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Interview08.02.2023

Digitalisierung kann Regulierungskonzepte in Frage stellen

Warum eine bessere digitale Kommunikation mit Behörden für Schweizer Wirtschaft ein Muss ist

Alexander Keberle, Mitglied der Geschäftsleitung und Leiter des Bereichs Infrastruktur, Energie & Umwelt von economiesuisse, dem Dachverband der Schweizer Wirtschaft Quelle: economiesuisse Alexander Keberle Mitglied der Geschäftsleitung und Leiter Bereich Umwelt, Energie und Infrastruktur economiesuisse
INITIATOR DIESER FACHDEBATTE
Uwe Rempe
Freier Journalist
Meinungsbarometer.info
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Die Schweiz muss in Sachen digitaler Kommunikation zwischen Wirtschaft und Behörden  besser werden, sagt Alexander Keberle, Mitglied der Geschäftsleitung sowie Leiter Umwelt, Energie und Infrastruktur von economiesuisse, dem Dachverband der Schweizer Wirtschaft. Und er sagt auch, worauf besonders Wert gelegt werden sollte.





Auf welchem Niveau befindet sich derzeit die digitale Kommunikation zwischen Unternehmen und Behörden?
Über die ganze Schweiz hinweg kann das Digitalisierungsniveau im besten Fall als mittelmässig bezeichnet werden. Die Schweiz ist im Europäischen Mittelfeld des E-Government Index der UN und in den Top 20 Prozent weltweit, mit sehr guten Telekom-Infrastruktur Noten (Rang 8 weltweit), aber relativ schlechten E-Services Noten (Rang 49 weltweit) – als eines der innovativsten, kompetitivsten und wohlständigsten Länder muss die Ambition höher sein. Für die Realität der Unternehmen ist jedoch insbesondere die Interaktion mit Kantonen und Gemeinden im Alltag wichtig, wo beträchtliche Unterschiede im Entwicklungsstand vorherrschen. Ein positiv zu wertender Schritt ist die Plattform «easygov.swiss», wobei diese Plattform erst der Anfang eines digitalen Ökosystems darstellen kann. Am Ende braucht es die Möglichkeit, dass Private über offene Schnittstellen direkt mit Behörden unter Nutzung ihrer Standard-Software kommunizieren können. Um voranzukommen, braucht die Schweiz schliesslich dringend eine E-ID.

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Trägt dieser Kommunikationsweg in irgendeiner Weise zum Abbau von Bürokratiebelastungen in Unternehmen aller Größenordnungen bei?
Absolut. Die Schweizer Wirtschaft ist hoch innovativ und zukunftsorientiert. Prozesse sind vermehrt «digital only» - die Digitalisierung hat praktisch überall Einzug gehalten. Digitale Kommunikation ist kein «nice to have» sondern ein «must have». Die Digitalisierung kann auch bestehende Regulierungskonzepte grundsätzlich in Frage stellen, da Verknüpfungen zwischen einzelnen Themen erkennbar werden und es keine Regulierung «in Silos» mehr braucht.

Im Auge behalten werden müssen aber zwei mögliche Entwicklungen, welche die Vorzüge der Digitalisierung wieder zunichtemachen können: a) der Anspruch an Informationen gegenüber den Privaten nimmt zu, neue Möglichkeiten wecken neue Begehrlichkeiten («gläserne/r Bürger/in») und b) Digitalisierung darf nicht bedeuten, analoge Prozesse digital nachzubauen. Um Effizienzvorteile zu erzielen, braucht es ein grundsätzliches Neudenken.

In welchen Feldern sehen die Unternehmen dabei vordringlichen bzw. generellen Verbesserungsbedarf?
Abdeckung der wichtigsten Funktionen digital in allen Kantonen / Gemeinden; digitale end to end Prozesse, nicht digitale Nachbildung analoger Prozesse; Standards und Schnittstellen; Rechtlicher Nachvollzug (E-ID; E-Signaturen; Akzeptanz digitaler Dokumente).

Ist die Rechtslage – etwa hinsichtlich Datenschutz bzw. Schutz betrieblicher Geheimnisse – diesem Gegenstand angemessen?
Gefährlich wird es dann, wenn der Datenhunger zunimmt, aber die Nutzung der Daten keine Schranken erfährt (bspw. KI Analyse, analytische Fishing-Expeditions). Die Versuchung, Nutzerprofile zu erstellen, ist bei hoher Verfügbarkeit verlässlicher Daten sehr gross. Es braucht entsprechende Kontrolle durch eine technisch versierte Aufsicht.

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