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Interview22.09.2017

Frequenzknappheit bedroht Meinungsfreiheit

Was für die Nutzer von Funktechnik getan werden muss

Matthias Fehr, Präsident Association of Professional Wireless Production Technologies e.V. (APWPT) Quelle: APWPT Matthias Fehr Präsident Association of Professional Wireless Production Technologies e. V. (APWPT)
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Alexander Hiller
Redakteur
Meinungsbarometer.info
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"Vereinfachend muss man davon ausgehen, dass zu bestimmten Wahlterminen mehr Frequenzen bei den Koordinatoren beantragt werden als umsetzbar sind", sagt APWPT-Präsident Matthias Fehr. Das internationale Anwendernetzwerk kämpft auf nationaler und internationale Ebene um Funkfrequenzen.





Sind die Wahlübertragungen zur Bundestagswahl am 24. September durch fehlende Funkstrecken gefährdet?
Die Produktion der Berichterstattung am Wahlabend ist für die ausführenden Organisationen eine erhebliche Herausforderung. Das gilt auch für die Koordinierung und die Genehmigungen für drahtlose Produktionswerkzeuge. Neben den nationalen Rundfunkveranstaltern wollen natürlich viele internationalen Teams berichten.

Vereinfachend muss man davon ausgehen, dass zu bestimmten Wahlterminen mehr Frequenzen bei den Koordinatoren beantragt werden als umsetzbar sind. Mit dieser Situation muss die zuständige Frequenzverwaltung sehr sorgfältig umgehen, um nicht in die Meinungsfreiheit einzugreifen. Auf der APWPT-Homepage wird über die Frequenzsituation an einige Wahlabenden berichtet: https://www.apwpt.org/technical-papers/dke/index.html

Ab 2019 wird sich die Frequenzsituation weiter verschärfen, da der Mobilfunk zu Lasten der Drahtlosanwender weitere Frequenzen erhält. Welche Szenarien drohen dann?
Die Anwender drahtloser Werkzeuge sind grundsätzlich von nationalen und internationalen Abläufen betroffen:

a) Beispiele für internationale Abläufe
- Umsetzung der Entscheidung der Europäischen Kommission zur Mobilfunkeinführung im 700 MHz-Bereich – beeinflusst drahtlose Mikrofone
- Umsetzung der Vorschläge der Europäischen Kommission Frequenznutzung im Bereich 2300 bis 2400 MHz – beeinflusst drahtlose Kameras.

b) Beispiele für nationale Abläufe
- Umstellung der Fernsehsender, um den 700 MHz-Bereich zu räumen – beeinflusst drahtlose Mikrofone.
- Ausbau der DAB+ Versorgung im VHF-Fernsehbereich – beeinflusst drahtlose Mikrofone.

Welche Möglichkeiten haben Drahtlosanwender überhaupt gegen den Verlust von Frequenzen vorzugehen? Was erwarten Sie von der Politik zum Schutz der Drahtlosanwender?
Die Anwender haben schon vor vielen Jahren die Notwendigkeit zu einem koordinierten Engagement zur Wahrnehmung ihrer Interessen verstanden. Eine von vielen Aktivitäten war die Gründung der APWPT – einem internationalen Netzwerk, welches intensiv in die Arbeit vieler Gremien eingebunden ist. Hier müssen wir internationale Abläufe begreifen und uns in deren Gestaltung einbringen – alles andere als eine einfache Aufgabenstellung!

Daneben haben wir nationale Initiativen, wie zum Beispiel die Arbeit einer Vielzahl von Interessenverbänden, aber auch die deutsche SOS-Initiative. Diese Organisationen stehen in engem Kontakt mit der nationalen Politik und den Frequenzverwaltungen. Nach mehr als 9 Jahren enger Sacharbeit bleibt das Fazit, dass es zu dieser gemeinsamen Interessenvertretung keine Alternative gibt, wir müssen auch in Zukunft „Flagge zeigen“ und dies immer nachhaltiger. Die bisherigen Erfolge zeigen, dass die Arbeit nicht vergeblich ist.

Welche Hoffnungen aber auch Sorgen verbinden Sie mit der nächsten Weltfunkkonferenz?
Die Weltfunkkonferenz 2015 (WRC-15) hat beschlossen, dass mit der WRC-19 Studien zum UHF-TV-Bereich 470 bis 694 MHz gestartet werden, die bei der WRC-23 abschließend beraten werden sollen – hier besteht die Gefahr, dass weitere Frequenzbereiche für Funkmikrofone und TV verloren gehen. Die Weltfunkkonferenz 2015 (WRC-15) hat aber auch die Resolution 59-1 beschlossen. Diese lädt alle Mitglieder der ITU (International Telecommunication Union) zur nationalen Identifizierung von Frequenzbereichen für drahtlose Werkzeuge ein, die z.B. in Kultureinrichtungen und der Veranstaltungsproduktion genutzt werden.

APWPT hat intensiv an der Europäischen Vorbereitung dieser Aufgabenstellung mitgearbeitet. Bereits im November 2016 hat Europa eine umfassende Liste von nutzbaren Frequenzbereichen in die Arbeit der ITU eingebracht – aus unserer Sicht ein erfolgreicher Arbeitsablauf. 

In anderen Regionen sieht es leider noch nicht so gut aus. Hier hat APWPT nur wenige Mitglieder und die zur Verfügung stehenden Ressourcen sind begrenzt. Daher ist derzeit ist noch nicht abzusehen, ob wir gemeinsam in der Lage sein werden, diese notwendige Arbeit ausreichend zu unterstützen.

Alle beschriebenen Abläufe müssen auch in Zukunft, im Interesse „unserer Funkfrequenzen“ fortgesetzt werden – das ist nur durch gemeinsames und immer nachhaltiges Networking möglich. Bitte fühlen Sie sich dazu eingeladen – Kontakt via: office@apwpt.org

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