöglichkeiten berücksichtigt werden und diese ihren Weg in die tägliche Praxis finden können.

Inwieweit muss das Thema personalisierte Medizin adäquater Fachaufsicht und Regulierung unterworfen werden?
Bei personalisierter Medizin gelten dieselben Sicherheitsstandards wie bei der etablierten Schulmedizin. In klinischen Studien werden in jedem Fall neben dem Behandlungserfolg die Sicherheit und Nebenwirkungen der Behandlung überprüft. Eine Herausforderung bei der Personalisierung der Therapien stellt die geringere Anzahl betroffener Patient*innen dar, denn zur Bestimmung des Sicherheits- und Wirksamkeitsprofils einer jeden Therapie ist eine gewisse Zahl an Studienteilnehmer*innen erforderlich. Zudem gilt es, die geografische Verteilung der betroffenen Patient*innen im Auge zu haben, um eine ortsunabhängige Versorgung gewährleisten zu können. Und schließlich sind die Qualitätssicherung und die Kostenübernahme durch die Krankenkasse sicherzustellen.

Für uns ist es wichtig, die Sicht der Betroffenen in die Beratung, Behandlung, aber auch die Planung von klinischen Studien und die Entwicklung von Medikamenten einfließen zu lassen. Diese Patient*inneneinbindung wurde auch im aktuellen Koalitionsvertrag verankert.

Wie viel Digitalisierung erwartet uns in naher Zukunft im Gesundheitswesen, wie gläsern werden Patienten?
Die Digitalisierung ist für personalisierte Medizin wichtig, um individuelle Zusammenhänge von Faktoren, die eine Krankheit verursachen oder fördern, schneller zu erkennen. So können Patient*innen mit bestimmten Genveränderungen, für die beispielsweise eine klinische Studie durchgeführt werden soll, schneller erreicht und Behandlungserfolge gegebenenfalls auf gleich- oder ähnlich gelagerte Fälle übertragen werden. Auch die Zusammenarbeit aller an der Forschung Beteiligten , die an neuen Therapien arbeiten, wird erleichtert.

Dabei gelten die deutschen Datenschutzrichtlinien – sowohl in der Forschung und Behandlung mit personalisierter Medizin als auch in den dafür durchgeführten Studien. So werden Patient*innen immer um ihr Einverständnis zur Weitergabe oder Speicherung bestimmter Informationen gebeten, über deren Inhalt vorab genau informiert und eine Weitergabe an unbefugte Dritte unterbunden.

UNSER NEWSLETTER
Newsletter bestellen JETZT BESTELLEN
■■■ WEITERE BEITRÄGE DIESER FACHDEBATTE

EIN DEBATTENBEITRAG VON
PD Dr. Jörg Böhme
Chefarzt Klinik für Unfallchirurgie, Orthopädie und Spezialisierte Septische Chirurgie
Klinikum St. Georg Leipzig

Dr. Jörg Böhme, CA Klinikum für Unfallchirurgie, Orthopädie und septische Chirurgie am Klinikum St. Georg Leipzig
Personalisierte Medizin | Gesundheitswesen

Mittelfristig wird personalisierte ■ ■ ■

Wie KI die Radiologen sowie junge Ärzte in der ■ ■ ■

EIN DEBATTENBEITRAG VON
PD Dr. Jörg Böhme
Chefarzt Klinik für Unfallchirurgie, Orthopädie und Spezialisierte Septische Chirurgie
Klinikum St. Georg Leipzig

EIN DEBATTENBEITRAG VON
Paul O’Donohoe
Sprecher und Wissenschaftlicher Leiter
Medidata

Paul O’Donohoe, Medidata-Sprecher, Wissenschaftlicher Leiter, eCOA und Mobile Health
Personalisierte Medizin | Gesundheitswesen

Therapien gezielt individuell anpassen ■ ■ ■

Wie mit Daten ein realistischeres Verständnis ■ ■ ■

EIN DEBATTENBEITRAG VON
Paul O’Donohoe
Sprecher und Wissenschaftlicher Leiter
Medidata

EIN DEBATTENBEITRAG VON
Dr. Hanna Hartmann
Bereichsleiterin Biomedizin & Materialwissenschaften
NMI Naturwissenschaftliches und Medizinisches Institut Tübingen/Reutlingen

Dr. Hanna Hartmann, Bereichsleiterin Biomedizin & Materialwissenschaften sowie Leiterin Regenerative Biomaterialien  am NMI Naturwissenschaftliches und Medizinisches Institut Reutlingen
Personalisierte Medizin | Gesundheitswesen

Wie neue Medizinprodukte wirksam und ■ ■ ■

Und wie eine digitale Plattform für ■ ■ ■

EIN DEBATTENBEITRAG VON
Dr. Hanna Hartmann
Bereichsleiterin Biomedizin & Materialwissenschaften
NMI Naturwissenschaftliches und Medizinisches Institut Tübingen/Reutlingen

ZUR FACHDEBATTE

ÜBER UNSERE FACHDEBATTEN

Meinungsbarometer.info ist die Plattform für Fachdebatten in der digitalen Welt. Unsere Fachdebatten vernetzen Meinungen, Wissen & Köpfe und richten sich an Entscheider auf allen Fach- und Führungsebenen. Unsere Fachdebatten vereinen die hellsten Köpfe, die sich in herausragender Weise mit den drängendsten Fragen unserer Zeit auseinandersetzen.

überparteilich, branchenübergreifend, interdisziplinär

Unsere Fachdebatten fördern Wissensaustausch, Meinungsbildung sowie Entscheidungsfindung in Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Medien und Gesellschaft. Sie stehen für neue Erkenntnisse aus unterschiedlichen Perspektiven. Mit unseren Fachdebatten wollen wir den respektvollen Austausch von Argumenten auf Augenhöhe ermöglichen - faktenbasiert, in gegenseitiger Wertschätzung und ohne Ausklammerung kontroverser Meinungen.

kompetent, konstruktiv, reichweitenstark

Bei uns debattieren Spitzenpolitiker aus ganz Europa, Führungskräfte der Wirtschaft, namhafte Wissenschaftler, Top-Entscheider der Medienbranche, Vordenker aus allen gesellschaftlichen Bereichen sowie internationale und nationale Fachjournalisten. Wir haben bereits mehr als 600 Fachdebatten mit über 20 Millionen Teilnahmen online abgewickelt.

nachhaltig und budgetschonend

Mit unseren Fachdebatten setzen wir auf Nachhaltigkeit. Unsere Fachdebatten schonen nicht nur Umwelt und Klima, sondern auch das eigene Budget. Sie helfen, aufwendige Veranstaltungen und überflüssige Geschäftsreisen zu reduzieren – und trotzdem die angestrebten Kommunikationsziele zu erreichen.

mehr als nur ein Tweet

Unsere Fachdebatten sind mehr als nur ein flüchtiger Tweet, ein oberflächlicher Post oder ein eifriger Klick auf den Gefällt-mir-Button. Im Zeitalter von X (ehemals Twitter), Facebook & Co. und der zunehmenden Verkürzung, Verkümmerung und Verrohung von Sprache wollen wir ein Zeichen setzen für die Entwicklung einer neuen Debattenkultur im Internet. Wir wollen das gesamte Potential von Sprache nutzen, verständlich und respektvoll miteinander zu kommunizieren.