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Gerätehersteller wollen schnelles UKW-Ende

Warum es keinen Sinn macht, den Weg in eine digitale Rundfunkzukunft künstlich und politisch zu verlängern

Ralf Reynolds, Regional Director Central Europe bei Pure Quelle: Pure Ralf Reynolds Head of German and Swiss Sales Roberts Radio - Audio Selection creaktiv 13.08.2015
INITIATOR DIESER FACHDEBATTE
Alexander Hiller
Redakteur
Meinungsbarometer.info
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Die Radioveranstalter sind sich uneins. Die einen sind pro UKW, die anderen pro Digitalradio eingestellt. Fakt ist: Die Entwicklungsmöglichkeiten für UKW sind ausgereizt, zielgruppengenaue Programme mit maßgeschneiderten Informationen sind nur noch auf digitalen Verbreitungswegen möglich. So sieht es jedenfalls der Europachef von Pure, einem der wichtigsten Digitalradiohersteller weltweit. Kommt jetzt mithilfe der Industrie das schnelle UKW-Ende?







Werden Sie den Digitalradio-Standard DAB+ nach den geänderten Rahmenbedingungen zur weiteren Digitalradio-Einführung weiter unterstützen?
Als führender Hersteller von Digitalradios wird PURE selbstverständlich den Digitalradio-Standard DAB+ auch nach den geänderten Rahmenbedingungen zur weiteren Digitalradio-Einführung weiter unterstützen. Auch wenn wir uns etwas anderes wünschen: Wir als Hersteller und auch der Einzelhandel benötigen einen festen Termin zum Ende der analog-terrestrischen UKW-Ausstrahlung. Das ist der Schlüssel zum Erfolg, denn nur dieser feste Termin gibt uns ein sicheres und planbares Einführungsszenario für alle Beteiligten. Norwegen macht es uns allen vor: Als erstes Land schaltet Norwegen UKW ab. Ab dem 1. Januar 2017 können Radiohörer dort kein UKW-Radio mehr empfangen.

Welche Zukunftschancen sehen Sie für DAB+ in diesem Zusammenhang im Vergleich zu internetbasierten Radiodiensten?
Internetradio bietet Zugriff auf rund 20.000 Radiosender weltweit. Ich kann mir die entlegensten Orte der Welt nach Hause holen, in Urlaubserinnerungen schwelgen. So weit, so schön. Was aber nutzen mir im Alltag Informationen eines Senders aus New York, der mir erklärt, dass  gerade Stau auf der Brooklyn Bridge herrscht? Radiohörer brauchen Informationen, die sie persönlich betreffen. Deshalb erleben regionale Sender derzeit einen Nachfrage-Aufschwung, und neue, regionale Formate entstehen. Die Sender haben die Regionalität als wichtigen Pluspunkt für sich erkannt. DAB+ ist die geeignete Technologie, die Nachfrage nach regionalen Informationen zu befriedigen.

Ein weiterer Pluspunkt von DAB+ gegenüber Internetradio ist der unterbrechungsfreie Empfang im Auto – hier funktioniert Internetradio nicht besonders gut, es gibt immer wieder Funklöcher, die Verbindung reißt ab.

Digitalradio ist  zudem das einzige Medium, über das man relativ einfach große Massen erreichen kann. Beim Internetradio müssen die Rundfunkbetreiber ihre Kosten pro Hörer kalkulieren. Das kann zum Ruin führen.  Je länger wir den Übergang von UKW zu DAB+ verschieben, desto mehr Kunden finden zum Internet. Auch wenn für die Rundfunkbetreiber die Kosten nicht überschaubar sind: Für den Kunden am Internetradio ist dies nicht wichtig.

Sind nach Ihrer Einschätzung die Radioveranstalter selbst in der Pflicht, DAB+ weiter voranzutreiben oder muss die Politik über das Ende von UKW bestimmen und einfach einen Abschalttermin festschreiben?
Unter den Radioveranstaltern gibt es unterschiedliche Strömungen, die einen sind pro UKW, die anderen pro Digitalradio eingestellt. Fakt ist: Die Entwicklungsmöglichkeiten für UKW sind ausgereizt, zielgruppengenaue Programme mit maßgeschneiderten Informationen sind nur noch auf digitalen Verbreitungswegen möglich. Wir sehen es als Aufgabe der Politik an – natürlich in Absprache mit den Radioveranstaltern –  den Weg für innovative Formate zu ebnen. Dazu gehört, das Ende von UKW zu bestimmen und einen Abschalttermin festzuschreiben, der nicht in allzu ferner Zukunft liegt.  Von jetzt an noch weitere 10 Jahre zu warten, ist aus meiner Sicht und auch aus Sicht der Zuhörer nicht vertretbar. Ihnen wird der Weg in eine digitale Rundfunkzukunft künstlich und politisch verlängert.

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