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Interview28.04.2021

Ein weiterer Kunstmarktzweig im Netz

Was an NFTs neu ist - und was nicht

Marcel Noack - Bundesvorstand, Bund Bildender Künstler*innen Quelle: Marcel Noack Marcel Noack Bundesvorstand Bund Bildender Künstler*innen
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Uwe Schimunek
Freier Journalist
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"Digitale Kunst ist nicht erst seit gestern auf zahlreichen Ebenen digital oder nennen wir es einfach im Netz erlebbar", sagt Marcel Noack. Visual Artist und Fotograf ist BBK-Bundesvorstand und arbeitet in den Fachausschüssen Urheberrecht, Digitalisierung & Künstliche Intelligenz im Deutschen Kulturrat. Er erklärt, was sich mit der Blockchain-Technologie NFT (Non-fungible Tokens) für Künstler und den Kunstmarkt ändert.





NFT-zertifizierte digitale Werke erzielen zum Teil Millionen-Erlöse. Inwieweit können solche NFT-Zertifikate den Kunstmarkt eine digitale Zukunft geben?
Zu aller erst sollte man unterscheiden zwischen digitalen Werken und digitaler Kunst. Denn auch Videos, Musik, Texte usw. können problemlos NFT-zertifiziert bzw. deklariert und folglich auf den Märkten dieser globalisierten Welt als Kaufobjekte zugänglich gemacht werden. Digitale Kunst ist nicht erst seit gestern auf zahlreichen Ebenen digital oder nennen wir es einfach im Netz erlebbar und zwar lange vor NFT. Neu bei den NFT ist jedoch, dass die Urheber:innen nun selbst entscheiden können, wie sie an den (Wieder)Veräußerung ihrer Werke finanziell beteiligt werden. Die Künstler:innen bestimmen ganz wie im Analogen ihre Auflagenhöhe resp. Vervielfältigungen. Somit ist der Kunstmarkt bereits von NFT digital gewesen. Es ist aber davon auszugehen, dass sich durch NFT ein weiterer Kunstmarktzweig im Netz etablieren wird.

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Befürworter halten der Technologie zugute, dass sie die Künstler unabhängiger von den großen Netzplattformen machen können – wie sehen Sie das?
Jeder Vermarktungsbereich hat seinen eigenen Marktplatz. Zu den großen  Netzwerkplattformen gehören sicherlich Facebook, Instagram und vielen weitere Social Media Kanale. Künstler:innen entscheiden sich meist bewußt für oben genannte Kanäle um ihre Sichtbarkeit und die Sichtbarkeit ihrer Werke zu erhöhen. Da wird dann schnell mal ein Bild geteilt – natürlich mit den dazugehörigen Tags. Diese etablierten Plattformen sind aber keine Verkaufsorte von (digitaler) Kunst sondern vielmehr ein Katalysator ihrer Verbreitung im Netz. Wenn Künstler:innen ihre NFT-zertifizierte digitale Kunst feilbieten, benötigen sie andere Netzwerkplattformen. Diese Verkaufsplattformen unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Ausrichtung stark voneinander. SuperRare zum Beispiel beinhaltet explizit anspruchsvolle digitale Kunst. Dort wird man keine Memes, Rezepte oder ähnliches finden. Dementsprechend hoch können die Verkaufspreise auch ausfallen. Kurzum verschiebt sich einfach die Abhängigkeit der Künstler:innen. Facebook und Co. dienen als Werbekanal um dann auf NFT-Marktplätze zu verweisen. Das könnte man schon als unabhängiger  betrachten, natürlich nur sofern die Akteure über Kryptogeld verfügen, um ihre Kunstwerkt auch zu tokenisieren. Der letzte Punkt birgt Abhängigkeit – von Kryptobörsen und -währungen.

Kritiker wenden ein, dass sich auch die „Einzelstücke“ einfach digital reproduzieren lassen. Welchen Sinn haben NFT-Zertifikate angesichts dessen?
Genau dies ist doch der Kern der NFT-Zertifikate. Natürlich lassen sie alle Kunstwerke reproduzieren und digitale ihrem Wesen nach dazu auch noch einfacher und schneller. Die Frage ist doch vielmehr, was ist das Ursprungskunstwerk? Nehmen wir beispielsweise das Ölgemälde von Leonardo da Vinci, die Mona Lisa. Es ist zweifelsohne eines der  bekanntesten Werke in der Bildenden Kunst. Als Reproduktion – schlechten wie sehr guten – findet es sich in zahlreichen Wohnungen auf der ganzen Welt wieder. Natürlich kann die Reproduktion weiterverkauft werden. Der Erlös wird wohl kaum über dem Anschaffungswert liegen. Anders sieht es da bei dem Original im Louvre aus. Die Originale sind es, die für den Kunstmarkt relevant sind. Folglich habe auch NFTs ihre Berechtigung und stellen kein Paradigmenwechsel im Kunstmarkt dar. 

Inzwischen sind auch herkömmliche Auktionshäuser in das Geschäft mit NFT-zertifitzierten Unikaten eingestiegen – kann sich die Technologie auch außerhalb der digitalen Sphäre dauerhaft etablieren?
Dass Auktionshäuser auf der Welle der NFTs mitreiten überrascht nicht. Die Künstler:innen haben ihren digitalen Werken mit der Tokenisierung ihre individuellen  Lizensierungsangaben eingeschrieben – man könnte auch von Signatur sprechen. Diese
Unikate sind für Sammler:innen und Kunsthändler:innen sehr interessant. Die NFT-Technologie basiert auf der Ethereum-Blockchain. Anders als Bitcoin ist Ethereum
keine reine Kryptowährung, sondern überdies eine Plattform für dezentrale Programme und Kontraste bzw. verbindliche Vereinbarungen und Verträge – sogenannte Smart Contracts – und bereits heute Teil unserer digitalisierten Wirtschaftwelt, die folglich auch in die nichtdigitale Sphäre wirkt.

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