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Interview22.09.2017

Funkmisere macht Wahl teuer

Warum beim Fernsehen ohne externe Technikfirmen nichts mehr geht

Joachim König, Präsident EVVC Europäischer Verband der Veranstaltungs-Centren e.V. Quelle: EVVC Joachim König Präsident EVVC Europäischer Verband der Veranstaltungs-Centren
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Alexander Hiller
Redakteur
Meinungsbarometer.info
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"Zur Bundestagswahl sind Unmengen von Teams und Produktionen unterwegs und die Menge an eingesetztem Equipment ist natürlich zahllos. Daher lassen sich in der Zwischenzeit selbst die Fernsehanstalten durch externe Technikfirmen betreuen, die hier als Frequenzkoordinatoren dienen, um möglichen Störungen entgegen zu wirken." Das sagt Joachim König, Präsident EVVC Europäischer Verband der Veranstaltungs-Centren. Dass dieser Aufwand mit zusätzlichen Kosten verbunden sei, die die Veranstaltungen belasten, verstehe sich von selbst.





Sind die Wahlübertragungen zur Bundestagswahl am 24. September durch fehlende Funkstrecken gefährdet?
Gerade zur Bundestagswahl sind Unmengen von Teams und Produktionen unterwegs und die Menge an eingesetztem Equipment ist natürlich zahllos. Durch unterschiedliche örtliche Begebenheiten ist die Dichte der festen Belegung im Frequenzband z.B. für DVB-T2 nicht überall gleich und erfordert in vielen Fällen die Anmeldung und Koordination von Übertragungsstrecken am Veranstaltungsort selber.

Störungen in der Bild- und Tonübertragung von einzelnen Signalen in der Produktion bis hin zum kompletten Signalabriss könnten hier nicht nur durch die Überlagerung bei der gleichzeitigen Nutzung von Kanälen, sondern auch durch Interferenzen entstehen. Auch Störungen in den Kommunikationskanälen für die Produktionen wären denkbar.

Auf der anderen Seite ist jedoch der große Bedarf im Frequenzband zum besagten Termin weit vorher bekannt. Daher lassen sich in der Zwischenzeit selbst die Fernsehanstalten durch externe Technikfirmen betreuen, die hier als Frequenzkoordinatoren dienen, um möglichen Störungen entgegen zu wirken. Dass dieser Aufwand mit zusätzlichen Kosten verbunden ist, die die Veranstaltungen belasten, versteht sich von selbst. Von daher gehe ich davon aus, dass die Übertragungen am 24.09. weitgehend störungsfrei über die Bühne gehen werden.

Ab 2019 wird sich die Frequenzsituation weiter verschärfen, da der Mobilfunk zu Ungunsten der Drahtlosanwender weitere Frequenzen erhält. Welche Szenarien drohen dann?
Die bisherige Situation wird sich noch weiter verschärfen und alle Beteiligten erneut zu großen Ausgaben zwingen. Um der steigenden Wahrscheinlichkeit von Ausfällen und Störungen auch bei kleineren Veranstaltungen entgegen zu wirken, wird die Rückkehr zu drahtgebundenen Übertragungssystemen erforderlich sein – zumindest dort, wo es noch möglich ist, wobei dies natürlich auch ein Anachronismus ist, der sich nur schwer vermitteln lassen dürfte.

Technikhersteller werden im Laufe der Zeit neues Equipment entwickeln, das den Anforderungen gerecht wird und in die die Häuser und Anwender in der Folge wieder investieren müssen. Ein weiterer Kostenfaktor werden die notwendigen steigenden Ausgaben für die Koordination der Frequenzen sein, um die bisherige Qualität technischer Übertragungen aufrechterhalten zu können.

Welche Möglichkeiten haben Drahtlosanwender überhaupt gegen den Verlust von Frequenzen vorzugehen? Was erwarten Sie von der Politik zum Schutz der Drahtlosanwender?
Für die Politik ist in erster Linie der finanzielle Ertrag durch die Versteigerung der Funkfrequenzen entscheidend. Einzelinteressen wie die der Veranstaltungshäuser und anderer Nutzer von Drahtlostechnologien stehen hier bislang nicht im Vordergrund, so dass es kaum Möglichkeiten gibt, gegen den Verlust von Frequenzen etwas zu unternehmen.

Und genau das muss sich ändern: Unsere Branche erwartet eine wirkliche Einbeziehung und Berücksichtigung der Interessen aller Stakeholder in diese Entscheidungsprozesse und damit in diesem Falle eine verlässliche Nutzung einer ausreichenden Menge störungsfreien Spektrums über einen langen Zeitraum. Sollte eine erneute Umwidmung zwingend erforderlich sein, sind technische und finanzielle Kompensationen unerlässlich.

Diese dann aber bitte verbunden mit realistischen Vorgaben. In der Vergangenheit waren diese Anträge eher ein Mittel der Kompensations-Verhinderung im Rahmen einer Alibi- und Plazebo-Politik.

Welche Hoffnungen aber auch Sorgen verbinden Sie mit der nächsten Weltfunkkonferenz? (Bisher wurden dort tendenziell eher die Mobilfunkanwender gestärkt)
Auf der Weltfunkkonferenz werden traditionell Rahmenbedingungen geschaffen, die dann z.B. auf europäischer bzw. nationaler Ebene in geltendes Recht umgesetzt werden. Hier wäre es zwingend notwendig, alle Interessensgruppen in die Verhandlungen und Gespräch mit einzubeziehen, um deren Sorgen und Nöte auch auf internationaler Ebene zu hören. Die letztendliche Umsetzung der Funkfrequenzänderungen erfolgt dann auf nationaler Ebene. Durch die große Lobby der Mobilfunkanwender und die damit verbundenen möglichen Einnahmen für die Regierungen ist es jedoch derzeit schwer vorstellbar, dass die Anwender von Drahtlostechnologien zukünftig mehr Gehör finden.

Und dennoch ist es natürlich keine Lösung, hier den Kopf in den Sand zu stecken und nichts zu tun. Der EVVC unterstützt daher die Arbeit von Initiativen wie S.O.S. (Save our Spectrum) und die des APWPT.

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